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Futtermittel-Skandal um genmanipulierte Bakterien

Fressende Schweine, Bild: Rose Davies

© Rose Davies / flickr.com

(12.12.2018) In rund einem Drittel der europäischen Länder wurden Futtermittelzusätze entdeckt, die mit gentechnisch veränderten Bakterien verunreinigt sind. Obwohl die zuständigen Behörden mindestens seit 2014 von dem Problem wussten, reagierten sie erst jetzt.

Ein Antrag – keine Prüfung

Im Jahr 2010 stellte eine chinesische Firma einen Antrag auf Import-Zulassung für einen Futtermittelzusatzstoff bei der EU-Kommission. Es handelte sich dabei um Riboflavin – auch bekannt als Vitamin B2. Hergestellt wird dieses Vitamin mittels gentechnisch veränderter (GV) Bakterien (Stamm: Bacillus subtilis KCCM-10445). Besonders problematisch ist, dass diese Bakterien gleich gegen sechs verschiedene Antibiotika resistent sind: Erythromycin, Chloramphenicol, Ampicillin, Kanamycin, Bleomycin und Tetracyclin. Vier davon sind auch für die Behandlung von Mensch und Tier relevant.

Nach Angaben des Herstellers sollen im fertigen Zusatzstoff eigentlich keine Bakterien mehr enthalten sein – weder tote noch lebendige.

Zu diesem Schluss kam 2013 auch die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA: Im Endprodukt seien keine der genveränderten antibiotikaresistenten Bakterien mehr vorhanden und somit ginge von den Futtermitteln auch keine Gefahr für Mensch, Tier und Umwelt aus. Doch bei ihrer Bewertung verließ sich die EFSA allein auf die Informationen, die vom Hersteller übermittelt wurden und testete die mit dem Zulassungsantrag mitgelieferten Proben nicht auf Verunreinigungen.

Seit 2014 unkontrollierte Verbreitung

2014 meldete eine deutsche Kontrollbehörde den Fund von genveränderten Bakterien in den Proben des Herstellers aus den Jahren 2010 und 2013, die er zusammen mit dem Zulassungsantrag eingereicht hatte. Und auch weitere europäische Länder vermeldeten 2014 solche Funde im Futtermittelzusatzstoff Riboflavin, wie die Dokumentation des europäischen Schnellwarnsystems zeigt.

Hätte sich die EFSA nicht auf die Angaben des Herstellers verlassen, sondern selbst geprüft, hätte sie also schon 2010 von den Verunreinigungen mit den unerlaubten genmanipulierten Bakterien wissen können. Seit 2014 wussten die Behörden definitiv  davon. 

Doch was hat sich seitdem getan?

2014 und 2015 wurden von Seiten der EU-Kommission weitere Untersuchungen durchgeführt. 2016 wurde die EFSA dann aufgefordert, eine erneute Risikobewertung des Futtermittelzusatzstoffes durchzuführen. Veröffentlicht wurde diese im März 2018. Die EFSA warnt darin vor den Risiken für Tiere, Menschen und Umwelt, die von den antibiotikaresistenten Bakterien ausgehen. Denn es bestehe die Gefahr, dass sich die Antibiotikaresistenz-Gene verbreiten und damit wichtige Antibiotika bei Mensch und Tier unwirksam werden könnten. Im September 2018 verkündete die EU-Kommission dann schließlich, dass die kontaminierten Produkte bis Juli 2019 Schritt-für-Schritt vom Markt genommen werden müssen.

Rund vier Jahre lang blieben die Futtermittel mit den unerlaubten Bakterien also im Umlauf – obwohl die Behörden frühzeitig Bescheid wussten. Wie viele Tonnen verunreinigter Futtermittel bis heute verfüttert wurden, ist nicht bekannt.

BVL verharmlost

Das deutsche Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit versucht, den Fall zu verharmlosen: Auf Anfrage von AGRA-EUROPE teilte die Behörde mit, dass derzeit kein Nachweis vorliege, dass das fragliche genveränderte Bakterium in dem beanstandeten Futtermittelzusatz enthalten und in Tierfutter gelangt sei. Und das, obwohl die übergeordnete europäische Behörde EFSA vor dem Futtermittelzusatz gewarnt hat und dieser nun schrittweise vom Markt genommen wird.

 

 

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