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Aus für Brennelementefabrik Lingen im Jahr 2021?

Atomanlage in Narbonne, Brennelementefabrik Lingen (Fotos: Cécile Lecomte, Dirk Seifert)

Atomanlage in Narbonne, Brennelementefabrik Lingen (Fotos: Cécile Lecomte, Dirk Seifert)

(20. Dezember 2018) Laut Medienberichten gibt es Pläne, die Brennelemente-Produktion im niedersächsischen Lingen 2021 zu stoppen. Was ist dran an der Meldung?

Am Mittwoch, den 19. Dezember berichtete die Tageszeitung taz, in Frankreich sei das Aus der Brennelementefabrik in Lingen Thema. Der Ausbau einer Atomfabrik im französischen Narbonne am Mittelmeer würde mit dem Produktionsstopp in der Lingener Anlage begründet.

Mögliches Ende von Teilen der Produktion

Tatsächlich plant der Atomkonzern Orano in Narbonne Malvési die Inbetriebnahme einer Urankonversionsanlage zur Herstellung von Urandioxid (UO2) aus abgereichertem Uran. UO2 ist der Grundstoff für Brennelemente, wie sie in Atomkraftwerken Einsatz finden. Auch in der von ANF (Advanced Nuclear Fuels) betrieben Fabrik in Lingen wird Urandioxid produziert. Orano und ANF gingen beide aus der Zerschlagung des französischen Atomkonzerns Areva hervor. Hauptanteilseigner ist jeweils noch immer der französische Staat.

Die für den Betrieb der Anlage in Narbonne zuständige Behörde – die Präfektur der Region Okzitanien – erteilte nun, Recherchen einer unabhängigen Aktivistin zufolge, im Juli die Genehmigung für die Bereitstellung einer Urankonversionsanlage. Das Genehmigungsschreiben verweist dabei auf grundlegende Bedingungen für die Betriebsgenehmigung. In einem der zugehörigen Papiere heißt es: Die Anlage in Narbonne ziele darauf, die Produktion von Urandioxid auf das französische Hoheitsgebiet zu verlagern, um nach der Einstellung der Produktion am Standort Lingen (2021) eine nachhaltige und kontrollierte Versorgung sicherzustellen. Eine Verlagerung der Urandioxid-Produktion nach Narbonne würde nicht notwendiger Weise das Aus für die Anlage in Lingen bedeuten. In Lingen werden Brennelemente auch aus zugeliefertem UO2 hergestellt. Ein Teil-Aus in Lingen wäre jedoch ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Stilllegung der gesamten Fabrik.

Der Atomausstiegsbeschluss in Deutschland hat zur Folge, dass in den kommenden Jahren auch die Nachfrage nach Brennstoff hier geringer ausfällt und sich damit die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für den Betrieb der Lingener Anlage ändern. Eine Verlagerung der Produktion von Brennstoff nach Frankreich bzw. die dortige Zusammenlegung mit bereits bestehenden Anlagen der Atomindustrie kann für den Betreiber aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoll sein - Frankreich verfügt derzeit über 58 in Betrieb befindliche Reaktoren.

Geringere Entschädigungen bei angeordneter Stilllegung

Die Bundesregierung gibt sich laut der Tageszeitung überrascht. Über entsprechende Stilllegungspläne ist sie weder vom Betreiber noch dem französischen Staat informiert. Dennoch dürften die offiziellen Schreiben der Präfektur auch für die Bundesregierung interessant sein. Im Falle freiwilliger Stilllegungsabsichten von Seiten des Betreibers dürften spätere Entschädigungsforderungen weniger Aussicht auf Erfolg haben. Für die Bundesregierung sind die Ankündigungen aus Frankreich insofern wichtige Informationen, wenn sie die Stilllegung der Lingener Fabrik prüft, wie sie es im Rahmen ihres Koalitionsvertrags beschlossen hat.

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