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Störfall im AKW Doel 1: Pannen ohne Ende

Das Pannen-AKW Doel in Belgien (Foto: Alf van Beem, wikimedia commons)

Das Pannen-AKW Doel in Belgien (Foto: Alf van Beem, wikimedia commons)

(8. Mai 2018) Die Hiobsbotschaften aus Belgien reißen nicht ab. Seit mehr als zwei Wochen tritt am AKW Doel 1 aufgrund eines Lecks im Notkühlsystem im nuklearen Bereich des Reaktors radioaktives Wasser aus. Selbst in der Geschichte des Pannenreaktors 140 Kilometer westlich der deutschen Grenze ist dies beispiellos.

"Das darf nicht vorkommen und das gab es auch noch nie", kommentiert der ehemalige Direktor der belgischen Atomaufsicht FANC Willy De Roovere die Situation. Das Leck im Kraftwerk befindet sich an einer besonders sensiblen Stelle in der Schweißnaht eines Kühlwasserrohres am Eintritt zum Reaktordruckbehälter: Hier kommen hohe Temperaturen, hoher Druck und hohe Strahlung zusammen. Dadurch und weil die Schweißnaht zudem schwer zugänglich ist, wird die Reparatur erschwert. Es kursieren Berichte, dass ArbeiterInnen nur wenige Stunden am Unfallort arbeiten können, um Grenzwerte für die akute Strahlungsbelastung nicht zu überschreiten. Dies mache Reparaturarbeiten zeitintensiv.

Belgische Atomaufsicht verharmlost Panne

Für die belgische Atomaufsicht stelle der Vorfall "an sich keine Sicherheitsprobleme" dar. Dennoch hat der Betreiber ENGIEelectrabel den Reaktor stillgelegt und verzichtet damit auf mögliche Betriebseinnahmen. Auf der sog. INES-Skala, anhand der sicherheitsrelevante Vorfälle in AKW bewertet werden, stuft sie das Leck in Doel als "Unregelmäßigkeit" (Kategorie 0) ein, die für die nukleare Sicherheit von geringer Bedeutung ist.

Prof. Manfred Mertins, Gutachter für Atomsicherheit (ehem. GRS) bezeichnet die Einstufung als "eine klare Verharmlosung". Aus Mertins Sicht gibt es "einen sicherheitsrelevanten Befund". Die belgische Atomaufsicht FANC komme ihrer Verantwortung, die sie als Behörde gegenüber der Öffentlichkeit hat, nicht nach. Das Leck in Doel gehöre auf der Skala mindestens auf Stufe 1 ("Störung") oder gar Stufe 2 ("Störfall") eingestuft. Mertins verweist darauf, dass das Kühlsystem des Reaktors Doel 1 nur doppelt ausgelegt ist, während AKW in Deutschland Kühlsysteme drei- bis vierfach vorhalten müssen.

Die Stilllegung - geplant ist sie bis Anfang Oktober 2018 - wird wohl auch dazu genutzt werden, die Brennelemente des Reaktors auszutauschen. Bizarrer Weise stammen diese noch immer aus Deutschland. Alleine zwischen 18. März und 4. April gab es fünf Lieferungen von Brennelementen aus der Atomfabrik im niedersächsischen Lingen an das nun verunfallte AKW Doel. Obwohl die Bundesregierung die Sicherheit der belgischen AKW immer wieder kritisiert, billigt sie Brennstoff-Exporte. Es ist höchste Zeit, dass die Bundesregierung klare Kante zeigt und einen Lieferstopp für Risikoreaktoren verhängt!

Mangelnde Sicherheitskultur in Belgien Grund zur Sorge

Schon vor der aktuellen Panne in Doel äußerte sich Prof. Hans-Josef Allelein, Reaktorsicherheitsexperte am Forschungszentrum Jülich, beunruhigt um die "mangelnde Sicherheitskultur" in Belgien. Diese mache ihm noch mehr Sorgen als die marode Technik der belgischen AKW. So stand bis vor kurzem der ehemaligen Leiter des Atomkraftwerks Doel, Jan Bens, der belgischen Atomaufsicht als Direktor vor - was eine Verquickung von Betreiber- und Aufsichtsinteressen nicht ausschließen lässt. Und drei Jahre lang arbeitete ein belgischer Dschihadist als Techniker im Hochsicherheitsbereich des AKW Doel, bevor er sich 2014 nach Syrien absetzte. Der Umgang mit der aktuellen Panne in Doel unterstreicht Prof. Alleleins Bedenken.

Panne über Panne: Tihange meldet weitere "Störung"

Es bleibt zu hoffen, dass das Leck im Notkühlkreislauf des AKW Doel die letzte Hiobsbotschaft von belgischen Pannenreaktoren bleibt. Weit gefehlt! Bereits während des Verfassens dieses Textes erreicht die nächste Meldung die Öffentlichkeit: "Zwischenfall im AKW Tihange 2". Bereits im April hat es Pumpenprobleme im umstrittenen Reaktor gegeben, die die belgische Atomaufsicht gar als Störung (INES-Stufe 1) bewertet. Der Betreiber hielt die Panne zunächst unter Verschluss. Die mangelhafte Sicherheitskultur und Informationspolitik um die belgischen AKW bleibt allem Anschein nach ungebrochen. Es ist zum Haare raufen!

 

 

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