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Gefahr der Spannungsrisskorrosion

Heizrohre im AKW Isar 2 werden nicht umfassend überprüft
AKW Isar 2 bei Nacht (Foto: Uwekohlmaier, CC BY-SA 3.0)

AKW Isar 2 bei Nacht (Foto: Uwekohlmaier, CC BY-SA 3.0)

(7. August 2019) In Dampferzeugern der Atomkraftwerke in Neckarwestheim und Lingen wurde eine gefährliche Spannungsrisskorrosion festgestellt – ein meldepflichtiges Ereignis mit möglichen weitreichenden Folgen bis hin zur Kernschmelze. Obwohl es grundsätzlich auch in allen anderen Druckwasserreaktoren in Deutschland auftreten kann, sieht die bayerische Atomaufsicht für das AKW Isar 2 keinen Anlass für eine umfassende Prüfung der Heizrohre.

In Druckwasserreaktoren fließt radioaktives Wasser unter hohem Druck durch dünnwandige Heizrohre und erzeugt so Dampf der Turbinen zur Stromerzeugung antreibt. Bei stichprobenhaften Kontrollen in den AKW Neckarwestheim 2 (in 2017 und 2018) und Lingen/Emsland (im Juni 2019) wurden an einigen Heizrohren Korrosionsschäden festgestellt. Ursache: die gefährliche Spannungsrisskorrosion. Risse können dabei urplötzlich entstehen und unvorhersehbar schnell wachsen.

Massive Schäden an technisch ähnlichen AKW

Im AKW Neckarwestheim 2 zeigten sich an mehr als 100 Heizrohren zum Teil tiefgehende umlaufende Risse. Die Wände waren dabei teils schon bis zu 91% korrodiert und stellenweise nur noch 0,1 Millimeter dick. Reißt auch nur ein einziges Heizrohr, liegt bereits ein komplizierter Störfall vor. Sind mehrere Rohre gleichzeitig betroffen, ist der Störfall „auslegungsüberschreitend“ und selbst eine Kernschmelze grundsätzlich möglich.

Auch das AKW Isar 2 bei Landshut verfügt über Dampferzeugerheizrohre. Aufgrund der für Mitte Juli angesetzten Kraftwerksrevision fragten wir deshalb bei der bayerischen Landesatomaufsicht nach: Welche Konsequenzen werden aus den meldepflichtigen Ereignissen in Neckarwestheim und Lingen für das Revisionsverfahren im AKW Isar 2 gezogen? Werden bei der Revision die Heizrohre aller Dampferzeuger vollständig überprüft?

Umfassende Überprüfung würde Risiko reduzieren

In ihrem Antwortschreiben schließt sich die Landesatomaufsicht prinzipiell unserer Einschätzung an: Die meldepflichtigen Ereignisse im AKW Neckarwestheim 2 sind grundsätzlich auf alle anderen Druckwasserreaktoren übertragbar. Aus aktuellen Befunden in Lingen ergeben sich aus ihrer Sicht jedoch keine „neuen, zu berücksichtigenden Erkenntnisse“. Eine „kurzfristige, außerordentliche 100%-Prüfung aller Dampferzeugerheizrohre“ ist aus Sicht der Atomaufsicht nicht erforderlich, da bislang bei wiederholter Prüfung einzelner Heizrohre „keine Hinweise auf Spannungsrisskorrosion“ oder einen „systematischen Korrosionseffekt“ festgestellt wurden.

Aus Sicht des Umweltinstituts stellen die Befunde in Neckarwestheim und Lingen ausreichenden Anlass dar, auch die Heizrohre im AKW Isar 2 umfassend zu prüfen. Angesichts des potentiellen Risikos sind die zuständigen Behörden und der Kraftwerksbetreiber in der Pflicht, jeden möglichen Schaden durch Spannungsrisskorrosion auszuschließen.

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