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Gen-Raps in Deutschland ausgesät

(09.01.2019) In mehreren deutschen Bundesländern wurde Winterraps ausgesät, der Spuren einer genmanipulierten Sorte des Chemiekonzerns Monsanto enthält. Zwar ist der kommerzielle Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen in Deutschland schon seit Jahren verboten. Doch durch verunreinigte Saatgutpartien gelangen immer wieder genmanipulierte Samen auf die Felder.

+++UPDATE+++

(04.04.2019) Die landwirtschaftlichen Betriebe, die im Spätsommer 2018 unwissentlich gentechnisch verunreinigten Raps ausgesät haben, konnten nun ermittelt werden. Betroffen sind insgesamt 84 Betriebe aus zehn Bundesländern, darunter Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Um eine unkontrollierte Ausbreitung des ausgesäten Gen-Rapses zu verhindern, ordneten die zuständigen Behörden die Vernichtung der gesamten Bestände an. Bis Ende März, also vor der Rapsblüte, mussten die Bäuerinnen und Bauern die betroffenen Raps-Bestände von insgesamt 2.150 Hektar einackern. Auf diesen Feldern darf bis mindestens Juli 2019 kein Raps angebaut werden. Einige Bundesländer verordneten ein Anbauverbot bis Juli 2020. Weitere Nachkontrollen sollen sicherstellen, dass es auch zu einem späteren Zeitpunkt nicht zu einer Ausbreitung kommt.

Zusätzlich zu den Anbauflächen wurde nun bekannt, dass es in Deutschland auch auf kleinflächigen Versuchsfeldern im Umfang von ca. 0,6 Hektar zur Aussaat von Raps kam, der mit dem genmanipulierten Raps GT73 verunreinigt war. Darüber hinaus wurde auch in Frankreich verunreinigtes Saatgut im Umfang von 7.400 Hektar ausgesät. Alle betroffenen LandwirtInnen sollen nun laut Hersteller des Saatguts entschädigt werden.

Diese Informationen gehen aus einer Meldung vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hervor. Die Meldung ist jedoch sehr kurz gehalten und gibt keine Auskunft darüber, wie zum Beispiel die Nachkontrollen erfolgen und über welchen Zeitraum sie sich erstrecken sollen. Auch ist das Mindestanbauverbot von Raps bis Juli 2019 sehr kurz bemessen. Rapssamen können sehr lange im Boden überdauern und erst zu einem späteren Zeitpunkt keimen. Es bleibt daher fraglich, ob die Maßnahmen ausreichen, eine Ausbreitung der gentechnisch veränderten Pflanzen in der Umwelt vollständig zu verhindern.

+++UPDATE ENDE+++

Das Rapssaatgut kommt wohl ursprünglich aus Argentinien und gelangte über Frankreich nach Deutschland. Die französischen Behörden wussten scheinbar schon seit September vergangenen Jahres, dass das Saatgut verunreinigt ist und damit in der EU nicht verwendet werden darf. Doch erst Anfang November verständigten sie die EU-Kommission und die Mitgliedstaaten darüber. Zu spät, denn die Aussaat von Winterraps findet gewöhnlich im September statt. So ist das genmanipulierte Saatgut also bereits auf unsere Felder gelangt.

Der Raps mit der Bezeichnung GT73 wurde so verändert, dass er gegen das umstrittene Ackergift Glyphosat resistent ist, während alle Pflanzen, die ihn umgeben, absterben. Der Import der genmanipulierten Sorte als Lebens- und Futtermittel in die EU ist erlaubt, der Anbau dagegen nicht.

Wo der Raps überall ausgesät wurde, wissen die zuständigen deutschen Behörden noch nicht. Die Flächen müssen nun ermittelt und der Aufwuchs vor der Blüte vernichtet werden. Dies soll eine Auskreuzung der Pflanzen verhindern. Noch nicht verkaufte Chargen wurden gesperrt. Auch in Rumänien und der Tschechischen Republik ist der Raps auf den Markt gelangt, in Frankreich wurde er ebenfalls ausgesät.

Ausbreitungsgefahr bei Raps besonders hoch

Die Gefahr der Ausbreitung ist bei Raps besonders hoch. Die Samen der Ölpflanze können sehr lange im Boden überdauern und noch nach Jahren keimen. Die betroffenen Flächen müssen also über Jahre hinweg konsequent überwacht werden.

Außerdem ist Raps mit einigen Kulturpflanzen sowie mit verschiedenen heimischen Wildpflanzen verwandt und kann sich mit diesen kreuzen. Das manipulierte Gen kann also nicht nur auf andere Rapspflanzen, sondern auch auf verwandte Arten wie Rübsen, verschiedene Senfarten oder Hederich übertragen werden. Diese nicht kontrollierbare Verbreitung ist eine große Gefahr für die gentechnikfreie Landwirtschaft. Die Folgen für Ökosysteme sind nicht absehbar. In vielen Ländern – etwa in den USA, Kanada und Japan – hat sich genmanipulierter Raps bereits abseits der Felder ausgebreitet.

Wirklich verhindert werden kann eine Verbreitung genmanipulierter Pflanzen nur, wenn der Anbau weltweit gestoppt wird. Bis es soweit ist, ist es jedoch dringend nötig die Kontrolle von Saatgut auf Verunreinigungen auszuweiten und Warnsysteme zu verbessern.

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