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Gesundheitsschädliches Pestizid darf weiter eingesetzt werden

Pixabay, Landwirtschaft

© hpgruesen| Pixabay

(03.04.2019) Der Pestizid-Wirkstoff Thiacloprid kann ungeborenen Kindern schaden, hat fruchtbarkeitsschädigende Wirkung und ist auch für Tiere und Umwelt äußerst gefährlich. Dennoch hat die EU die Zulassung für das Gift des Chemiekonzerns Bayer nun um ein Jahr verlängert. Auch darüber hinaus soll es weiter eingesetzt werden dürfen.

Eigentlich sollte die Zulassung für den Wirkstoff schon Ende dieses Monats auslaufen. Und laut der EU-Pestizidverordnung dürften Stoffe mit solch gravierenden Wirkungen auf die Gesundheit eigentlich nicht erneut genehmigt werden. Doch Thiacloprid bleibt nun mindestens ein weiteres Jahr auf dem Markt und soll auch darüber hinaus verwendet werden dürfen – für bis zu fünf Jahre.

Möglich macht dies ein Schlupfloch in der Pestizidverordnung: Wenn die Mittel für die Landwirtschaft unbedingt nötig sind oder wenn Menschen mit dem Gift nicht nennenswert in Kontakt kommen, können sie dennoch genehmigt werden. Genau diese Gründe führte der Bayer-Konzern, der den Wirkstoff herstellt, in seinem Antrag auf Wiedergenehmigung an.

Wie giftig ist Thiacloprid?

Neben der fruchtbarkeitsschädigenden Wirkung weist Thiacloprid weitere Gesundheitsgefahren auf: Das Insektengift greift ins menschliche Hormonsystem ein, kann vermutlich Krebs erzeugen, ist bei Verschlucken giftig und beim Einatmen gesundheitsschädlich. Außerdem kann Thiacloprid Schläfrigkeit und Benommenheit hervorrufen.

Und auch auf die Umwelt hat das Insektengift Auswirkungen: Thiacloprid gefährdet Gewässer und ist für Wasserlebewesen sehr giftig. Außerdem gehört das Pestizid zu den Neonicotinoiden, die als besonders gefährlich für Insekten gelten. Zwar ist Thiacloprid für Bienen weniger giftig als andere Neonicotinoide, in Kombination mit weiteren Pestiziden kann sich die schädliche Wirkung jedoch verstärken. Dass sich diese Pestizide gleichzeitig mit Thiacloprid in der Luft befinden, konnten wir erst kürzlich mit umfangreichen  Pestizid-Messungen in Südtirol nachweisen.

Alternativloses Insektengift?

Bis vor Kurzem durften thiaclopridhaltige Pestizide in Deutschland sogar im Haus- und Kleingartenbereich verwendet werden. Derzeit sind zwei Mittel mit dem Wirkstoff im Handel, die im Ackerbau, im Obst- und Gemüse- sowie im Zierpflanzenbau eingesetzt werden.

Der Begründung von Bayer, dass es für Thiacloprid keine Alternative gibt, widerspricht sogar zum Teil die EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) in ihrem offiziellen Bericht. Dort schreibt sie, dass es für einige der Schädlinge auch nicht-chemische Methoden zur Behandlung gibt sowie weitere alternative Insektizidwirkstoffe. Nur für vereinzelte Anwendungen gäbe es keine ausreichenden chemischen Alternativen. Auch geht aus dem Bericht der EFSA hervor, dass Menschen sehr wohl mit dem Wirkstoff Thiacloprid in Kontakt kommen. Dabei führt sie an, dass bei der Saatgutbehandlung mit Thiacloprid ArbeiterInnen vereinzelt die mehr als offiziell verträglich eingestufte Dosis des Wirkstoffes abbekommen hätten.

Abgesehen von den chemischen und nicht-chemischen Alternativen zu Thiacloprid zeigt der ökologische Landbau tagtäglich, dass es auch komplett ohne chemisch-synthetische Pestizide geht. Allein diese Tatsache belegt, dass die Begründung für die Wiederzulassung haltlos ist.

Termin zur Abstimmung noch offen

Ob und wann es zu einer Abstimmung über die weitere Genehmigung auf EU-Ebene kommt, konnte eine Kommissionssprecherin laut der Tageszeitung taz nicht sagen. Sollte auf EU-Ebene abgestimmt werden, müssen die Mitgliedstaaten darüber entscheiden. In Deutschland sind dafür jeweils VertreterInnen aus dem Landwirtschaftsministerium (BMEL) und dem Umweltministerium (BMU) zuständig. Wir fordern von den verantwortlichen Bundesministerinnen Julia Klöckner (BMEL, CDU) und Svenja Schulze (BMU, SPD), sich auf EU-Ebene gegen die weitere Zulassung auszusprechen und in Deutschland Pestizide mit dem gesundheitsgefährlichen Wirkstoff ausnahmslos vom Markt zu nehmen.

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