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Mit „Fridays for Future“ beim EU-Gipfel in Sibiu

(Foto: Georg Kurz)

Jugendliche aus verschiedenen Ländern Europas demonstrieren für eine nachhaltige Klimapolitik (Foto: Georg Kurz)

(15.05.2019) Lilian Spitzer absolviert gerade beim Umweltinstitut ein freiwilliges ökologisches Jahr (FÖJ) und ist zusammen mit anderen Jugendlichen aus verschiedenen Ländern Europas nach Sibiu gefahren, wo sich zu diesem Zeitpunkt die EU-Staats- und Regierungschefs über politische Kernthemen der nächsten Jahre beraten haben. Hier berichtet sie von ihren Erfahrungen:

Mit der Forderung nach einer verantwortungsvollen, zukunftsfähigen Klimapolitik im Gepäck bin ich am vergangenen Mittwoch mit ca. 60 jungen Leuten von München aus nach Sibiu (Hermannstadt) in Rumänien gestartet. Anlass unserer Reise war der dort stattfindende EU-Gipfel. Gemeinsam mit Aktiven aus anderen Ländern wollten wir den versammelten Staats- und Regierungschefs klarmachen, dass wir von ihnen endlich ambitioniertes Handeln in Sachen Klimaschutz erwarten.

Unsere zwölfstündige Busfahrt führte uns durch Wien und Budapest, wo wir Zwischenstopps einlegten, um dort weitere „Fridays for Future“(FFF)-AktivistInnen mitzunehmen. Um 9 Uhr kamen wir am nächsten Tag schließlich in Sibiu an. Die Protestaktion im Astrapark sollte kurz darauf beginnen. Da uns hier trotz Anmeldung der Demo das Protestieren aber untersagt wurde, positionierten wir uns etwas abgelegener vom Veranstaltungsort des Gipfels an einem kleinen Platz an der Straße. Von dort aus versuchten wir mit Plakaten, Bannern und vor allem lauten FFF-Sprechgesängen die Aufmerksamkeit der vorbeifahrenden Delegierten zu erregen.

Bis zum Ende der Demonstration ca. drei Stunden später wurden Interviews geführt, Bilder gemacht und wir haben uns gegenseitig die in unseren Heimatländern beliebtesten FFF-Slogans beigebracht.

Sogar eine erste Übergabe unseres offenen Briefes, den europaweit innerhalb kürzester Zeit mehr als 17.000 Menschen unterschrieben hatten, fand statt. Dieses Aufeinandertreffen zwischen unserer Gruppe und einer Vertreterin der Europäischen Kommission wurde von den Kameras eines der beliebtesten rumänischen Privatfernsehsendern aufgezeichnet und später zusammen mit den Statements einiger FFF-VertreterInnen ausgestrahlt. Allein dafür hatte sich die Fahrt meiner Meinung nach bereits gelohnt.

Heiser und zufrieden mit dem bisherigen Verlauf unserer Protestaktion haben wir uns anschließend auf den Weg in die abgeriegelte Altstadt gemacht, wo wir uns neben den vielen Schaulustigen entlang der Absperrungen am Großen Platz von Sibiu niederließen.

Anfangs war noch nicht klar, ob auch eine/r der GipfelteilnehmerInnen den offenen Brief annehmen würde. Doch dann machte plötzlich die Nachricht die Runde, dass unser Brief soeben vom französischen Präsidenten Emanuel Macron zusammen mit acht weiteren Regierungschefs entgegen genommen wurde. Ich hatte nicht erwartet, dass einer der anwesenden Staatschefs sich während des Gipfels tatsächlich Zeit für ein Treffen mit Vertretern der FFF-Bewegung nehmen würde, um deren Forderungen nach verbindlichen Zielen und konkreten europäischen Maßnahmen für eine umwelt- und menschenverträgliche Klimapolitik anzuhören. Dass es dann gleich neun Regierungschefs waren, verdeutlicht welche Reichweite die Freitagsdemonstrationen inzwischen erreicht haben.

Am Nachmittag wollten wir ursprünglich die Stadt erkunden. Stattdessen beschlossen wir aber, die Ankunft der deutschen Bundeskanzlerin abzuwarten. Denn wir wollten auch Angela Merkel durch unsere Anwesenheit an ihre Versprechungen und Verpflichtungen zum Klimaschutz erinnern.

Kurz bevor wir uns abends auf den Heimweg machen mussten, tauchte Angela Merkel auf dem Piaţa Mare dann auf, woraufhin wir uns alle bei den Händen nahmen und unser Lied für Klimagerechtigkeit sangen. Zum Abschluss riefen wir noch drei Mal den wohl am häufigsten gebrauchten Spruch der FFF-Demos: „What do we want? Climate Justice! When do we want it? Now!“ Der spontan angestimmte Kanon verstummte erst, als wir wieder bei unserem Bus angekommen sind.

Trotz der Bemühungen unserer Busfahrer kamen wir nach erneuten Zwischenstopps in Budapest und Wien leider nicht ganz rechtzeitig zur wöchentlichen Freitagsdemo in München an, wobei der Großteil unserer Gruppe sich dazu entschloss, dem Demozug immerhin noch entgegenzulaufen.

Man mag von der Grundidee der FFF-Bewegung, freitags für Klimagerechtigkeit zu demonstrieren statt in die Schule zu gehen, halten was man will. Für mich steht fest: Diese von jungen Leuten ins Leben gerufene Bewegung schafft es, anderen jungen Menschen ein Stück weit jenes Gefühl der Macht- und Hilflosigkeit zu nehmen, das wir oft gegenüber der Entscheidungsgewalt unserer Staats- und Regierungschefs empfinden.

Insbesondere wenn es um Themen wie Umweltschutz geht, scheint es nicht selten so, als hätte alles andere Vorrang. Deswegen ist es umso wichtiger, dass wir uns jetzt Gehör verschaffen, wo eine klimapolitische Kehrtwende noch möglich ist. Und deswegen bin ich froh bei der Protestaktion in Sibiu dabei gewesen zu sein, und mit einigen anderen die Forderungen vieler anderer vorgetragen zu haben.

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