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Schwach- und mittelradioaktive Abfälle: Die unterschätzte Gefahr

Schwach- und Mittelaktiver Abfall wird in Fässern und Containern gelagert. Credit: © vchalup | stock.adobe.com

Schwach- und Mittelaktiver Abfall wird in Fässern und Containern gelagert. Credit: © vchalup | stock.adobe.com

(12.2.2020) Wenn in der Öffentlichkeit über den Umgang mit Atommüll diskutiert wird, geht es meist um hochradioaktive Abfälle. Wenig Aufmerksamkeit wird dagegen schwach- und mittelradioaktiven Abfällen gewidmet. Dabei können auch von diesen erhebliche Gefahren ausgehen.

Tatsächlich enthalten nach Angaben des Bundesamtes für Atommüll hochradioaktive Abfälle etwa 99 Prozent der Radioaktivität des insgesamt vorliegenden Atommülls in Deutschland bei nur 5 bis 10 Prozent des Gesamtvolumens. Doch die verbleibenden 90 bis 95 Prozent, der sogenannte schwach- und mittelaktive Abfall, sind deswegen keineswegs harmlos.

So wie hochradioaktive Abfälle auch enthält schwach und mittelaktiver Müll Alpha-, Beta-, Gamma- und Neutronenstrahler, von denen eine erhebliche Gesundheitsgefahr ausgehen kann. Die Behälter für schwach- und mittelaktive Abfälle können sogar genauso stark strahlen wie Castor-Behälter für hochradioaktiven Atommüll. Der Grenzwert beträgt in beiden Fällen 100 Mikrosievert pro Stunde im Abstand von zwei Metern - das ist etwa tausend Mal mehr als die natürliche Hintergrundstrahlung. AbfallverursacherInnen sind aus Kostengründen in der Regel bestrebt, diese Grenzwerte auch möglichst auszureizen.

Strengere Grenzwerte sind nötig!

Das Wissen über die schädigende Wirkung von Radioaktivität bildet die Grundlage für die Vermeidung von Gesundheitsgefahren durch Atommüll. Strahlenschäden können in zwei Kategorien eingeteilt werden: Eine hohe Dosis in kurzer Zeit löst eine akute Strahlenkrankheit aus und kann tödlich sein. Niedrigere Dosen schädigen das Erbgut und können langfristig Krebs und andere Krankheiten auslösen.

Die in Deutschland im Strahlenschutzgesetz verankerten Schutzziele beziehen sich auf den Niedrigdosisbereich. Sie basieren auf Empfehlungen der internationalen Strahlenschutzkommission ICRP von 2007. Doch neuere wissenschaftliche Ergebnisse zeigen, dass der Zusammenhang zwischen Strahlendosis und tödlichen Krebskrankheiten um den Faktor zwei bis fünf unterschätzt wird. Darüber hinaus müssen auch nicht-tödliche Strahlenschäden besser berücksichtigt und ungeborenes Leben besser geschützt werden. Auch genetische Schäden, die etwa zu Geburtsfehlern bei Nachkommen führen sind gravierender als bisher vermutet.

Insgesamt forderte der Bund für Umwelt und Natuschutz Detuschland anlässlich der letzten Strahlenschutznovelle 2017 eine Absenkung der Schutzziele um den Faktor 10. Da diese Absenkung bisher ausblieb, ist es jetzt nötig, mit den gültigen Grenzwerten äußerst vorsichtig umzugehen. Denn im Strahlenschutz gilt das Minimierungsgebot: so wenig Strahlenexposition wie möglich – auch unterhalb der Grenzwerte. Für die anstehenden Transporte und Lageroptionen von Atommüll heißt das: bestmögliche Kontrollen, konservativste Abschätzungen und Berechnungen, worst-case-Szenarien ermitteln und Vorsorgemaßnahmen treffen.

Gefahren beim Umgang mit schwach- und mittelaktivem Atommüll

Schwach-und mittelaktive Abfälle stammen hauptsächlich aus Atomkraftwerken und Uranfabriken sowie zu kleineren Teilen aus der Medizin und Forschung. In den nächsten Jahren werden beim Abriss von Alt-Atomkraftwerken mehr und mehr schwach- und mittelaktive Abfälle anfallen. Je nach Quelle und Art werden die Abfälle eingedampft, verbrannt, verpresst, betoniert, geschmolzen und vergossen, behandelt, verpackt. Bei jeglichem Umgang gilt es, die Gefahren zu minimieren – um möglichst weit unterhalb der gültigen Grenzwerte zu bleiben. Wenn, wie beim Langzeitsicherheitsnachweis für das "Endlager" Konrad schlechte Sicherheitsbedingungen gelten, steht zu befürchten, dass schwach- und mittelaktive Abfälle Mensch und Umwelt stärker belasten werden als hochradioaktiver Atommüll.

Termine:

Egal, ob Zwischenlager, Transporte oder unterirdisches Atommülllager – gemeinsam mit Anti-Atominitiativen und Verbänden verfolgen wir als Umweltinstitut die aktuellen Entwicklungen im Umgang mit radioaktiven Abfällen. Ende Februar stehen gleich zwei großen Termine an: Die Atommüll-Fachtagung am 21. Februar informiert über die Gefahren schwach- und mittelaktiver Abfälle. Auch auf der Atommüllkonferenz am 29. Februar, dem Vernetzungstreffen der Anti-Atom-Bewegung, wird dieses Thema eine Rolle spielen. Im August bietet die Sommerakademie einen Einstieg in die Dimensionen der Standortsuche für ein Atommüllager.

Atommüll in Deutschland

Aufstehen für das Klima

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