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Waldbrand in Tschernobyl-Sperrzone

Ein Waldbrand kann in Holz und Boden vorhandene radioaktive Partikel freisetzen. (Bild: gilitukha  | stock.adobe.com)

Ein Waldbrand kann in Holz und Boden vorhandene radioaktive Partikel freisetzen. (Bild: gilitukha | stock.adobe.com)

(14.5. 2020) Nach über einem Monat sollen nun die Brände in der Tschernobyl-Sperrzone gelöscht sein. Immer wieder gab es Meldungen, das Feuer sei unter Kontrolle. Wind hatte die Brände aber wieder neu angefacht. Das Bundesamt für Strahlenschutz gibt an, dass vom 2. bis 20. April schätzungsweise 700 Gigabecquerel Caesium-137 freigesetzt worden seien. Nach einer Studie des Norwegian Institute for Air Research ist 2015 in zwei deutliche kleineren Bränden deutlich mehr Caesium-137 freigesetzt worden, nämlich über 10.000 Gigabecquerel. Zudem wurden andere Radionuklide in die Luft geschleudert. Die Strahlenbelastung für Menschen außerhalb der Sperrzone wird in beiden Fällen als sehr gering eingestruft. In unseren Messungen der Luft in München bemerkten wir keinen Anstieg der Radioaktivität.


(23.4.2020) Nach fast drei Wochen sind die Waldbrände in der radioatkiv kontaminierten Tschernobyl-Sperrzone noch nicht unter Kontrolle. Zwischenzeitlich kam das Feuer dem „Sarkophag“ des explodierten Atomkraftwerks gefährlich nahe. Immer wieder fachen Windböen neue Flammen an, die neben giftigem Rauch auch radioaktive Partikel in die Luft schleudern. Dies betrifft insbesondere die mobileren Radioisotope Caesium-137 und Strontium-90, von denen nach 34 Jahren immer noch knapp die Hälfte der ursprünglichen Menge vorhanden ist. Nahe der Brandherde wurde von erhöhter Strahlung berichtet, was die Löscharbeiten erschwert. Um eine Eskalation der Brände zu verhindern sind am Mittwoch den 22.4. nach Angaben des Katastrophenschutzes 1200 Menschen im Einsatz gewesen. Bislang haben umliegende Siedlungen und Städte wie Kiev nach Behördenangaben wenig Radioaktivität abbekommen. Für Deutschland erwarten wir keine erhöhte Radioaktivität, messen aber weiter nach.

Meldung vom 14.4.

(14.4.2020)  Seit Samstag den 4. April sorgt ein Waldbrand in der radioaktiv kontaminierten Sperrzone rund um das Atomkraftwerk Tschernobyl für Probleme. Auch 34 Jahre nach der Reaktorkatastrophe können erhebliche Mengen an Radioaktivität durch Brände freigesetzt werden, wenn sie einen großen Teil des Waldes in der 2600 Quadratkilometer großen Sperrzone erfassen.

Um das Schlimmste zu verhindern waren am Sonntag (5.April) nach Angaben der ukrainischen Behörden zwei Flugzeuge, ein Hubschrauber und gut hundert Feuerwehrmänner im Einsatz, um das am Vorabend ausgebrochene Feuer zu bekämpfen. Der ukrainische Umweltinspektionsdienst berichtete am Sonntag von 100 Hektar Wald, die in Flammen stünden. Das Feuer hatte sich seite dem darauffolgenden Dienstag auf trockene Grasflächen und Gestrüpp immer weiter ausgebreitet. Auch eine Woche später dauern die Löscharbeiten an, über 400 Feuerwehrleute seien im Einsatz. Die Behörden geben zur Größe des Brandes keine Informationen mehr heraus und verwiesen am Ostermontag auf bereits veraltete Satellitenbilder, wonach ein Gebiet von 3500 Hektar in Flammen gestanden habe. Die russische Greenpeace Sektion kalkulierte auf Basis von NASA Satelitenbildern vom Ostermontag eine Brandfläche von 34400 Hektar in einem Feuer, das 39 Kilometer vom AKW entfernt ist, sowie ein zweites Feuer, dass 12600 Hektar umfasst, und bis einen Kilometer ans Atomkraftwerk heranreicht. Regefälle am Dienstag (14.4.) haben offenbar geholfen das Feuer unter Kontrolle zu bringen. Die Sperrzone ist umfasst insgesamt 2600 Quadratmeter (260000 Hektar) und ist etwa zur Hälfte bewaldet. Bezüglich der Freisetzung von Radioaktivität sind Waldbrände kritischer als Brände im Grasland, da Wälder radioaktive Substanzen länger in der Biosphäre halten.

Rettungsdienste gaben zunächst an, dass in der Luft keine erhöhte Radioaktivität gemessen worden sei. Nach über einer Woche ist die Rede davon, dass der Grenzwert für Radioaktivität von 0,5 Mikrosievert pro Sunde in den umliegenden Siedlungen und der 100 Kilometer entfernten Hauptstad Kiew nicht überschritten würde. Am Sonntag (5. April) schrieb Jegor Firsov, der Leiter des ukrainischen Umweltinformationsdienstes auf Facebook von Schwierigkeiten für den Feuerwehreinsatz:  „Es gibt schlechte Neuigkeiten: Im Zentrum des Brandes ist die Radioaktivität überdurchschnittlich hoch.“ Firsov veröffentlichte ein Video, auf dem ein Geigerzähler nahe des Brandherdes eine Strahlung von 2,1 Mikrosievert pro Stunde anzeigt. Dies sei das 16-fache des Normalwertes. Diese Aussagen wurden offenbar später von Firsov zurückgezogen.

Firsov fordert zudem ein schärferes Vorgehen gegen Brandstiftung, die er auch für das aktuelle als Brandursache angibt. Die Polizei hat bereits einen Verdächtigen gefasst. In der Tschernobyl-Sperzone, wie auch außerhalb dieser kommt es immer wieder zu Waldbränden durch Brandstiftung.

Welche Gefahren bestehen für die Gesundheit?

Bei den aktuellen Waldbränden kann es zumindest für am Einsatz beteiligte Feuerwehrleute durch erhöhte Radioaktivität zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommen. Sollte die Strahlung am Brandherd tatsächlich 16-fach erhöht sein, dann summieren sich die 2,1 Mikrosievert pro Stunde bei einer angenommenen Einsatzdauer von 48 Stunden auf 0,1 Millisievert (also 100 Mikrosievert) – dies entspricht etwa drei bis fünf Röntgenaufnahmen des Brustkorbes. Direktstrahlung stellt aber nur einen Teil der Bedrohung dar – eine größere Rolle spielen eventuell eingeatmete radioaktive Partikel im Rauch.

In Deutschland liegt die Hintergrundstrahlung zwischen 0,05 und 0,3 Mikrosievert pro Stunde, der Mittelwert liegt etwa bei 0,1 Mikrosievert pro Stunde. Auswirkungen des aktuellen Waldbrandes in Tschernobyl auf diesen natürlichen Hintergrundwert in Deutschland sind derzeit nicht festzustellen und werden auch nicht erwartet.

Bei größeren Waldbränden besteht allerdings die Gefahr einer erheblichen radioaktiven Kontamination in Mitteleuropa. Das Ausmaß der radioaktiven Wolke direkt nach dem Reaktorunglück kann durch Waldbrände nicht erreicht werden. Jedoch haben Modellrechnungen von 2014 ergeben, dass Waldbrände auf 50 oder 100 Prozent der Waldfläche in der Tschernobyl-Sperrzone in ihren Auswirkungen auf Menschen durchaus vergleichbar mit der Reaktorkatastrophe von Fukushima sein könnten.
Im Jahre 2015 ereigneten sich tatsächlich zwei große Waldbrände in der Sperrzone, die insgesamt mehr als 5000 Hektar Wald vernichteten. Das Feuer näherte sich sogar einem Lager für radioaktive Abfälle und Trümmer. Eine Untersuchung des Norwegian Institute for Air Research ergab, dass diebackend.php radioaktive Freisetzung bei diesen Bränden zumindest vergleichbar mit ernsthaften Störfällen in Nuklearanlagen ist (Stufe 3 der INES-Skala). Der Untersuchung zufolge wurde auch außerhalb der Sperrzone die Bevölkerung in geringem Maße durch Strahlung belastet. In diesem Jahr erfassten die Brände eine größere Fläche als 2015. Ob auch mehr Radioaktivität freigesetzt wurde muss noch geklärt werden.

Lehren aus Tschernobyl - Atomausstieg jetzt!

Auch Jahrzehnte nach der Explosion des Atomkraftwerks in Tschernobyl ist es also immens wichtig, Waldbrände frühzeitig einzudämmen. Und das besonders in einer Region die teilweise nur schwer zugänglich ist. In Zeiten der Klimakrise werden Waldbrände durch anhaltende Dürreperioden und Hitzewellen immer wahrscheinlicher. Dies erhöht noch einmal das Gefährdungspotenzial der Tschernobyl-Katastrophe – auch heute noch. Sollte sich ein nuklearer Super-GAU in Ballungszentren in Mitteleuropa ereignen – die Konsequenzen wären unabsehbar.

Daher betreiben wir am Umweltinstitut neben einer Messstelle für Radioaktivität in Lebensmitteln auch eine unabhängige Messstation zur Überwachung der Umgebungsradioaktivität in München und setzen uns für den Atomausstieg in Deutschland und weltweit ein. Sollten wir eine Gefährdungssituation feststellen, werden wir unverzüglich darüber informieren.

Unsere Messungen können Sie hier einsehen.

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