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Wald oder Asphalt?

Baumhaus im Dannenröder Wald

Baumhaus im Dannenröder Wald (Foto: waldstattasphalt.blackblogs.org )

(22.09.2020) Der Dannenröder Wald soll einer Autobahn weichen. Doch um den Weiterbau zu verhindern halten KlimaaktivistInnen seit rund einem Jahr den Wald besetzt. Dabei erhalten sie immer mehr Unterstützung. Sie alle fordern: Keine A49. Dannenröder Wald bleibt!

Der Dannenröder Wald zwischen Kassel und Gießen entwickelt sich derzeit zu einem Hotspot der Klimabewegung. Auf über 20 Metern Höhe tummeln sich Baumhäuser und AktivistInnen ziehen täglich neue Plattformen in Bäume. Waldwege sind mit Barrikaden blockiert, nur eine Fahrradspur bleibt stets frei. Ein Sonntagsbesuch im Wald ist wie eine kleine Zeitreise zurück in die Monate, als sich die Klimabewegung und der Kohlekonzern RWE im Hambacher Forst um dessen Zukunft stritten. Der Waldführer Michael Zobel veranstaltete dort im „Hambi“ am Tagebau Garzweiler wöchentliche Sonntagsspaziergänge. Nun ist er im „Danni“. Und mit ihm sind fast tausend BürgerInnen aus den umliegenden Dörfern und Städten angereist, um sich durch den akut von der Rodung bedrohten Wald führen zu lassen. Später gibt es noch Konzerte, im Wald spielt ein Musiker, während auf dem zum Versammlungsplatz umgebauten Sportplatz elektronische Musik von einer Bühne schallt.

Rund 150 Menschen leben aktuell in der Waldbesetzung, um gegen den Weiterbau der A 49 zu protestieren, die durch den Wald führen soll. „In Zeiten der Klimakrise brauchen wir keine neuen Autobahnen“, so der einhellige Tenor der Protestierenden. Stattdessen muss in den Schienenverkehr, die Fahrradinfrastruktur und den öffentlichen Nahverkehr investiert werden. Vor ziemlich genau einem Jahr wurde der Wald besetzt und die für 2019 geplanten Rodungen zunächst verschoben. Doch jetzt wird es ernst: Die zuständigen Landesbehörden wollen ab Oktober mit den Rodungen beginnen. Doch dafür müssen zunächst Barrikaden geräumt und Baumhäuser abgerissen werden.

Ein einmaliges Ökosystem soll zerstört werden

Der Dannenröder Wald ist ein rund 250 Jahre alter Laubmischwald. Einzelne Bäume sind gar über 300 Jahre alt. Der Wald beherbergt eine Kolonie der vom Aussterben bedrohten Kammmolche. Nun sollen rund 85 Hektar für den Bau der Autobahntrasse abgeholzt werden. Die A 49 würde das Ökosystem in zwei Hälften schneiden und so irreparable Schäden hervorrufen. Besonders brisant: Weite Teile des Dannenröder Waldes sind ein Wasserschutzgebiet, das zusammen mit dem angrenzenden Herrenwald eine halbe Millionen Menschen mit sauberem Trinkwasser versorgt. Während viele Wälder in Deutschland immer stärker mit Hitze und sich ausbreitenden Parasiten in Folge der Klimakrise zu kämpfen haben, ist der Dannenröder Wald noch weitestgehend intakt. Auch deshalb fordern Naturschützer, den Wald zu erhalten.

Bildergalerie:
Die Räumungen starten

Am 16. September war erstmals ein Großaufgebot der Polizei im Wald und räumte mit Hilfe einer Hebebühne einen sogenannten Tripod – eine Konstruktion aus drei Baumstämmen, in deren Spitze ein Mensch auf mehreren Metern Höhe sitzt. Es scheint, als würde es jetzt ernst werden – doch einen ersten Erfolg konnten die WaldbesetzerInnen bereits verzeichnen: Die Firma Kiloutou zog ihre Hebebühne mit sofortiger Wirkung ab, auch weil ihr Kunde (nicht die Polizei), den geplanten Einsatzort verschwiegen hatte.

Am Montag, dem 21. September folgte der nächste große Polizeieinsatz im Wald. Eine Waldlichtung in der Nähe der Besetzung sollte unter Polizeischutz von einem Bagger planiert werden, um dort einen Lagerort für Baustellenmaterial zu errichten. Doch aufgrund des Protestes konnte das Camp bis heute nicht fertiggestellt werden. Auch auf anderen Fronten verzeichnen die AktivistInnen Erfolge: Das Verbot eines Protestcamps wurde vom Bundesverfassungsgericht höchstrichterlich aufgehoben. Die Stimmung in der Besetzung ist dementsprechend prächtig.

Der Protest hat eine lange Geschichte

Bürgerinitiativen und regionale Natur- und Umweltschutzorganisationen protestieren bereits seit 40 Jahren gegen die geplante Autobahn – bisher erfolglos. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz in Deutschland (BUND) scheiterte vor Gericht. Das Bundesverwaltungsgericht sah es zwar als erwiesen an, dass durch den Autobahnausbau bedeutende Trinkwasserschutzgebiete gefährdet würden. Es genehmigte jedoch aus formalen Gründen den Weiterbau. Der BUND stellt klar: „Planungsdinosaurier wie die A 49 müssen auf den Prüfstand, in Hessen und bundesweit. Baurecht ist keine Baupflicht!“ Die WaldbesetzerInnen werden weiter für den Dannenröder Wald kämpfen. Die Räumungen und anschließenden Rodungen sind über Wochen, womöglich sogar Monate geplant. Doch wenn Tausende über Wochen protestieren und mit spektakulären Baumhaus-Bildern von sich reden machen, ist alles möglich – das haben uns die Proteste im Hambacher Wald gelehrt. Ob der Dannenröder Wald dem Asphalt geopfert wird, bleibt offen. Die AktivistInnen geben Hoffnung, dass sich umwelt- und klimapolitische Vernunft durchsetzt.

Termine:

  • Jeden Sonntag ab 14:00 Uhr: Waldspaziergang und Konzerte
  • Samstag 26.09. und Samstag 03.10.: Fahrraddemos von Kassel über die A 49 in den Dannenröder Wald (89 km)
  • Sonntag 04.10.: Großdemo am Dannenröder Wald

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