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Fünf Jahre Pariser Klimaabkommen: Noch nicht auf Kurs

Schmelzende Eisberge sind nur eine der Folgen des Klimawandels

Schmelzende Eisberge sind nur eine der Folgen des Klimawandels, Bildquelle: Imme | unsplash

(09.12.2020) Vor fünf Jahren wurde das Pariser Klimaabkommen von 196 Staaten und der Europäischen Union beschlossen. Es sieht die Begrenzung der menschengemachten globalen Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius vor. Anzustreben seien 1,5 °C, da nur diese Temperaturgrenze garantiert, dass die am stärksten bedrohten Länder geschützt werden können. Das Abkommen wurde als der bisher größte Erfolg internationaler Klimaverhandlungen gefeiert. Wie ist die Bilanz nach einem halben Jahrzehnt?

Stand 2018 hatten gerade einmal 16 der 197 Unterzeichnerstaaten des Pariser Klimaabkommens einen nationalen Klimaplan, der ehrgeizig genug ist, um die Anforderungen zu erfüllen. Dazu gehörten Staaten wie Algerien, Montenegro, Samoa und Tonga, von den reichen Industriestaaten waren allein Norwegen, Japan und Kanada dabei. Da die allermeisten nationalen Klimaschutzpläne viel zu schwach waren, wäre vor zwei Jahren eine Erderwärmung von 2,7 bis hin zu 3,7 °C bis zum Ende des Jahrhunderts wahrscheinlich gewesen. Deswegen sieht der Pariser Klimavertrag vor, dass die Länder ihre Klimapläne regelmäßig anpassen – bis sie geeignet sind, die globale Erhitzung tatsächlich auf deutlich unter 2 °C zu begrenzen. Der Termin für die Einreichung in diesem Jahr war der 9. Februar, doch an diese Frist hielten sich nur drei Länder, etwa ein Dutzend kam bis heute noch dazu.

Aktuell steuern wir auf drei Grad Erhitzung zu

So gibt auch der jährliche Emissions-Gap-Report der Vereinten Nationen, der gestern erschienen ist, keine Entwarnung. Die in den Klimaplänen der Länder weltweit formulierten Ziele und Maßnahmen lassen uns weiterhin auf drei Grad Erhitzung zusteuern. Wenn die Länder bei der Umsetzung hinter ihren Selbstverpflichtungen zurückblieben, könnte es sogar noch schlimmer kommen. Um unter zwei Grad zu bleiben, müssten alle Länder ihre Anstrengungen im Klimaschutz verdreifachen. Auch die weltweite Produktion fossiler Brennstoffe ist nach Angaben des UN-Umweltprogramms viel zu hoch, um bis 2030 auf Kurs für die Pariser Klimaziele zu sein. Nötig wäre eine jährliche Reduktion der Produktion um sechs Prozent, stattdessen ist aktuell mit einem jährlichen Anstieg um zwei Prozent zu rechnen. Nicht umsonst appellierte UN-Generalsekretär António Guterres vor wenigen Tagen in drastischen Worten an die Menschheit, ihren „Krieg gegen die Natur“ zu beenden. Die Jahre seit 2015 sind laut Weltwetterorganisation die sechs wärmsten seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen.

Auch Deutschland ist nicht auf Paris-Kurs

Die Bundesregierung, die sich noch vor wenigen Jahren als Klimavorreiter feierte, ist mit ihrer Energie- und Klimapolitik ebenfalls nicht auf Paris-Kurs. Nicht nur dass der Kohleausstieg viel zu spät und viel zu langsam erfolgt. Gleichzeitig fördert die Regierung mit dem Kohleausstiegsgesetz durch hohe Subventionen den Umstieg von Kohle auf Gas und bleibt damit weiter auf einem fossilen Pfad, anstatt direkt auf die immer günstiger werdenden erneuerbaren Energien zu setzen. Diese hingegen werden weiter ausgebremst – in der aktuellen Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes verpasst die Bundesregierung die Chance, die Hürden für Solar- und Windenergie beiseite zu schaffen und so die drohende Ökostromlücke zu schließen. Im jährlichen Klimaschutz-Index der emissionsstärksten Nationen der Welt erhält Deutschland daher auch nur eine mittelmäßige Bewertung für seine Klimapolitik, mit Platz 19 von 57.

Rückt das 2-Grad-Ziel doch in den Bereich des Möglichen?

Bei all diesen Hiobsbotschaften macht der Climate Action Tracker, ein renommierter Zusammenschluss mehrerer Forschungsinstitute, etwas Hoffnung mit seiner aktuellen Einschätzung: Die Aussichten auf ein lebenswertes Weltklima im Jahr 2100 haben sich seit dem Klimagipfel von Paris 2015 verbessert. Grund für die im Vergleich zu den letzten Jahren optimistischere Einschätzung sind kürzlich beschlossene Anhebungen der Klimaambitionen einiger Staaten. Allein Chinas Ankündigung, bis 2060 Klimaneutralität anzustreben, senkte die bisherige Prognose des Climate Action Trackers für die globale Temperaturerhöhung im Jahr 2100 um 0,3 °C. Die Wahl Joe Bidens und sein Versprechen, die USA ebenfalls auf den Weg der Klimaneutralität zu bringen, schlägt mit weiteren 0,1 °C zu Buche. Insgesamt geht der Climate Action Tracker heute von 2,1 °C Temperaturanstieg bis 2100 aus – wenn auch die 126 Länder, die weitere Verbesserungen beim Klimaschutz angekündigt haben, wirklich liefern.

Tatsächlich spiegelt der Bericht des Climate Action Tracker einen aktuellen Trend wider: Wichtige emissionsstarke Länder und supranationale Verbünde heben ihre Klimaschutzambitionen deutlich an. Großbritannien verkündete gerade, seine Emissionen bis 2030 um 68 Prozent im Vergleich zu 1990 senken zu wollen. Die EU verhandelt derzeit über die Verschärfung ihres Klimaziels und legt mit dem „Green Deal“ einen Grundstein für dessen Umsetzung. Gleichzeitig lässt sich in Deutschland aktuell im Kohlesektor beobachten, dass erneuerbare Energien die fossilen Dreckschleudern wirtschaftlich mehr und mehr ausstechen, wenn CO2-Preise steigen. All das zeigt: Mit kontinuierlichem, politischem Druck können wir erreichen, dass die Staaten das wirtschaftliche und technische Potenzial für die Klimawende endlich ausschöpfen!

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