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Konflikt um den Dannenröder Wald: A49 oder 1,5 Grad?

Vertreter:innen von Umweltverbänden, Aktivist:innen und Schauspieler:innen demonstrieren im Dannenröder Wald

Vertreter:innen von Umweltverbänden, Aktivist:innen und Schauspieler:innen demonstrieren im Dannenröder Wald (Foto: Gordon Welters / Greenpeace)

(9.12.2020) Am Nikolaussonntag waren Fabian Holzheid und Antonia Messerschmitt vom Umweltinstitut gemeinsam mit weiteren Vertreter:innen von Umweltverbänden, Aktivist:innen und Schauspieler:innen im Dannenröder Wald, um sich vor Ort an den Protesten gegen den Bau der Autobahn A49 zu beteiligen. Hier berichten sie über ihre Erfahrungen und die Lage im Wald.

Es ist kurz nach halb sieben an einem kalten Dezembermorgen, das Protestcamp am Waldrand schläft noch. Das ganze Protestcamp? Nein. Kurz vor dem Eingang zum Wald trifft sich eine kleine Gruppe und bespricht ihren Vorstoß zur letzten noch bestehenden Baumbesetzung im Dannenröder Wald. Unter anderen stehen hier die Spitzen mehrerer großer Umweltschutzorganisationen, Luisa Neubauer von Fridays For Future, der Förster Peter Wohlleben und mehrere deutsche Schauspielerinnen. Teil der Gruppe sind auch wir, unser politischer Geschäftsführer Fabian Holzheid und ich. Wir wollen deutlich machen, dass der Konflikt um den Bau der A49 in Hessen kein Lokalthema ist. Er steht vielmehr für eine zentrale Fragestellung dieses Jahrzehnts: Wird unsere Gesellschaft in der Lage sein, die Klimakrise aufzuhalten, bevor deren Auswirkungen katastrophal werden? In Deutschland ist der Verkehr mit circa 19 Prozent die drittgrößte Emissionsquelle von Treibhausgasen. Die A49 ist ein Verkehrsprojekt aus einer anderen Zeit: Sie wurde vor 40 Jahren geplant und ist heute längst nicht mehr zeitgemäß.

Wir stellen uns der Rodung friedlich entgegen

Im Morgengrauen erreicht unsere Gruppe das Baumhausdorf „Oben“. Zu diesem Zeitpunkt ist der größte Teil der Rodungsarbeiten für die geplante Autobahn bereits beendet, lediglich ein etwa 20 Meter breiter Streifen aus Hainbuchen und alten Eichen steht noch. Die Besetzer:innen haben mehrere Baumhäuser in die Baumkronen gebaut und zahlreiche Plattformen auf mittlerer Höhe zwischen den Stämmen errichtet. Bald nach unserer Ankunft rücken mehrere Hundertschaften der Polizei in unsere Richtung aus und umstellen die Waldbesetzung. Wir beginnen, uns auf eine eventuell bevorstehende Räumung vorzubereiten. Trotz des massiven Polizeiaufgebots wollen wir uns den Räumarbeiten und der Rodung friedlich entgegenstellen. Als die Einsatzkräfte der Polizei in die Barrikaden einmarschieren, setzen wir uns auf den Boden, verschränken die Arme unter den angewinkelten Beinen und rühren uns nicht.

Bildergalerie:
Ziviler Ungehorsam verhindert die Rodung am Nikolaustag

Mit unserem Verharren stellen wir uns bewusst in die Tradition des zivilen Ungehorsams. Weil kein anderes politisches Mittel Wirkung zeigt, setzen wir uns als Ultima Ratio mit unseren Körpern gegen die Zerstörung unseres Planeten. Dabei handeln wir zu jedem Zeitpunkt gewaltfrei, unter der Einhaltung der Hygieneregeln und ohne uns zu verstecken. Als ich nach der dritten Aufforderung durch die Polizei immer noch keine Anstalten mache, den Räumungsbereich zu verlassen, packen mich zwei Beamt:innen an den Armen und tragen mich davon, bevor sie mich schließlich fallenlassen. Während ich mich aufrichte, werde ich von mehreren Polizist:innen getreten und gewaltsam in die hinter mir versammelten Aktivist:innen gestoßen. Trotz solcher Vorkommnisse ist dies kein Konflikt zwischen der Polizei und Umweltaktivist:innen. Es ist ein Konflikt zwischen einem System, das sich auf die Ausbeutung unseres Planeten stützt auf der einen und der drängenden Notwendigkeit, nachhaltig mit den uns verfügbaren Ressourcen umzugehen auf der anderen Seite.

Verkehrswende statt Weltende!

Gemeinsam schaffen wir es, dass an diesem Wochenende kein weiterer Baum fällt. Dennoch werden die Räumungen und Rodungen in den nächsten Tagen weitergehen – am 8. Dezember, zwei Tage nach unserem Besuch, waren die Rodungsarbeiten abgeschlossen. Doch solange die Straße noch nicht gebaut ist gibt es Hoffnung für den Wald. Wir fordern von den Entscheidungsträger:innen auf Landes- und Bundesebene: Steuergelder müssen künftig dem Umbau zu einer klimafreundlichen Mobilität zugutekommen anstatt in noch mehr Asphalt und Naturzerstörung zu fließen.

In Deutschland sollen noch etwa 850 Kilometer Autobahn neu gebaut werden – ein klimapolitischer Wahnsinn! Wir brauchen ein sofortiges Moratorium für den Bau neuer Fernstraßen und viel mehr öffentlichen Nah- und Fernverkehr, auch in ländlichen Regionen. Nur so kann eine Verkehrspolitik aussehen, die Mobilitätsbedürfnisse und Klimaschutz miteinander versöhnt.

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