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Grundwasser in der Schweiz stark mit Pestiziden belastet

Pixabay, ajcespedes, Hummel, Tomate, Blüte

© Otto Durst / adobe.stock.com

(03.09.2020) Das Grundwasser in der Schweiz ist vielerorts stark mit Pestizid-Rückständen und deren Abbauprodukten belastet. Besonders problematisch ist der Wirkstoff Chlorothalonil, der in Mitteln gegen Pilzbefall (Fungizide) eingesetzt wird. Anfang des Jahres wurde das Fungizid in der Schweiz verboten, unter anderem deshalb, weil Chlorothalonil als wahrscheinlich krebserregend beim Menschen gilt.

In einer Meldung aus dem August teilte das Schweizer Bundesamt für Umwelt (BAFU) mit, dass Abbauprodukte des Fungizids den Grenzwert im Grundwasser vielerorts überschreiten: In mehr als der Hälfte aller Kantone sei die Grundwasser-Qualität dadurch erheblich beeinträchtigt. In erster Linie sind Grundwasservorkommen im landwirtschaftlich intensiv genutzten Mittelland betroffen. An manchen Messstellen wurde der Höchstwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter mehrfach überschritten, an einer Stelle sogar um das 17-fache. Seit den 1970er Jahren wurde das Fungizid in der Schweiz tonnenweise auf Äckern ausgebracht. In den Jahren 2008 bis 2018 wurden zwischen 32 und 65 Tonnen des Wirkstoffs verkauft.

Trotz des Verbots geht das BAFU davon aus, dass die Grundwasserqualität noch mehrere Jahre in „größerem Ausmaß“ durch Chlorothalonil und dessen Abbauprodukte beeinträchtigt sein wird, da sich Grundwasser nur langsam erneuert und die Abbauprodukte des Fungizids sehr langlebig sind.

Zulassung in der EU und der Schweiz

Die Zulassung des Wirkstoffs Chlorothalonil wurde in der EU im November 2019 widerrufen, da er als wahrscheinlich krebserregend beim Menschen gilt. Auch eine erbgutschädigende Wirkung von Rückständen konnte durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) nicht ausgeschlossen werden. Außerdem äußerte die Behörde erhebliche Bedenken bezüglich der Kontamination des Grundwassers mit Abbauprodukten des Pestizids und stellte ein hohes Risiko für Fische und Amphibien fest. Bis Mai 2020 konnten Mittel mit dem des umwelt- und gesundheitsschädlichen Wirkstoff jedoch noch eingesetzt werden. Auch in Deutschland gilt damit erst seit Mai 2020 ein Verbot Wirkstoffs. Bis dahin gehörte Chlorothalonil zu den meistverkauften Wirkstoffen Deutschlands. Auf der Rangliste der Wirkstoffe mit dem höchsten Inlandsabsatz im Jahr 2019 belegt das Fungizid den 10. Platz.

Das Verbot in der Schweiz trat schneller in Kraft: Dort darf das Fungizid seit dem 1. Januar 2020 nicht mehr eingesetzt werden.

Pestizid-Hersteller wehren sich gerichtlich gegen Verbot

Der Konzern Syngenta, Weltmarktführer im Bereich Pestizide, hat vor dem Schweizer Bundesverwaltungsgericht Klage gegen das Verbot von Chlorothalonil eingereicht. Das Urteil steht zwar noch aus. Doch das Gericht hat entschieden, dass das Schweizer Bundesamt für Landwirtschaft und Veterinärwesen auf seiner Homepage bis zur Urteilsverkündung nicht mehr erwähnen darf, dass von dem Ackergift ein Krebsrisiko ausgeht. Immer wieder versuchen Konzerne, ihre umwelt- und gesundheitsschädlichen Produkte so auf dem Markt zu halten. Syngenta fürchtet nicht nur den Umsatzverlust durch das Verbot des Fungizids, sondern sieht sein Pestizid-Geschäft in der Schweiz auch durch zwei Volksbegehren bedroht: die Trinkwasser- und die Pestizid-Initiative, die die Verwendung von Pestiziden stark einschränken oder ganz verbieten wollen.

Situation in Deutschland

In Deutschland wird alle drei bis fünf Jahre ein detaillierter Bericht über Rückstände von Pestiziden im Grundwasser veröffentlicht. Der aktuellste Bericht stammt aus den Jahren 2013 bis 2016. Auch hierzulande wurden demnach Abbauprodukte von Chlorothalonil nachgewiesen. Insgesamt konnte aber immerhin festgestellt werden, dass die Belastung des Grundwassers in Deutschland langsam aber stetig abnimmt. Doch nicht alle Pestizid-Wirkstoffe, die ausgebracht werden, werden bei den Untersuchungen des Wassers auch berücksichtigt.

Sinnvolle Konsequenz aus den Erfahrungen mit dem Wasserschutz wäre es, ganz auf Ackergifte zu verzichten. Das würde sicherstellen, dass weder die Wirkstoffe noch ihre Abbauprodukte ins Grundwasser gelangen und dort unter Umständen Jahrzehnte lang verbleiben. Sie haben dort eindeutig nichts zu suchen.

Infomaterial
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