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Sulfoxaflor: gefährlich und trotzdem erlaubt

Photo: kojihirano | Fotalia

(09.04.2020) Sulfoxaflor ist ein relativ neues und hochwirksames Insektengift. Wie die inzwischen weitgehend verbotenen Neonicotinoide wirkt es systemisch und dringt in alle Teile einer Pflanze ein – belasteter Pollen und Nektar wird so zur Falle für Bestäuber. Bei der Zulassung des Wirkstoffs fehlten Daten, die das Risiko für bestäubende Insekten untersuchen. Wir haben die Studien, die die Herstellerfirma daraufhin nachreichen musste, unabhängig überprüfen lassen. Die Analyse ergab, dass auch in den nachgereichten Studien Gefahren für Insekten nicht ausreichend untersucht wurden. Obwohl selbst der Hersteller ein Risiko für bestäubende Insekten nicht ausschließen kann, ist der Wirkstoff bisher weiter erlaubt.

Vorgeschichte: Zulassung trotz fehlender Daten

Das Insektizid Sulfoxaflor wurde vom Chemiekonzern Dow AgroSciences entwickelt und hat den selben Wirkmechanismus wie die der Gruppe der Neonicotinoide (kurz Neonics), von denen im Jahr 2018 drei Mittel europaweit verboten wurden. Sulfoxaflor sollte die alten Neonics ersetzen, jedoch wirkt das Mittel ähnlich toxisch. Bereits in sehr kleinen Mengen kann es Insekten töten oder ihr Nervensystem schädigen. Es wird damit automatisch auch zur Gefahr für Bienen und andere bestäubende Insekten.

Sulfoxaflor wurde 2015 in der EU zugelassen, obwohl wichtige Daten zu Auswirkungen auf Bestäuber fehlten. Die EU-Kommission verlangte aber von Dow AgroSciences, fehlende Studien innerhalb von zwei Jahren nachzuholen. Diese Studien wurden uns im Jahr 2018 zugespielt. Um die Studien von einer unabhängigen WissenschaftlerIn prüfen zu lassen, starteten wir einen Spendenaufruf – dem viele von Ihnen gefolgt sind. An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank für Ihren Beitrag!

Mit der griechischen Bienenforscherin Dr. Fani Hatjina konnten wir eine kompetente Person für die kritische Prüfung der Studien finden. Als Vorsitzende des wissenschaftlichen Ausschusses für Bienengesundheit beim Weltimkerverband Apimondia kennt sie sich mit den Problemen von Bienen hervorragend aus.

Mängel in der Interpretation der Daten

Bei der Auswertung der Studien von Dow AgroSciences stellte Dr. Hatjina fest, dass hauptsächlich die Wirkung von sehr niedrigen Konzentrationen auf Bienen und Hummeln untersucht wurde. Dabei war die Sterblichkeit vergleichsweise gering. Beachtlich ist jedoch, wie sich selbst kleine Mengen des Stoffs auf die Funktionsweisen der Versuchstiere auswirkten. Auf viele beobachtete Schäden und Beinträchtigungen der Bienen (beispielsweise, warum es zu einem geringeren Überleben der Kolonien nach dem Winter kam, oder warum Sulfoxaflor die Nahrungssuche der Tiere beeinflusste), wurde jedoch im weiteren Verlauf der Studien nicht weiter eingegangen. Während also die Experimente selbst korrekt durchgeführt wurden, gibt es bei der Interpretation der Daten und ihrer Zusammenfassung blinde Flecken.

Der Hersteller beschränkte sich zudem ausschließlich auf Untersuchungen zu Honigbienen und Erdhummeln - in beiden Fällen domestizierte, staatenbildende Insekten und damit absolute Ausnahmefälle im Insektenreich. Allgemeine Aussagen über "das Risiko für andere bestäubende Insekten als Honigbienen", wie die Kommission gefordert hatte, lassen sich so nicht ableiten. Vielmehr bleibt offen, wie gefährlich Sulfoxaflor beispielsweise für solitär lebende Wildbienen oder Schmetterlinge ist.

Jetzt handeln!

Von Sulfoxaflor geht eine Gefahr für bestäubenden Insekten aus. Die von Dow AgroSciences nachgereichten Studien entkräften diese Vermutung nicht, sondern bestätigen sie weitgehend.

Während selbst die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) vor dem Einsatz von Sulfoxaflor warnt und Frankreich das Insektengift verboten hat, zögert die EU-Kommission jedoch seit über einem Jahr, die Mitgliedstaaten erneut über die Zulassung von Sulfoxaflor abstimmen zu lassen. Angesichts des rapiden Verlusts der Artenvielfalt, ist diese Verzögerungstaktik nicht länger hinnehmbar. Das Insektengift sollte jetzt schnell verboten werden. Denn zwischenzeitlich kommen immer mehr Spritzmittel mit dem Wirkstoff Sulfoxaflor auf den Markt.

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