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Gentechnik muss auch in Zukunft wirkungsvoll reguliert werden!

Mit unserem gemeinsamen Positionspapier, versendet an die zuständigen Ministerinnen in Deutschland, wollen die mehr als 90 Unterzeichner:innen das Umschreiben der Definition von Gentechnik verhindern.

(21.04.2021) Wir brauchen eine wirksame Regulierung neuer Gentechnikmethoden in der Landwirtschaft! Gemeinsam mit einem Bündnis aus über 90 Natur- und Tierschutzverbänden, bäuerlichen Initiativen, Verbraucherschutzorganisationen, Kirchen und humanitären Organisationen beziehen wir Stellung. Von Umweltministerin Svenja Schulze und Agrarministerin Julia Klöckner fordern wir gemeinsam, sich für den Erhalt der Wahlfreiheit und des Vorsorgeprinzips einzusetzen.

Die Freiheit Deutschlands und Europas von Gentechnik ist bedroht!

Seit Jahren versucht die Agrarindustrie, die Deutungshoheit darüber zu gewinnen, was offiziell als Gentechnik gilt und entsprechend reguliert wird – und was nicht. Ihr Ziel: Mit neuen Gentechnologien wie beispielsweise der Genschere CRISPR/Cas hergestellte Pflanzen, Tiere und auch Mikroorganismen sollen nicht gekennzeichnet werden müssen. Der Grund dafür ist offensichtlich: In Deutschland lehnt der Großteil der Verbraucher:innen Gentechnik auf ihrem Teller und auf dem Acker ab – nach der aktuellen Naturbewusstseinsstudie des Bundesamts für Naturschutz über 80 Prozent.

Um zu verhindern, dass mit den Methoden der neuen Gentechnik hergestellte Produkte als Ladenhüter enden und auch um die teuren Zulassungsverfahren zu umgehen, übt die Agrarindustrie derzeit massiven Einfluss auf die EU-Kommission aus. Dass neue Gentechnik-Verfahren Gentechnik im Sinne des europäischen Rechts sind, hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) zwar bereits im Juli 2018 klargestellt.

Doch nun steht zu befürchten, dass eine voraussichtlich noch im April erscheinende Studie der Kommission einer verhängnisvollen Neudefinition von Gentechnik Tür und Tor öffnen könnte. Mit den neuen Methoden erzeugte Tiere und Pflanzen könnten dann schon bald Einzug in unsere Ställe und auf unsere Äcker halten. Diese Aufweichung der Definition von Gentechnik würde so die Wahlfreiheit der Verbraucher:innen und die Sicherheit von Mensch und Umwelt gefährden und Wege hin zu einer nachhaltigen Landwirtschaft langfristig verbauen.

Helfen Sie uns, die Ausbreitung der Gentechnik zu verhindern?

Noch können wir die Deregulierung der Gentechnik verhindern, doch wir können nur dann ausreichend Druck auf die Politik aufbauen, wenn genug Menschen mitmachen. Wir wollen deshalb in den kommenden Monaten eine groß angelegte Infokampagne starten, um die Bevölkerung über die Risiken der neuen Gentechnikmethoden und den drohenden Verlust unserer Wahlfreiheit aufzuklären. Das schaffen wir nur mit Ihrer Unterstützung: Druck und Versand von hunderttausenden Faltblättern und Broschüren kosten uns sehr viel Geld. Helfen Sie uns mit einer Spende oder Fördermitgliedschaft, Europas Freiheit von Gentechnik zu verteidigen?

Ja, ich bin dabei!

Falsche Versprechungen

Doch die Versprechungen der Industrie sind falsch und führen in die Irre: Denn genmanipulierte Pflanzen tragen – anders als von ihren Lobbyist:innen gebetsmühlenartig behauptet – so gut wie nicht zur Klimaanpassung der Landwirtschaft oder zur Pestizidreduktion bei. In Wirklichkeit verbaut der Fokus auf die so genannten „technologischen Innovationen“, wie die Gentechnik-Methoden gerne genannt werden, den Weg zur dringend benötigten Ökologisierung der Landwirtschaft. Nicht die gentechnische Optimierung weniger, anfälliger Hochleistungsexemplare, sondern eine möglichst große Vielfalt an Sorten und Rassen sowie vielfältige und damit stabile Anbausysteme sorgen für eine optimale lokale Anpassung und minimieren das Risiko von Missernten und Krankheiten. Vor dem aktuellen Hintergrund des größten Artensterbens seit dem Verschwinden der Dinosaurier müssen wir dringend sowohl die genetische Vielfalt als auch die Vielfalt an Rassen und Sorten, sowie die der Lebensgemeinschaften (Ökosysteme) fördern.

Die Agrar-Gentechnik dient dagegen als Werkzeug zur Aufrechterhaltung der industriellen Landwirtschaft und der Massentierhaltung. Denn mit neuen gentechnischen Verfahren wie CRISPR/Cas werden Organismen gezüchtet, die sich an das agrarindustrielle Modell anpassen sollen – beispielsweise Pflanzen, die als einzige Pflanzen auf dem Acker eine Dusche mit Pestiziden überleben oder Tiere, die "besser" an die Zumutungen der quälerischen Massentierhaltung angepasst sein sollen.

Mit diesen "Innovationen" soll ein Agrarsystem fortgeschrieben werden, das viele der Probleme geschaffen hat, mit denen die Landwirtschaft heute konfrontiert ist. So zählt die industrialisierte Landwirtschaft zu den großen Emittenten von Treibhausgasen und trägt massiv zu Bodendegradation und weiteren Umweltbelastungen bei. Gerade in Kombination mit Gentechnik ist sie für den massiven Einsatz von Pestiziden und den Verlust der (Agro-)Biodiversität verantwortlich. Solange sich Forschung und Politik einseitig auf Gentechnik ausrichten und Milliarden vergeben werden für die Entwicklung von gentechnisch veränderten Organismen (Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen), werden gleichzeitig andere Entwicklungspfade verbaut.

Risiken und Nebenwirkungen

Neue Gentechniken wie z.B. CRISPR/Cas greifen tief in das bis heute von uns nicht vollständig verstandene Erbgut lebender Organismen ein und können dieses grundlegend verändern. So ist es möglich, mehrere Gene im selben Organismus gleichzeitig oder nacheinander zu manipulieren. Mit dieser neuen Eingriffstiefe ins Genom sind große Risiken für Mensch, Tier und Umwelt verbunden. Auch die Geschwindigkeit, mit der sich Mutationen erzeugen lassen, erhöht das Risikopotential von CRISPR/Cas und anderen neuen Verfahren. Die grundsätzlichen Probleme der Gentechnik wie die Auskreuzung, Kontamination und Nicht-Rückholbarkeit, bestehen hingegen auch bei der neuen Gentechnik weiter.

Mehr zu den neuen Gentechnikmethoden, ihren Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie auf unseren Themenseiten zur Agrogentechnik.

Um den Schutz von Mensch, Tier und Umwelt zu gewährleisten, fordert unser Bündnis:
  • die neuen Gentechniken unter dem bestehenden EU-Gentechnikrecht weiterhin strikt zu regulieren.
  • die Wahlfreiheit und Transparenz für Verbraucher:innen, Bäuer:innen, Imker:innen, Züchter:innen, Saatguterzeugung, Lebensmittelunternehmen und Handel zu sichern und die Kennzeichnung, Rückverfolgbarkeit und Haftung für Gentechnik-Produkte aufrechtzuerhalten.
  • die gesamte Landwirtschaft (und der vor- und nachgelagerten Bereiche) zu ökologisieren - dazu braucht es den Ausbau systemorientierter, lösungsorientierter Ansätze für ökologischere, nachhaltige, sozial gerechte und selbstbestimmte, klima- und biodiversitätsfreundliche Ernährungssysteme. die Erforschung und Entwicklung agrarökologischer Systeme und Anbaumethoden und ihrer regionalen Anpassung und Umsetzung sowie die ökologische und herkömmliche gentechnikfreie Züchtung angemessen zu fordern.
  • die Ära von gentechnisch veränderten herbizidtoleranten und insektizid-produzierenden Pflanzen zu beenden.
  • Gentechnik für die Tierzucht zu verbieten. Wir brauchen eine tiergerechte Haltung und eine entsprechende Züchtung – statt massenhafte Tierversuche, die der Anpassung der Tiere an krankmachende Höchstleistungsziele mit Hilfe neuer Gentechnikmethoden dienen sollen.
  • Patente auf Leben zu verbieten. Konzerne dürfen sich nicht die Jahrtausende andauernde züchterische Arbeit von Bäuer:innen und regionalen Züchter:innen aneignen.
  • die Freisetzung von Gene Drive Organismen in die Natur zu verhindern.
  • den Biodiversitätsverlust zu stoppen und genetische Vielfalt, Artenvielfalt und Vielfalt an Lebensgemeinschaften zu erhalten und zu fördern.
Unterstützen Sie uns!