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Trotz Protest: Bald Anbau von Gen-Reis auf den Philippinen

Reis, Golden Rice, Gentechnik


(27.07.2021) Trotz vehementen Widerstands darf der genmanipulierte „Golden Rice“ ab 2022 auf den Philippinen angebaut werden. Damit erhält der Reis die weltweit erste Zulassung für den kommerziellen Anbau. Noch vor einigen Jahren schien der als „Bekämpfer der Mangelernährung“ propagierte Reis vor dem Aus zu stehen. Doch Stiftungen und Agrarkonzerne haben nicht lockergelassen.

Gegen den Anbau der gentechnisch veränderten Reissorte wird auf den Philippinen seit Jahren erbittert Widerstand geleistet. Zum Beispiel berichteten wir 2013, dass dort 400 Landwirt:innen ein Golden-Rice-Versuchsfeld zerstört haben. Die „Feldbefreier“ wurden kriminalisiert und die Agrar-Konzerne - in diesem Fall der Patentinhaber Syngenta - stellten sich als Opfer dar. Trotz des Widerstands durch philippinische Bäuerinnen und Bauern, Wissenschaftler:innen, Verbraucher:innen, Gesundheitsschützer:innen und Umweltgruppen hat die dort zuständige Behörde am 21. Juli nun eine Zulassung für den kommerziellen Anbau des genmanipulierten Reis erteilt. Die Philippinen sind damit die allererste Region weltweit, in der eine solche Zulassung erteilt wurde. Sie gilt ab 2022. Das Saatgut soll vorerst an „ausgewählte Bauern“ verteilt werden. Was das genau bedeuten soll, ist bisher noch nicht bekannt.

Leere Versprechungen

Seit über 20 Jahren verspricht das Golden Rice Project mit Hilfe seines genmanipulierten Reises den Vitamin-A-Mangel weltweit zu beseitigen. Doch bis heute sind dies leere Versprechungen geblieben. Seit Jahren wird die Markteinführung angestrebt, doch niemand will den Reis haben. Großer Widerstand, vor allem in den geplanten Anbauländern des Globalen Südens, hat den kommerziellen Anbau des Golden Rice zumindest bisher verhindert. Denn die eigentliche Ursache des Vitamin-A-Mangels in Entwicklungsländern, wird dadurch nicht gelöst: Die betroffenen Menschen bekommen auch weiterhin keinen Zugang zu einer vielseitigen Ernährung. Zudem ist bisher unklar, ob der tägliche Verzehr von Golden Rice tatsächlich den Mangel an Vitamin-A ausgleichen kann. Untersuchungen dazu fehlen. Ebenso sind bis heute weder die Risiken für die Umwelt noch die Sicherheit beim Verzehr der genmanipulierten Reiskörner wirklich untersucht worden.

2017 berichteten wir von einer Studie, die deutlich aufzeigte, dass eine Kreuzung nicht genmanipulierter Pflanzen mit dem gentechnisch veränderten Syngenta-Reis zu komplett unbrauchbaren Pflanzen führte. Die gekreuzten Pflanzen waren kleinwüchsig, hatten blasse Blätter und lieferten einen deutlich niedrigeren Ertrag als der ursprünglich indische Swarna-Reis. Die Autor:innen des Berichts stellten bei einer genaueren Untersuchung der Pflanzen fest, dass deren Hormone und dadurch auch der gesamte Stoffwechsel vollständig durcheinander geraten waren. Damit schienen die Tage des Golden Rice eigentlich gezählt zu sein. Risiken für die Umwelt sind ebenfalls nicht zu vernachlässigen: Wird gentechnisch veränderter Reis in Regionen angebaut, in denen auch Wildreis wächst, kann sich der genmanipulierte Reis mit diesem kreuzen. Die manipulierten Gene können sich so unkontrolliert verbreiten.

Wirksamkeit unklar – Risiken nicht untersucht

Die Nichtregierungsorganisation Testbiotech hat Daten im Zuge eines Antrags auf Importzulassung der genmanipulierten Reissorte (2016) nach Australien und Neuseeland unter die Lupe genommen. Testbiotech kam dabei zu einem vernichtenden Urteil: durch Anbaubedingungen, Lagerung, Verarbeitung und Kochen verliert der Reis deutlich an Beta-Carotin. Trotz gegenteiliger Behauptungen wurde der Golden Rice nie umfassend auf seine tatsächliche Eignung zur Bekämpfung des Vitamin-A-Mangels getestet. Auch die Risiken für Mensch und Umwelt wurden nicht umfassend untersucht.

Hinzu kommt, dass der Anbau vom genmanpuliertem Reis - getarnt als humanitäres Projekt – durch Monokulturen und einen hohen Einsatz an Pestiziden sowohl Ackerland zerstört als auch die Ernährungsvielfalt behindert. Landwirt:innen verlieren die Kontrolle über das Saatgut durch die darauf bestehenden Patente und geraten in die Abhängigkeit der riesigen Agrarkonzerne.

Kritik von Gruppen vor Ort

Die NGO Greenpeace Philippines, die seit Jahren aktiv im Kampf gegen den Golden Rice sind, kreiden den Behörden absolutes Versagen an. Sie stellten fest, dass die Sorgen von Bäuerinnen und Bauern, indigenen Völkern, religiösen Gruppen, Jugendlichen, Müttern, Verbraucher:innen und zivilgesellschaftlichen Gruppen in keiner Phase des Genehmigungsverfahrens berücksichtigt wurden. Außerdem seien weder die potenziellen sozioökonomischen Auswirkungen auf Landwirt:innen und die indigene Bevölkerung noch auf die lokale Kultur mit einbezogen worden.

Auch Netzwerke wie das Stop Golden Rice! Network Philippines (SGRN) hoben das Fehlen unabhängiger, umfassender und substanzieller Risiko- und Folgenabschätzungen des Genehmigungsverfahrens hervor, sowie den allgemeinen Mangel an Transparenz.

Das von Landwirt:innen geführte Netzwerk aus Bürgerorganisationen, NGOs und Wissenschaftler:innen Magsasaka at Siyentipiko Para sa Pagunlad ng Agrikultura (MASIPAG) forderte Kleinbäuerinnen und -bauern sowie Verbraucher:innen im ganzen Land auf, gegen diese Entscheidung zu protestieren.

Sinnvolle Maßnahmen gegen Mangelernährung

Auf den Philippinen wird Reis traditionell in Terrassen angebaut, die sich entlang von Hängen nach oben schlängeln. Die Dörfer liegen mitten darinnen.
Foto: Dan Lundberg | https://www.flickr.com/photos/9508280@N07/27165932578/

Riesige Mengen an öffentlichen und privaten Geldern wurden bisher für das Golden Rice Project verschwendet. Die Stiftungen, die das Projekt fördern, hätten mit dem Geld schon längst funktionierende Maßnahmen zur Bekämpfung des Vitamin-A-Mangels umsetzen können. Eine langfristige und nachhaltige Bekämpfung des Problems liegt in der Hilfe zur Selbsthilfe:

  • Die ökologische Landwirtschaft liefert die qualitativ guten Lebensmittel in lokal angepassten Systemen, die nötig sind für eine abwechslungsreiche, vitamin- und mineralstoffhaltige Ernährung.
  • Landwirt:innen müssen in geeigneten Anbaumethoden geschult werden. Sie müssen sich dadurch nachhaltig versorgen können, ohne dabei in die Abhängigkeit von Konzernen zu geraten. Die Versorgung mit abwechslungsreicher Nahrung mit Hilfe von Obst- und Gemüseanbau in Hausgärten hat vor allem in Afrika bereits große Erfolge erzielt.
  • Der Weltagrarbericht forderte bereits 2008 die Rückkehr zu traditionellen Anbaumethoden, herkömmlichen Produktionsweisen und die Verwendung von traditionellem Saatgut. Es existiert eine Vielfalt an alten Reissorten, die von Natur aus viele Beta-Carotine enthalten und im Gegensatz zum Einheits-Gentechnik-Reis perfekt an die lokalen Gegebenheiten angepasst sind. Einige traditionelle Reissorten weisen sogar deutlich höhere Werte auf als der Golden Rice.
  • Bildung muss von klein auf gefördert werden. Denn Hunger ist auch eine Folge von Armut: Armut verhindert Bildung und Bildung verhindert Armut.
  • Wichtig ist auch die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Der Report "The State of Food and Agriculture" der Welternährungsorganisation FAO aus dem Jahr 2011 zeigt auf, dass die Gleichberechtigung der Frauen im ländlichen Raum zu höheren Erträgen von bis zu 30 Prozent führen würde. Die Stärkung der Frauenrechte ist also essentiell für die Bekämpfung von Fehl- und Mangelernährung!

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