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Antibiotika in der Tierhaltung: Falschinformationen gegen strengere Vorschriften

Resistente Keime finden sich immer wieder auf Geflügelfleisch

Resistente Keime finden sich immer wieder auf Geflügelfleisch. (Bild: © Manfred Richter | pixabay.de)

(08.09.2021) Eine neue Tierarzneimittelverordnung soll einen strikteren Umgang für den Einsatz von Antibiotika in der Nutztierhandlung regeln und so das Risiko der Entstehung von resistenten Keimen reduzieren. Es steht viel auf dem Spiel: Seit Jahren warnen Wissenschaftler:innen eindringlich vor den Gefahren multiresistenter Keime, gegen die kein Antibiotikum mehr wirkt.

Der von der EU-Kommission vorgelegte Entwurf für die Umsetzung der Verordnung ist dafür jedoch zu schwach: Lebensrettende Reserveantibiotika könnten auch weiterhin in großen Mengen in der Massentierhaltung eingesetzt werden. Um dies zu verhindern hat der Umweltausschuss des EU-Parlaments Einspruch gegen den Entwurf eingelegt und Nachbesserungen gefordert. Mitte September wird das gesamte EU-Parlament über das Veto entscheiden.

Resistente Keime aus der Massentierhaltung

Laut der europäischen Seuchenbehörde ECDC fallen multiresistenten Keimen jedes Jahr mehr als 33.000 Menschen zum Opfer. Besonders problematisch ist der nicht zielgerichtete Einsatz von Reserveantibiotika in der Nutztierhaltung. Dabei werden bestimmte Wirkstoffe, die eigentlich für humanmedizinische Notfälle vorbehalten sein sollten, nach dem Gießkannenprinzip ganzen Tierbeständen über das Futter oder über das Wasser verabreicht. Die Gefahr, dass Keime gegenüber den eingesetzten Medikamenten unempfindlich werden, ist bei dieser Praxis besonders hoch. Der Umweltausschuss fordert deshalb ein klares Verbot dieser in der Massentierhaltung häufig vorgenommenen Gruppenbehandlung mit Reserveantibiotika. Auch der Vorstandsvorsitzende des Weltärztebundes, Frank Montgomery, spricht sich für eine strikte Reglementierung von Antibiotika in der Tierhaltung aus.

Desinformationskampagne gegen strengere Vorschriften

Doch nicht alle finden strengere Vorschriften gut: Eine vor kurzem gestartete Kampagne des Bundesverbands praktizierender Tierärzte hat zuletzt für Aufregung gesorgt. Tierfreund:innen wurden gezielt aktiviert um das EU-Parlament mit ihrer Unterschrift dazu aufzufordern, gegen das Veto des Umweltausschusses zu stimmen. Der Verband behauptet, dass durch die geforderten Änderungen eine Anwendung von Reserveantibiotika in der Tiermedizin nicht mehr möglich sei und Haustiere somit nicht mehr wirkungsvoll behandelt werden könnten. Tatsächlich ist diese Behauptung aber falsch, denn die Behandlung einzelner Tiere soll auch weiterhin möglich sein. Mit solchen gezielten Falschbehauptungen wird massiv gegen den Vorstoß der dringend nötigen, strengeren Regulierung von Antibiotika lobbyiert.

Bessere Haltungsbedingungen statt Antibiotika!

Dass in der Tierhaltung so große Mengen Antibiotika benötigt werden, liegt nicht zuletzt an den oft katastrophalen Haltungsbedingungen: Zu viele Tiere werden auf zu engem Raum gehalten und haben keinen Zugang zu Auslauf, keine Beschäftigungsmöglichkeiten und sind auf Höchstleistung gezüchtet. Eine hohe Erkrankungsrate der Tiere ist die Folge. Dass die Produktion tierischen Lebensmitteln auch ohne den flächendeckenden Einsatz von Antibiotika möglich ist, zeigt die ökologische Landwirtschaft. Durch den Einsatz von robusten Tierrassen und deren artgerechte Haltung und Fütterung kombiniert mit einem guten Hygienemanagement kann die Gesundheit der Tiere weitgehend ohne Medikamente gewährleistet werden. Bei einer notwendigen Gabe von Antibiotika wird ausschließlich das kranke Tier behandelt und bei Bedarf von der Gruppe getrennt. Eine Reduktion von Antibiotika in der Nutztierhaltung bedeutet also nicht nur ein geringeres Risiko für die Entstehung multiresistenter Keime, sondern auch mehr Tierwohl.

Bereits mehr als 22.600 Menschen fordern gemeinsam mit uns vom Landwirtschafts- und Gesundheitsministerium, sich auf EU-Ebene dafür einzusetzen, dass Reserve-Antibiotika endlich wirksam aus den Ställen verbannt werden. Hier geht´s zur Online-Aktion:

https://www.umweltinstitut.org/mitmach-aktionen/kein-antibiotika-missbrauch-im-stall.html

Unterstützen Sie uns!