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Gerichtsurteil: Mehr Transparenz beim Pestizid-Absatz

Unbekannt: Wie viele Pestizide werden jedes Jahr ausgebracht?

Wie viele Pestizide werden jedes Jahr ausgebracht?

(19.05.2021) Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) veröffentlicht jährlich die Absatzmengen von Pestizid-Wirkstoffen in Deutschland. Bisher war diese Veröffentlichung jedoch so vage, dass die genauen Absatzmengen für einzelne Wirkstoffe im Dunkeln blieben. Ein Gerichtsurteil sorgt nun für mehr Klarheit: Das BVL muss detaillierte Angaben für jedes einzelne in Deutschland verkaufte Ackergift herausgeben.

Bisher gab das BVL den Absatz von Pestizid-Wirkstoffen lediglich in Mengenklassen an. So wurde etwa für Glyphosat angegeben, dass pro Jahr eine Menge zwischen 2.500 und 10.000 Tonnen des Totalherbizids verkauft wurden. Auch bei anderen Pestizid-Wirkstoffen wurde diese Form verwendet. Welche Mengen von einem Pestizid-Wirkstoff also tatsächlich jedes Jahr verkauft werden, war bisher kaum oder gar nicht abschätzbar.

BVL beruft sich auf Geschäftsgeheimnisse der Konzerne

Während andere EU-Mitgliedstaaten schon längst detaillierte Daten zum Pestizid-Absatz veröffentlichen, berief sich das BVL auf Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse der Hersteller-Konzerne. Diese würden der Veröffentlichung genauerer Zahlen entgegenstehen. Das Verwaltungsgericht Braunschweig indessen sieht das anders: Es urteilte, dass das BVL die genauen Absatzmengen der einzelnen Wirkstoffe herausgeben muss – und das rückwirkend für mehrere Jahre. Denn der Absatz von Pestizid-Wirkstoffen ist laut Umweltinformationsgesetz eine Information über Emissionen in die Umwelt. Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse stehen der Herausgabe von detaillierten Angaben demnach nicht entgegen. Als Reaktion auf dieses Urteil hat das BVL eine für die Öffentlichkeit zugängliche Übersicht erstellt, aus der hervorgeht, welche Pestizid-Mengen kilogrammgenau von den Jahren 2002 bis 2019 abgegeben wurden.

Urteil schafft mehr Transparenz, tatsächlicher Einsatz bleibt im Dunkeln

Das Urteil, das dem Umweltinstitut vorliegt, kann als Erfolg gewertet werden. Es sorgt für deutlich mehr Transparenz bezüglich der Menge an Pestizid-Wirkstoffen, die in Deutschland Jahr für Jahr verkauft werden. Aus den Daten kann nun etwa herausgelesen werden, wie groß die verkaufte Menge an Pestiziden de facto ist, die für Bienen oder andere Bestäuber oder aber für die menschliche Gesundheit gefährlich sind.

Was jedoch auch weiterhin im Dunklen bleibt, ist die konkrete Pestizid-Menge, die tatsächlich auf unseren Feldern und damit in unserer Umwelt landet. Landwirtschaftliche Betriebe müssen darüber zwar Buch führen. Bei Kontrollen oder auf Anfrage müssen sie die Aufzeichnungen den zuständigen Behörden auch zur Verfügung stellen, doch veröffentlicht werden diese Daten nicht. Unsere Anfrage bei einer Behörde nach Herausgabe eben dieser Daten wurde abgelehnt. Damit wird uns die Möglichkeit verwehrt herauszufinden, wie viel und welche Pestizide in sensiblen Bereichen wie Naturschutzgebieten oder in der Nähe von Siedlungen gespritzt werden. Deshalb wollen wir diese Informationen nun vor Gericht erstreiten. Dabei geht es uns nicht nur darum, unsere eigene Informationslage zu verbessern: Wir sind der Meinung, dass Informationen über Pestizideinsätze für alle zugänglich sein sollten.

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