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Globales Bienensterben auf dem Vormarsch

Das Bienensterben schreitet weltweit voran. (© rostichep / pixaby)

Das Bienensterben schreitet weltweit voran. (© rostichep / pixaby)

(29.1.2021) Die Zahl der Wildbienenarten ist weltweit rückläufig, wie eine kürzlich erschienene, groß angelegte Studie nahelegt. Die globale Analyse kommt zu dem erschreckenden Ergebnis, dass die wichtigen Bestäuber höchstwahrscheinlich nicht nur hierzulande, sondern rund um den Globus in Bedrängnis sind. Hauptursache ist die Zerstörung von Lebensräumen durch intensive Landnutzung.

Mehr Daten, weniger Bienen

Ein Viertel weniger wilde Bienenarten wurden seit 1990 weltweit gesichtet, so das Ergebnis der Studie.1 Wissenschaftler:innen analysierten dafür Aufzeichnungen aus den letzten dreihundert Jahren, die vom Globalen Zentrum für Informationen über die biologische Vielfalt (GBIF) zusammengestellt wurden und die sich auf 20.000 bekannte Bienenarten beziehen. Dabei stellten sie fest, dass zwischen 2006 und 2015 ca. 25 Prozent weniger Arten von Wildbienen gefunden wurden als im Zeitraum vor 1990, und das obwohl es mittlerweile deutlich mehr Insekten-zählungen und Beobachtungsprojekte gibt als früher.

Bienensterben globaler Trend

Die Forscher:innen interpretieren ihre Erkenntnisse als weiteres Indiz dafür, dass das Bienensterben ein globales Phänomen sei. Davon gehen große Teil der Fachwelt bereits seit längerer Zeit aus, jedoch konzentrierten sich die bisherigen Untersuchungen stark auf Europa und Nordamerika.1 In der neuen Analyse wurde nun festgestellt, dass die dokumentierte Anzahl der Bienenarten auf allen Kontinenten außer Ozeanien rückläufig ist. Das bedeutet nicht unbedingt, dass alle diese Wildbienenarten ausgestorben sind, lässt jedoch zumindest darauf schließen, dass ihre Zahl soweit zurückgegangen ist, dass sie nicht mehr regelmäßig in der Wildnis beobachtet werden können. Die Studie lege nahe, dass die lokalen Beobachtungen zum Bienensterben widerspiegeln, was global vor sich gehe, so Eduardo Zattara, der Hauptautor der Studie.

Bienengifte statt Artenvielfalt

Als wichtigste Ursache für den Rückgang von Bienen, Bestäubern und anderen Insekten nennt mehr als die Hälfte aller Fachveröffentlichungen die einschneidenden Veränderungen des Lebensraums der Tiere. Ein Haupttreiber dafür ist die industrielle Landwirtschaft, die Flächen in ausgeräumte, von Monokulturen dominierte Agrarwüsten verwandelt, die kaum Lebensraum und Futter bieten. Auch unter dem hohen Einsatz von Pestiziden in den konventionellen Anbaumethoden leiden Bienen, Schmetterlinge und Käfer. Besonders die sogenannten Neonicotinoide setzen den Tieren zu. Diese Substanzen wirken systemisch – das heißt sie können die gesamte Pflanze durchdringen (Wurzel, Blätter, Nektar, Pollen, etc.) und bleiben nicht an der Oberfläche. Nimmt ein Tier irgendeinen Teil davon auf, kommt es mit dem Gift in Kontakt, das bereits in sehr kleinen Mengen Insekten töten oder ihr Nervensystem schädigen kann.

Bienensterben verhindern

Um dem traurigen Trend etwas entgegenzusetzen, müssen diese hochgefährlichen Bienengifte dringend vom Markt. Tatsächlich wurden in den letzten Jahren in der EU mehrere Neonicotinoide für den Freilandanbau verboten. Doch für dieses Jahre wurden in Deutschland trotz aller Bekundungen zum Insektenschutz Notfallzulassungen erteilt, die es erlauben, das eigentlich verbotene Neonicotinoid Thiamethoxam im Zuckerrübenanbau zu verwenden – ein gewaltiger Rückschritt für den Schutz von Bestäubern. Außerdem sind sogenannte "neue Bienengifte" wie Cyantraniliprol, die ganz ähnlich wirken wie die Neonicotinoide, nach wie vor standardmäßig im Einsatz.

Große Teile unserer Nahrungsmittelproduktion hängen von der Bestäubung durch Insekten ab. Wenn wir Bienen und andere Bestäuber schützen, sichern wir also auch unsere eigenen Lebensgrundlagen. Doch dafür ist es unerlässlich, die Art und Weise zu verändern, wie wir unsere Lebensmittel anbauen. Dazu brauchen wir Anbaumethoden, die Artenvielfalt fördern statt sie zu zerstören. So setzen agrarökologische Methoden wie die biologische Landwirschaft auf vielfältige Fruchtfolgen, die Förderung von Nützlingen, geeignete Sortenwahl und die Förderung vom gesunden Boden, statt auf flächendeckenden Gifteinsatz.3 Dass ökologische Landwirtschaft einen wichtigen Beitrag zum Insektenschutz leistet, beweist unter anderem eine Studie der zoologischen Staatssammlung München: Die Forscher:innen fanden auf ökologisch bewirtschafteten Flächen 60 Prozent mehr Schmetterlingsarten als auf konventionell bewirtschafteten Äckern.4

Jetzt aktiv werden!

Wir fordern eine 100 % pestizid-freie Landwirtschaft in Deutschland und der ganzen EU, die auf agrarökologische Maßnahmen setzt. Nur damit können wir Bienen und andere Insekten, aber auch unsere eigene Gesundheit wirklich schützen. Unterschreiben Sie jetzt unsere Europäische Bürgerinitiative „Bienen und Bauern retten“ und senden Sie ein starkes Signal nach Brüssel: Die Menschen in Europa wollen eine andere Art der Landwirtschaft, zum Schutz von Bienen, Verbraucher:innen und kleinbäuerlichen und regionalen Strukturen.

Falls Sie die Bürgerinitiative bereits unterschrieben haben und noch mehr tun wollen, können Sie unser Pestizid-Infopaket oder weitere Materialien rund um das Thema Landwirtschaft bestellen und Ihre Verwandten, Bekannten und Nachbar:innen über Landwirtschaft, Ökolandbau, Pestizide und das Artensterben informieren.

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