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Pestizid-Cocktails: Unterschätztes Umweltrisiko

Hummel, Blüte

Adobe Stock

(21.07.2021) Risiken für die Umwelt, die von sogenannten Pestizid-Cocktails ausgehen, werden im Zulassungsverfahren von Ackergiften viel zu selten berücksichtigt und deshalb unterschätzt. Dies zeigt eine aktuelle Studie, die vom Umweltbundesamt in Auftrag gegeben wurde.

Bisher wird bei Zulassungen von Spritzmitteln die gängige Praxis kaum beachtet, dass Landwirt:innen pro Spritzvorgang nicht nur ein einzelnes Mittel ausbringen, sondern sogenannte Tankmischungen. Beim Spritzen von Tankmischungen landen mehrere Mittel gleichzeitig auf dem Acker. Ebenfalls nicht unüblich ist es, dass unterschiedliche Pestizide kurz hintereinander ausgebracht werden. Das Problem dabei: Wenn verschiedene Wirkstoffe oder Spritzmittel miteinander vermischt werden, kann dies die Wirkung der Stoffe beeinflussen. Sie kann sich etwa verstärken, oder es ergeben sich völlig neue und unvorhersehbare Auswirkungen. Die Autor:innen der Untersuchung kommen zu dem Schluss, dass von einer Mischung mehrerer Pestizide ein höheres Risiko für terrestrische und aquatische Ökosysteme ausgeht als von einem einzelnen Mittel.

Tankmischungen sind die Regel

Das Risiko, das für die Umwelt von dieser Praxis ausgeht, wird bei den Zulassungsverfahren derzeit aber kaum erfasst. Für die Studie wurden fast 900 Datensätze aus landwirtschaftlichen Betrieben ausgewertet, die die Anwendung von Pestiziden in zwölf verschiedenen Hauptkulturen dokumentieren. Ein Ergebnis daraus war, das es sehr variabel ist, wie häufig die verschiedenen Kulturen gespritzt werden. Äpfel wurden der Auswertung nach mit durchschnittlich 20 Pestizidbehandlungen pro Saison am häufigsten gespritzt, wobei bei den einzelnen Behandlungen auch mehrere Pestizide gleichzeitig zum Einsatz gekommen sein können. Es wurde auch deutlich, dass der Einsatz von Tankmischungen die Regel ist. Sie machten rund 63 Prozent der Behandlungen in den untersuchten Kulturen aus.

Eine weitere Erkenntnis der Studie: Schäden an Regenwurmpopulationen, die durch Pestizide während der Spritzsaison verursacht wurden, bleiben auch im darauffolgenden Jahr bestehen. Dies ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass sich Tier- und Pflanzenpopulationen in der Zeit, in der kein Pestizid-Einsatz erfolgt, nicht ausreichend erholen können. Die Folge: Mit der Zeit werden die Populationen immer stärker geschädigt.

Pestizid-Cocktail in der Luft

Dass die Umwelt und damit auch wir Menschen einer Dauerbelastung mit einer Vielzahl von Pestiziden ausgesetzt sind, konnte auch das Umweltinstitut in einer im vergangenen Jahr veröffentlichten Untersuchung beweisen. An rund drei Viertel aller untersuchten Standorte wurden jeweils mindestens fünf und bis zu 34 verschiedene Pestizid-Wirkstoffe sowie deren Abbauprodukte gefunden. Auch an Standorten, die weit entfernt von potentiellen Einsatzorten waren, konnten mehrere Pestizid-Wirkstoffe nachgewiesen werden. Neben der Tatsache, dass wir andauernd einem Cocktail aus unterschiedlichen Pestiziden ausgesetzt sind, ergibt sich damit ein weiteres Problem beim Einsatz von Pestiziden: Ackergifte verbreiten sich kilometerweit durch die Luft und lassen sich praktisch überall in Deutschland nachweisen – auch dort, wo sie gar nicht direkt angewendet wurden.

Auf neue Erkenntnisse müssen Taten folgen!

Die Studie des Umweltbundesamts reiht sich ein in eine Vielzahl von anderen aktuellen Untersuchungen, die etwa zeigen, wie schädlich der massive Pestizideinsatz in der industriellen Landwirtschaft für Wasserorganismen oder Bodenlebewesen ist. Erschütternd dabei ist allerdings, dass auf diese gut belegten Erkenntnisse keine Taten folgen. Trotz des ständig größer werdenden Wissens um die Schädlichkeit von Pestiziden werden die Stoffe ungehemmt weiter eingesetzt. Sogar solche Ackergifte, deren Anwendung wegen ihrer großen Gefahr für Bestäuber EU-weit verboten wurden, kommen durch sogenannte Notfallzulassungen weiter zum Einsatz - auch in Deutschland. Wenn wir so weitermachen, zerstören wir unsere eigenen Lebensgrundlagen. Es hilft nichts, neues Wissen zu sammeln, wenn daraus keinerlei Konsequenzen gezogen werden. Pestizide haben in einer umweltverträglichen Landwirtschaft, die auch künftige Generationen ernähren kann, nichts verloren!

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