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Mit Wärmepumpen aus der Energiekrise

Schematische Graphik zur Darstellung der Funktionsweise von Wärmepumpen (© dreampicture | stock.adobe.com)

(15.7.22) Die Heizung ist der mit Abstand größte Verursacher von Kohlendioxid im Haushalt, ein Wechsel weg von Gas und Heizöl ist daher zentral für den Klimaschutz. Eine mögliche Alternative ist die Wärmepumpe: Sie gewinnt Wärme aus Umgebungsluft, Grundwasser oder dem Boden. Angetrieben werden Wärmepumpen mit Strom, durch die Nutzung der Umgebungswärme haben sie allerdings nur einen Bruchteil des Stromverbrauchs von elektrischen Heizungen. Wenn dieser Strom aus erneuerbaren Quellen stammt, sind diese Heizungen nicht nur sehr effizient, sondern auch klimaneutral.

Über die Herausforderungen der Wärmewende haben wir mit Dr. Björn Schreinermacher, Leiter Politik des Bundesverband Wärmepumpe e.V. (BWP), gesprochen. Der Bundesverband Wärmepumpe e.V. (BWP) ist ein Zusammenschluss von etwa 500 Unternehmen rund um die Wärmepumpe, von den Herstellern bis zu den Handwerksbetrieben.

Umweltinstitut (UIM): Die Gaspreise sind so hoch wie nie und die Klimakrise wird immer drängender: Viele Menschen denken aktuell über Alternativen zu ihrer alten, fossilen Heizung nach. Was spricht dabei für eine Wärmepumpe?

Dr. Schreinermacher: Wärmepumpen sind mittlerweile zur ersten Alternative zum Gaskessel geworden und werden in den nächsten Jahren voraussichtlich sogar zur neuen Standardheizung werden. Dafür sprechen in erster Linie die erneuerbaren Energien und die Energieeffizienz: Eine Wärmepumpe erzeugt aus einer Kilowattstunde Strom zwischen drei und fünf Kilowattstunden Wärme. Diese nutzbar gemachte Umweltwärme ist regenerativ und umsonst. Das entlastet sowohl die Umwelt als auch den Geldbeutel. Doch es gibt weitere Aspekte, etwa dass mit dieser Technologie der auf dem eigenen Dach erzeugte Solar-Strom direkt vor Ort eingesetzt werden kann.

UIM: Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck sowie Bauministerin Klara Geywitz luden Ende Juni Heizungsindustrie, Handwerk und einige weitere Branchen zum Wärmepumpen-Gipfel. Anschließend wurde angekündigt, dass künftig eine halbe Million Wärmepumpen pro Jahr neu verbaut werden sollen. Wie bewerten Sie die Ergebnisse?

Dr. Schreinermacher: Die Wärmepumpenbranche steht bereit für die Wärmewende. Klimawandel und der Krieg in der Ukraine machen deutlich, dass es dringend erforderlich ist, den Erdgasverbrauch der Heizungen zu reduzieren und diese am besten schnellstmöglich zu ersetzen. Dafür braucht es aber ein Umdenken in der gesamten Wertschöpfungskette: von Verbraucher:innen, Mieter:innen und Vermieter:innen über das Handwerk und Energieversorgern bis hin zum Heizungshersteller. Es stimmt zuversichtlich, dass sich bei dem Gipfel so unterschiedliche Marktakteure einmütig für den großen Hochlauf der Wärmepumpe ausgesprochen haben.

UIM: Laut der Ampelkoalition sollen ab 2024 nur noch solche Heizungen installiert werden, die mit mindestens 65 Prozent erneuerbaren Energien betrieben werden. Das wird oft auf die Installation einer Wärmepumpe hinauslaufen. Wird diese Regel die Betroffenen nicht auch stark finanziell belasten?

Dr. Schreinermacher: Zu Belastungen führt vor allem das den Kopf-in-den-Sand-stecken. Denn mit den aktuellen Entwicklungen der Gaspreise und dem bevorstehenden Aufwuchs der CO2-Preise kommen auf die Betreiber:innen von Gaskesseln hohe Kosten zu und auch auf Mieter:innen von Wohnungen, die mit Gas beheizt werden. Das 65 Prozent-Gebot ab 2024 gibt also in erster Linie einen planbaren Rahmen vor und Verbraucher:innen, aber  auch das Handwerk erhalten ein klares Signal. Das wird auch dazu führen, dass mehr Handwerker:innen die Installation von Wärmepumpen anbieten und dass Produktion und Installation von Wärmepumpen zukünftig stärker standardisiert werden können. Das ist wirtschaftlich viel sinnvoller als ein Markt, der sich derzeit stark aufsplittet zwischen denen, die weiter Gaskessel installieren und jenen, die sich längst umorientiert haben.

Im Interview: Björn Schreinermacher

Björn Schreinermacher ist promovierter Politologe und Leiter für Politik beim Bundesverband Wärmepumpe e.V.

UIM: Mehr als die Hälfte der Neubauten hat eine Wärmepumpe, bei der Sanierung von Altbauten schrecken viele aber noch vor dieser Technik zurück. Wie umfangreich ist die Umrüstung? Wie gut funktionieren Wärmepumpen in Bestandsgebäuden?

Dr. Schreinermacher: Mittlerweile kommt weit über die Hälfte des jährlichen Wärmepumpenabsatzes beim Heizungstausch zum Einsatz. Besonders aufwendig ist das in den meisten Fällen nicht, denn in erster Linie geht es um die Frage, ob die vorhandenen Heizkörper mit niedrigeren Vorlauftemperaturen betrieben werden können. Während Heizkessel häufig mit 70 Grad an den kältesten Tagen betrieben werden, ist es sinnvoll, eine Wärmepumpe eher auf 55 Grad auszulegen, in Ausnahmen auch mal mit höheren Temperaturen. Das kann bedeuten, dass eine Anzahl von Heizkörpern getauscht werden muss. Diese Auslegung der Wärmepumpe erfordert eine gewisse Fachkenntnis, sodass es in erster Linie darum geht, kundige Fachhandwerker:innen zu finden.

UIM: Viele Haus-Besitzer:innen klagen über lange Wartezeiten auf Termine bei genau diesen kundige:n Fachhandwerker:innen. Woran liegt das? Wie könnte die Situation entschärft werden und wie kann ich einen qualifizierten Betrieb finden?

Dr. Schreinermacher: Das ist einer der Gründe, warum wir für einen klaren Umbruch im Markt plädieren. Solange ein großer Anteil der Handwerker:innen für die Installation von Wärmepumpen gar nicht zur Verfügung stehen, weil sie den Einsatz von Gaskesseln gewohnt sind und dafür noch ausreichend Aufträge erhalten, wird es schwer mit den Fachkräften für die Wärmewende. Ein klarer Wandel im Handwerk wird diese Problem zu einem großen Teil beheben. Wartezeiten wird es aber wohl über die nächsten Jahre weiter geben. Ein vorausschauendes Handeln ist daher ratsam. Wer jetzt schon weiß, dass die Heizung im nächsten oder übernächsten Jahr getauscht werden sollte, kann sich jetzt schon darum kümmern. Bei der Suche kann beispielsweise das Register der nach VDI-Richtlinie qualifizierten „Fachkräfte Wärmepumpe“ helfen.

UIM: In Norwegen werden zehnmal mehr Wärmepumpen pro Einwohner:in verkauft als in Deutschland. Wie ist die Situation in anderen Ländern und woher kommen die Unterschiede?

Dr. Schreinermacher: Was wir noch vor uns haben, haben einige skandinavische Länder wie Norwegen bereits hinter sich. Obwohl es sich um ein gasförderndes Land handelt, hat man dort schon verstanden, dass man nicht mittels Gas eine über 1000 Grad heiße Flamme erzeugen muss, um 25 Grad Raumwärme bereitzustellen. Und übrigens: Norwegische Winter werden um ein Vielfaches kälter als in Deutschland. Und dennoch werden dort auch Luft-Wärmepumpen sehr effizient eingesetzt. Und die Stromnetze machen das übrigens auch mit. Man sieht an diesen Beispielen: viele der hier noch kursierenden Vorurteile gegen Wärmepumpen wurden in anderen Ländern längst widerlegt.

UIM: Neben den langen Wartezeiten können auch Fehler bei der Planung für Frust sorgen. Haben Sie einen Tipp für Menschen, die gerade über die Anschaffung einer Wärmepumpe nachdenken?

Dr. Schreinermacher: Informieren Sie sich! Zum Beispiel auf waermepumpe.de oder auch auf Youtube gibt es dazu genügend Material. Das Warten auf den Handwerksbetrieb wird das nicht ersetzen, aber es hilft, dann auch die richtigen Fragen zu stellen: Nehme ich besser eine Erdwärme- oder Luft-Wärmepumpe, wo sollte diese aufgestellt werden, welche Heizkörper sollten vielleicht ausgetauscht werden, mit welchen Anlageneffizienz kann ich rechnen? Das sind nur einige Fragen, die im Gespräch mit Fachfrau oder -mann geklärt werden müssen.

UIM: Vielen Dank für das Interview!

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