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Achtung Ente! Keine Entwarnung für Glyphosat durch WHO

Traktor beim Spritzen

Bild: Chafer Machinery, flickr

(17. Mai 2016)  Entgegen anderslautender Berichte hat die Weltgesundheitsorganisation keine Entwarnung für Glyphosat gegeben. Wir erklären, wie es zu der Meldung kam und wie die Faktenlage tatsächlich aussieht.

Fünf Gründe, warum die vermeintliche Entwarnung durch die WHO eine Ente ist

Auf den ersten Blick könnte man tatsächlich den Eindruck gewinnen, als habe die WHO gestern Entwarnung gegeben und halte Glyphosat nun doch nicht für krebserregend. Aber eben nur auf den ersten Blick, denn es gibt gleich fünf Gründe, warum entsprechende Meldungen eine Ente sind:

1. Die aktuellen Pressemeldungen beruhen auf einem Papier des Gemeinsamen Sachverständigenausschusses für Pestizidrückstände" (JMPR). Der JMPR ist nicht die WHO, oder gar „die UNO“, wie in einigen Presseartikel dargestellt, sondern ein gemeinsamer Ausschuss von WHO und Welternährungsorganistion (FAO). Die Position der KrebsforscherInnen (IARC) der WHO, wonach Glyphosat „wahrscheinlich krebserregend“ ist, wird durch den JMPR nicht aufgehoben, sondern bleibt vollumfänglich bestehen.

2. Der JMPR hat gar nicht gesagt, dass Glyphosat nicht krebserregend ist. Der Ausschuss hat vielmehr eingeschätzt, dass die über die Nahrung aufgenommenen Mengen das Krebsrisiko nicht erhöhen. Die Unterscheidung ist zentral, denn die EU-Pestizidgesetzgebung schreibt fest, dass Stoffe mit krebserzeugenden Eigenschaften nicht zugelassen werden dürfen (hazard-based cut-off criterium). Die Aufnahmemenge über die Nahrung ist dabei zweitranging. Im Übrigen geht es bei der Auseinandersetzung um die Wiederzulassung nicht ausschließlich um die Belastung durch die Nahrung, sondern zum Beispiel auch um den Schutz der Pestizid-AnwenderInnen oder AnwohnerInnen von Flächen, die mit Glyphosat besprüht werden. Auch an der Tatsache, dass Glyphosat erheblich zum Artensterben beiträgt, hat sich in keinster Weise etwas durch den JMPR-Bericht geändert.

3. Der JMPR ist wegen diverser Interessenkonflikte hoch umstritten, die Glaubwürdigkeit seiner Einschätzung ist deshalb fraglich: Schon 2004 und 2011 hatte der JMPR Glyphosat als ungefährlich eingestuft. Bei der damaligen Bewertung hatten Mitarbeiter des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) Schlüsselpositionen inne. Gegen das BfR läuft eine Strafanzeige wegen zahlreicher Ungereimtheiten bei der Bewertung von Glyphosat. Bei der aktuellen Bewertung des JMPR hatten mindestens zwei Experten wichtige Positionen inne, die für ihre engen Kontakte zur Pestizidindustrie bekannt sind. Der JMPR steht nicht für eine unabhängige Bewertung. Im Gegenteil: Auf Grund der zahlreihen Interessenskonflikte entsteht vielmehr der Eindruck, dass sich hier diejenigen, die ein Interesse daran haben, dass Glyphosat weiterzugelassen wird, selbst die Unbedenklichkeit bescheinigen.

4. Der JMPR wurde im Sommer 2015 von einer WHO-Taskforce beauftragt, seine Bewertung von Glyphosat und zwei weiteren Stoffen noch einmal zu überprüfen. Da der JMPR wiederholt Entwarnung für Stoffe gegeben hatte, die die IARC als krebserregend eingestuft hatte, wurde der JMPR von der Taskforce aufgefordert, seine internen Richtlinien zu überprüfen und die Kriterien für die Einbeziehung und den Ausschluss von wissenschaftlichen Daten und Studien neu aufzusetzten. Den Empfehlungen der Taskforce ist der JMPR für die jetzt veröffentlichte Einschätzung zu Glyphosat nicht nachgekommen.

5. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung war taktisch ausgesprochen geschickt platziert, um Einfluss auf die Wiederzulassung zu nehmen: Sie erfolgte nur zwei Tage vor der erwarteten EU-Entscheidung über die erneute Genehmigung von Glyphosat und außerdem an einem Feiertag, so dass NGOs und andere Glyphosat-KritikerInnen davon kalt erwischt werden würden. JournalistInnen, die die vermeintliche Entwarnung in Sachen Glyphosat unkritisch verbreiten, müssen sich fragen, ob sie nicht benutzt werden, um die Wiederzulassung von Glyphosat in letzter Sekunde durchzudrücken.

Hendricks muss jetzt hart bleiben

In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass die EU-Kommission Glyphosat ohne echte Auflagen für weitere neun Jahre zulassen will. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hatte daraufhin angekündigt, dass sie und die anderen SPD-MinisterInnen eine deutsche Zustimmung zu dieser Beschlussvorlage blockieren wird.

Die Umweltministerin steht unter erheblichem Druck durch den Koalitionspartner CDU/CSU und die Agrarlobby. Hendricks darf sich jetzt durch die Falschmeldungen von der vermeintlichen WHO-Entwarnung nicht irritieren lassen, sondern muss beim Poker um Glyphosat hart bleiben: Eine Wiederzulassung eines wahrscheinlich krebserregenden Stoffes darf es nicht geben!

Weitergehende Informationen:

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