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Desaster für die Welternährung: Bayer kauft Monsanto

(16.09.2016) Der Deal ist besiegelt: Der deutsche Chemiekonzern Bayer kauft seinen US-amerikanischen Konkurrenten Monsanto für 66 Milliarden Dollar. Damit wird Bayer zum größten Agrarchemie-Konzern weltweit. Schon vorher haben sich nur eine Handvoll globaler Saatgut-Konzerne den Weltmarkt geteilt, die so enormen Einfluss auf die Welternährung haben. Nun steigt die Konzentration noch weiter an.

Zusammen beherrschen Monsanto und Bayer rund 25 Prozent des internationalen Marktes für Pestizide und rund 30 Prozent für Saatgut. Bei der Marktmacht für gentechnisch veränderte Pflanzen sieht es sogar noch ärger aus: Monsanto und Bayer erreichen in diesem Bereich einen Marktanteil von über 90 %. Der Einfluss der Gentechnik-Industrie auf die Politik dürfte dadurch enorm steigen.

Weitere Fusionen von Agrarmultis

Doch die Monsanto-Übernahme ist nicht die einzige Veränderung im Bereich des Agrar- und Chemie-Marktes. Ende 2015 gaben bereits die US-amerikanischen Agrarkonzerne Dow und DuPont bekannt, dass sie fusionieren. Der schweizerische Saatgut-Riese Syngenta, der drittgrößte Saatguthersteller der Welt, wurde Anfang 2016 vom chinesischen Staatskonzern ChemChina, einem der größten Chemieunternehmen der Welt, aufgekauft.

Damit sind die großen Chemiekonzerne gleichzeitig auch Anbieter für Saatgut. Das Ziel, das dahintersteckt, ist nicht schwer zu erraten: Für einen erfolgreichen Anbau des Saatguts ist ein Einsatz von Pestiziden vorgesehen.

Dieser Effekt wird noch verstärkt, wenn genmanipulierte Pflanzen eingesetzt werden, die gegen Herbizide wie Glyphosat von Monsanto oder Glufosinat von Bayer resistent sind. Es wäre falsch, Bayer als deutsches Unternehmen oder Medikamentenhersteller ein positiveres Wirken zu unterstellen. Das Geschäft mit gentechnisch verändertem Saatgut ist für Unternehmen also auch deshalb so interessant, weil es in fester Verbindung mit Pestizideinsätzen steht.

Problematik der Marktkonzentration: Vielfalt und Unabhängigkeit Ade

Das sich die Macht über den Agrarmarkt nur wenige Multi-Konzerne teilen, hat gravierende Folgen für die Gesellschaft und die Natur:

  • Agrarkonzerne bestimmen was auf unseren Tellern landet
  • die Abhängigkeit der Bauern und Bäuerinnen von wenigen Konzernen steigt
  • die Kosten für Saatgut und Lebensmittel steigen
  • die Vielfalt landwirtschaftlicher Nutzpflanzenarten und -sorten sinkt dramatisch

Ihr Hautaugenmerk legen Agrarkonzerne bei der Züchtung auf die Nutzpflanzen, die ihnen die größten Gewinne bescheren. Dies sind vor allem Weizen, Reis und Mais. So sind in den letzten 100 Jahren 75 Prozent unserer Kulturpflanzen verloren gegangen.

Ist Bayer besser als Monsanto?

Monsanto hat in Europa und zunehmend auch in Südamerika und Indien vor allem wegen seiner Gentechnik-Sparte einen schlechten Ruf.

Doch auch Bayer ist im Bereich der Grünen Gentechnik kein unbeschriebenes Blatt. Der Konzern hat selbst zahlreiche genmanipulierte Pflanzen entwickelt, die unter anderem gegen den gefährlichen Wirkstoff Glufosinat resistent sind. Erst im Juli dieses Jahres wurde eine von Bayer entwickelte, gentechnisch veränderte Sojasorte, die gleich gegen zwei verschiedene Herbizidwirkstoffe resistent ist, in der EU als Lebens- und Futtermittel zugelassen. Bayer war außerdem Entwickler einer neuen Klasse von chemischen Insektiziden, den Neonicotinoiden. Die Insektengifte gelten als besonders schädlich für Bienen und sind ein wichtiger Grund für das Bienensterben.

Es wäre falsch, Bayer als deutschem Unternehmen oder Medikamentenhersteller ein grundsätzlich positiveres Wirken zu unterstellen als Monsanto. Beiden Firmen geht es im Zweifelfall nur um eines: Profit.

Patente auf Pflanzen

Doch nicht nur der gekoppelte Verkauf von Pestiziden und Saatgut macht die Gentechnik für die Agrarkonzerne so interessant. Die Konzerne lassen sich die genmanipulierten Pflanzen als technische Erfindung patentieren und erwerben so die Nutzungsrechte vom Saatgut bis zum fertigen Produkt. Mit den Lizenzen wollen sie so die komplette Lebensmittelkette kontrollieren. Die jahrtausendealte bäuerliche Praxis, einen Teil der Ernte wieder auszusäen und Saatgut zu tauschen, wird durch die Patentierung von Pflanzen kriminalisiert. Bayer und Monsanto besitzen zahlreiche Patente auf gentechnisch veränderte Pflanzen.

Kartellbehörden in der Verantwortung

Noch ist die Übernahme von Monsanto durch Bayer aber nicht völlig in trockenen Tüchern: Denn bevor Bayer durch die Übernahme von Monsanto zum weltweit größten Anbieter von Saatgut und Pestiziden wird, müssen noch die Kartellbehörden aller Länder, in denen Monsanto und Bayer tätig sind, zustimmen. Auch die Fusion von Dow Chemical und DuPont und die Übernahme von Syngenta durch ChemChina sind noch nicht durch alle Behörden abgesegnet.

Das der Deal platzt, ist jedoch recht unwahrscheinlich. Vermutlich hätte Bayer sonst einer Vertragsstrafe in Höhe von zwei Milliarden Dollar nicht zugesagt, die für Bayer fällig wird, wenn die Übernahme nicht zustande kommt. Die Kartellbehörden fordern in so einem Fall allerdings häufig Auflagen, wie zum Beispiel den Verkauf von einzelnen Teilen des Konzerns an andere Unternehmen.

Dies würde jedoch nichts an der enormen Marktmacht ändern, da weitere große Chemie-Konzerne wie BASF sich bereits die Finger nach diesen Anteilen lecken. Deshalb ist es nun an den Behörden, die Übernahme intensiv zu prüfen. Sie müssten folgerichtig zu dem Schluss kommen, dass eine Übernahme nicht mit dem Kartellrecht zu vereinbaren ist und eine weitere Konzentration des Agrarmarktes verhindern.

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