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Fünf Jahre Fukushima - und nichts gelernt

(11.03.2016) Die Atomkatastrophe in Fukushima am 11. März 2011 hat in Deutschland zu dem parteiübergreifenden Beschluss für einen Atomausstieg bis 2022 geführt. In Japan dagegen wird unbeirrt an der Atomkraft festgehalten: Drei von 43 nach der Katastrophe abgeschalteten Reaktoren sind inzwischen wieder in Betrieb, weitere sollen nach dem Wunsch der Regierung folgen. Fünf Jahre nach der Havarie werden die verheerenden Folgen sowohl für die Menschen als auch für die Umwelt von der japanischen Regierung auf unverantwortliche Weise heruntergespielt.  

Von ursprünglich 160.000 Evakuierten leben noch immer mehr als 100.000 Menschen in provisorischen Behelfsunterkünften. Familien wurden auseinandergerissen. Die Menschen sind entwurzelt, größtenteils ohne Arbeit, ohne sozialen Halt, ohne Hoffnung. Die Verzweiflung treibt viele in den Selbstmord.

Schnelle Rückführung der Evakuierten geplant

Die Regierung setzt alles daran, dass möglichst viele Menschen bald wieder in ihre Heimat zurückkehren um zu zeigen, dass selbst ein atomarer Super-GAU zu bewältigen sei. Die Propaganda verspricht ein normales, ungefährliches Leben und will vor allem der Jugend die Angst vor den schädlichen Strahlen nehmen. Schulen in den verstrahlten Regionen werden bereits wieder geöffnet.  

Für die Rückkehr der Evakuierten wird derzeit statt der üblichen Dosis von 1 Millisievert pro Jahr (mSv/a) eine Belastung von 20 mSv/a zugrunde gelegt. Dies ist im Normalbetrieb die zulässige Dosis für AKW-Arbeiter, nicht für die Bevölkerung. Vor allem für Kinder ist dieses Vorgehen gefährlich und unverantwortlich. Es gibt sogar Überlegungen, den Grenzwert auf 50 mSv/a zu erhöhen, um möglichst viele Menschen zurückzuführen und die Entschädigungsleistungen auslaufen zu lassen.

Dekontaminierung ohne Konzept

Im Herbst 2012 hatten die Dekontaminierungsarbeiten in den am meisten betroffenen Regionen begonnen. Häuser und Straßen wurden „gereinigt“, auf Bodenflächen wurden einige Zentimeter abgetragen und in Müllsäcke verpackt. Etwa neun Millionen davon stehen heute in Gärten und in der Landschaft herum. Wann und wohin sie entsorgt werden sollen, weiß keiner. Ein Konzept gibt es nicht. Deshalb wird erwogen, dass der Inhalt nach und nach für den Straßenunterbau verwendet oder sogar auf Kinderspielplätzen verbaut werden soll.  

Dekontaminierung heißt zudem nicht, dass die betroffenen Regionen frei von Radioaktivität sind. Sie können nur teilweise gesäubert werden, bei Wäldern z.B. ist dies gar nicht möglich. Zudem wird Radioaktivität ständig durch Erosion und Verwehungen weiter verteilt und sorgt dadurch in anderen Regionen für neue oder zusätzliche radioaktive Belastung.

Die Katastrophe ist noch nicht zuende

Auch bei den Unglücksreaktoren in Fukushima ist die Freisetzung von Radioaktivität noch nicht beendet. Die von der Kernschmelze betroffenen Reaktoren 1-3 sind noch immer nicht zugänglich. Bis heute ist nicht klar, wie weit oder wie tief sich die Kernschmelze verteilt hat oder in den Boden eingedrungen ist. Der „Betriebszustand“ ist ungewiss. Noch immer muss von außen Wasser zur Kühlung in den Reaktor gepumpt und radioaktives Wasser abgepumpt werden. Das Gelände ist überfüllt mit Tanks, voll mit radioaktiv verseuchtem Wasser. Auch hier gibt es keinen wirklichen Plan für die Entsorgung. Aber der AKW-Betreiber Tepco und die Regierung verkünden: Die Lage ist stabil, es geht keine Gefahr von den Reaktoren aus.  

Etwa 6500 Arbeiter sind dort täglich im Einsatz, doch die Grundwasser-Regulierung ist noch nicht gesichert. Weder der Bau von Mauern oder Brunnen noch ein Eiswall konnten den Zulauf von Grundwasser in den Reaktor verhindern. In den hoch verstrahlten Gebäuden wird das saubere Grundwasser kontaminiert und fließt durch Undichtigkeiten der Reaktoren ins Meer. Der gesamte Rückbau der havarierten Reaktoren wird laut Plan 40 Jahre dauern, inoffizielle Schätzungen gehen von 90 bis 120 Jahren aus.

Gesundheitliche Auswirkungen bleiben nicht aus

Derweil gibt es bereits Hinweise auf gesundheitliche Auswirkungen: Die Zahl von diagnostizierten Schilddrüsenerkrankungen bei Kindern steigt, was aber auch den intensiven Untersuchungen geschuldet sein kann. Aufgrund der Erfahrungen nach Tschernobyl ist in den kommenden Jahren ein deutlicher Anstieg der Schilddrüsenkrebsrate zu erwarten, da eine Jod-Prophylaxe für die betroffene Bevölkerung versäumt wurde. Außerdem wurde auch in Japan eine signifikant erhöhte Säuglingssterblichkeit festgestellt, ebenso wie in einigen europäischen Ländern nach Tschernobyl.  

Die Bürgerinnen und Bürger in Japan sind inzwischen mehrheitlich gegen die Atomkraft. Betroffene haben sich zusammengetan und klagen gegen Tepco auf Schadensersatz. Doch die Regierung versucht alles, um die Folgekosten möglichst gering zu halten. Deshalb setzt sie auf schnelle Rückführung der BewohnerInnen in die kontaminierten Regionen und verweigert die Anerkennung vieler Krankheiten als Folge der Atomkatastrophe. Der angeschlagene Konzern Tepco wird die finanziellen Forderungen nicht leisten können, die Kosten müsste der Staat übernehmen.  

In vier Jahren wird in Japan die Olympiade stattfinden. Geht es nach der japanischen Regierung, sollen einige Veranstaltungen auch in der Region von Fukushima stattfinden. Der Ehrgeiz ist enorm, die Katastrophe zu verharmlosen, ja zu verleugnen. Die Gesundheit der Menschen ist nachrangig. The Show must go on.

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