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Home  trenner  Meldungen  trenner  Gentechnik-Lachs: Kanadier werden ungewollt zu Versuchstieren

Erstes Gentechnik-Tier auf dem Markt

(10.08.2017) Ob sie wollen oder nicht: seit Anfang dieser Woche können VerbraucherInnen in Kanada den genmanipulierten Lachs kaufen. Am 4. August verkündete die amerikanische Herstellerfirma AquaBounty, dass sie bereits 4,5 Tonnen davon an kanadische Kunden vermarktet hat. Dieses genmanipulierte Tier wächst doppelt so schnell wie seine natürlichen Artgenossen und wird daher "Turbo-Lachs" genannt. Es handelt sich um das erste genmanipulierte Tier, das für den menschlichen Verzehr zugelassen wurde.

Kanadier als Versuchskaninchen

Nur zwei Supermarktketten reagierten prompt und versprachen ihren KundInnen, dass ihre Regale frei von diesem gentech-food bleiben. Da für den Turbo-Lachs im Kühlregal keine Kennzeichnungspflicht herrscht und AquaBounty nicht verraten will, an wen sie die Fische vermarktet hat, kaufen kanadische Verbraucherinnen und Verbraucher den Gentech-Lachs auch ungewollt. Das ist eine Schande für den Verbraucherschutz, denn jeder Mensch sollte das Recht haben, zu wissen was auf seinen Teller kommt. Zudem werden die KanadierInnen damit zu Versuchstieren für den Konsum der Fische. Trotz anderer Behauptungen kann niemand sicherstellen, dass der Verzehr der Fische tatsächlich ungefährlich ist.

Was genau ist das für ein Fisch?

Es handelt sich um eine Abart des Atlantischen Lachses (Salmo salar), dessen natürlicher Artgenosse hauptsächlich im Atlantischen Ozean, also im Salzwasser, lebt. Einen Teil ihres Lebens verbringen die wilden Lachse jedoch in Flüssen in Europa und Nordamerika, um in den Oberläufen zu laichen. Die Jungfische schlüpfen im Süßwasser, um dann nach circa einem Jahr in den Ozean zu wandern.

Die Tiere von AquaBounty wurden dahingegen so genmanipuliert, dass sie rund doppelt so schnell wachsen wie die wilden Lachse. Grund dafür: Dem Turbo-Lachs wurde ein Wachstumshormon-Gen vom Königslachs (Oncorhynchus tshawytscha) eingepflanzt, zusammen mit einem Genelement aus einer nordamerikanischen Barschart (Zoarces americanus). Die genmanipulierten Lachse wachsen damit im “turbo”-Gang, und das das ganze Jahr über.

Besteht ein Risiko der unkontrollierten Ausbreitung?

AquaBounty verschweigt absichtlich wo genau die Produktionsstätten liegen. Man weiß nur so viel, dass die Fische bisher in einer Fabrik in Panama großgezogen werden. Geplant ist jedoch auch eine Produktionsstätte in Kanada, genauer gesagt auf der Insel Prince Edward Island im Atlantik, dem Herkunftsort des wilden Lachses. Wenn von dort Tiere entweichen sollten kann das ungeahnte Folgen für das Ökosystem haben.

Ein Entweichen der Tiere soll verhindert werden, indem die Produktionsstätten weit weg von ihrem Heimatort liegen, und zwar in Panama. Dem widerspricht, dass die Eier in einer Fabrik auf Prince Edward Island produziert werden und künftig auch in einer Fabrik in Indiana, USA. Angeblich sollen die Eier, wenn sie aus der Fabrik auf Price Edward Island entweichen, im Salzwasser (dem Atlantik) landen und dort verenden, da die Jungtiere auf frisches nährstoffreiches Süßwasser angewiesen sind. Zudem seien die Eier ausschließlich weiblich und die erhöhte Chromosomenzahl mache die Tiere steril. Dieses Vorgehen ist allerdings nicht 100% sicher, so dass durchaus auch vollständig fruchtbare Weibchen entstehen, die sich munter mit wilden Lachsen paaren können.

Einen weiteren unsicheren Faktor stellt die Überfahrt der Eier zu ihren Aufzuchtstätten in Panama dar. Diese erfolgt mit Schiffen. Sollte eines dieser Schiffe sinken, kann niemand sicherstellen, dass nicht einige der Eier überleben, in Frischwasser gelangen und dort zu voller Größe heranwachsen. Sie könnten sich dann entweder mit der wilden Population verpaaren, oder sie oder andere Arten verdrängen, da sie einen Wachstumsvorteil besitzen.

Gentech-Fisch bald auch auf deutschen Tellern?

Das Vorkommen des Atlantischen Lachses ist, wie oben erwähnt, nicht auf den Atlantik beschränkt. Auch die Ostsee beherbergt diese Fischart. Sollten also genmanipulierte Lachse oder deren Eier entweichen, wäre es möglich, dass sich die Tiere oder auch die eingeschleusten Gene über die Wildpopulationen bis nach Europa und Deutschland verbreiten. Würden genmanipulierte Tiere oder deren Nachkommen dann gefangen, geschlachtet und ins Tiefkühlfach verfrachtet, so könnten sie auch auf unseren Tellern landen.

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