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Glyphosat im Bier - Schädlich erst ab 1000 Litern?

Bild: Fotolia, Laboruntersuchung

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Wie schädlich ist Glyphosat im Bier?

(26.02.2016) Unsere gestern veröffentlichte Untersuchung zu Glyphosat im Bier hat für einigen Wirbel in der Presse gesorgt. Fast alle großen Print- und Online-Medien berichteten, genauso wie viele TV- und Radiosender. Auf Twitter war #Glyphosat den ganzen Tag das Thema Nr. 1 und selbst im Bundestag wurde über Glyphosat und unseren Biertest leidenschaftlich debattiert.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) äußerte sich im Fernsehen zu unseren Untersuchungsergebnissen: Im ARD Morgenmagazin ließ er sich zu der Bemerkung hinreißen, man müsse schon 1000 Liter Bier am Tag trinken, damit die von uns gefundenen Glyphosat-Werte gesundheitsschädlich seien. Diese Behauptung wurde im Laufe des Tages von vielen Medien aufgenommen. Einige Kommentatoren in der Presse werfen uns seither „Panikmache“ vor.

Worauf stützt sich die Aussage des Ministers und was ist davon zu halten?

Schmidt beruft sich bei seiner Aussage auf das ihm unterstehende Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Dieses hatte die von uns gemessenen Höchstwerte an Glyphosat im Bier mit dem so genannten ADI-Wert verglichen. ADI steht für „Acceptable Daily Intake“, also die Menge eines Stoffes, die man pro Tag aufnehmen kann, ohne gesundheitliche Schäden davon zu tragen. Ein Erwachsener müsse nach Rechnung des BfR demnach mindestens 1000 Liter des am höchsten belasteten Bieres trinken, um den ADI zu überschreiten. „Das schaffen selbst wir Bayern nicht“, so Minister Schmidt dazu in der ARD.

Also alles halb so wild?

Die Argumentation des BfR und unseres Landwirtschaftsministers basiert auf der Einschätzung, Glyphosat wäre nicht krebserregend. Denn nur dann lässt sich eine sichere Aufnahmemenge überhaupt bestimmen. Für krebserregende Stoffe gibt es keine Untergrenze, ab der sie unschädlich sind. Diese Position vertritt auch das BfR – allerdings nur bei anderen problematischen Stoffen, denn beim Glyphosat will das BfR keine Krebsgefahr sehen.

Doch diese Einschätzung des BfR ist hoch umstritten: Das Bundesinstitut widerspricht damit der Internationalen Krebsforschungsagentur (IARC) der Weltgesundheitsorganisation, die den Stoff für „wahrscheinlich krebserregend beim Menschen“ hält. Für seine Bewertung von Glyphosat ist das BfR von Seiten der unabhängigen Wissenschaft heftig kritisiert worden. So heißt es in einer Erklärung renommierter WissenschaftlerInnen: „Wir haben diese beiden unterschiedlichen Urteile über die krebserregende Wirkung von Glyphosat bei Menschen untersucht und kommen zu dem Ergebnis, dass das Urteil der Arbeitsgruppe der IARC bei weitem glaubwürdiger ist. [...] Im Gegensatz dazu ist das Urteil des BfR nicht glaubwürdig, weil es sich nicht auf Beweise stützt und nicht in einem offenen und transparenten Vorgehen zu Stande gekommen ist.“

Einige ForscherInnen gehen in ihrer Kritik am BfR sogar noch weiter. Sie werfen dem BfR die vorsätzliche Fälschung von Studieninhalten vor, wie in diesem Beitrag des ARD-Magazins "Fakt". Von der Industrie durchgeführte Studien mit Mäusen, die angeblich Entwarnung geben, zeigten in Wirklichkeit sehr wohl eine Krebsgefahr, wenn man die üblichen Methoden zur statistischen Auswertung heranziehen würde. Das BfR habe sich dagegen auf die statistische Auswertung der industrieeigenen Studien verlassen.

Geschickte PR im Sinne der Chemieindustrie

Aus unserer Sicht ist erschreckend, dass ausgerechnet eine für Verbraucherschutz zuständige Bundesbehörde die Gefahren von Glyphosat herunterspielt. In diesem Zusammenhang erscheint die Behauptung des BfR, man müsse schon 1000 Liter Bier trinken, um eine gefährliche Menge Glyphosat aufzunehmen, als geschickte Öffentlichkeitsarbeit – nicht aber als Verbraucheraufklärung. Das ohnehin für seine häufig Industrie-freundlichen Urteile berüchtigte BfR agiert damit im Interesse der Chemieindustrie, die sich über die „Entwarnung“ durch eine Bundesbehörde freuen dürfte, denn schließlich steht aktuell die Entscheidung an, ob Glyphosat erneut für 15 Jahre zugelassen wird. Mit Verbraucherschutz hat das Vorgehen des BfR an dieser Stelle nichts mehr zu tun.

Unser gemeinsames Ziel sollten saubere Produkte sein

Trotz der scheinbaren „Entwarnung“ des BfR hieß es gestern von einigen Brauereien, dass sie unsere Testergebnisse sehr wohl ernst nehmen. Sie wollen ihre eigenen Biere jetzt genauer testen lassen und beim Kauf von Rohstoffen in Zukunft noch genauer hinsehen. Unser Ziel ist es, möglichst viele Brauereien dafür zu gewinnen, sich gemeinsam mit uns für eine Beseitigung der Glyphosatbelastung in ihren Produkten einzusetzen. Da das auch eine Aufgabe der Politik ist, unterstützen wir ausdrücklich die Bitburger Brauerei, die sich zur anstehenden Neuzulassung von Glyphosat folgendermaßen äußerte: „Demnächst entscheidet die EU-Kommission über die Verlängerung der Zulassung von Glyphosat in der Landwirtschaft um weitere 15 Jahre. Wir hoffen, dass die Politiker eine Entscheidung im Sinne der Verbraucher in Europa treffen werden.“

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