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Insektensterben: Neue Bienengifte kurz vor Zulassung

Pollensammelnde Biene; Foto: Jon Sullivan, Wikipedia

(27.10.2017; aktualisiert am 07.11.2017) Während das Insektensterben immer dramatischere Ausmaße annimmt, wurden nun in Irland und Frankreich zwei neue Insektengifte mit dem Wirkstoff Sulfoxaflor zugelassen. Der Wirkstoff gilt als hoch bienengefährlich. Die Verwendung der Mittel könnte auch bald in Deutschland genehmigt werden.

Sulfoxaflor bald auch in Deutschland?

Auch in Deutschland könnten bald sulfoxaflorhaltige Insektengifte zugelassen werden. Dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) liegen mindestens drei Anträge auf Zulassung von Pestiziden mit dem bienengefährlichen Wirkstoff vor. Nach der Pestizidgesetzgebung erleichtert die in Irland erfolgte Genehmigung die Zulassung in Deutschland und könnte das Verfahren so noch beschleunigen.

Auf EU-Ebene ist der Wirkstoff seit 2015 genehmigt, obwohl selbst die industriefreundliche Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) vor den Auswirkungen des Pestizids auf Bienen warnte. Zusätzlich fehlten in dem Zulassungsantrag des Herstellers Dow AgroSciences Daten über die Bienengefährlichkeit.

Wirkung ähnlich wie Neonicotinoide

In seiner Wirkung ist Sulfoxaflor den Insektengiften aus der Wirkstoffgruppe der Neonicotinoide, die besonders bienengefährlich sind, sehr ähnlich. Sie können bereits in sehr kleinen Mengen Insekten töten oder ihr Nervensystem schädigen.

Einige Neonicotinoide wurden wegen ihrer großen Gefahr für Bienen von der EU-Kommission europaweit mit einem Teilverbot belegt. Frankreich hat diese Stoffe ab September 2018 für die Anwendung im Freiland komplett verboten. Umso absurder ist es, dass mit Sulfoxaflor ausgerechnet dort nun ein ähnlich bienengefährliches Pestizid zugelassen wurde. Eine französische Umweltschutzorganistion hat gegen die Zulassung in Frankreich Rechtsmittel eingelegt.

Bilderstrecke: Verschiedene Bienenarten
Die Honigbiene als Modellorganismus

Bevor die Verwendung eines Pestizids genehmigt wird, muss seine Wirkung auf sogenannte Nicht-Ziel-Organismen, also Organismen die mit dem Gift nicht bekämpft werden sollen, untersucht werden. Dabei wird in den meisten Fällen die Honigbiene stellvertretend für alle anderen Fluginsekten herangezogen. Doch auch andere Insekten wie Wildbienen, Schmetterlinge und Schwebfliegen leiden unter dem massiven Pestizideinsatz in der industriellen Landwirtschaft.

Allein in Deutschland waren ursprünglich 561 verschiedene Wildbienenarten heimisch, von denen 37 bereits als ausgestorben gelten. Die einzelnen Arten unterscheiden sich von Honigbienen zum Teil stark in ihrer Lebensweise und -dauer sowie im Körperbau. Wegen der großen Unterschiede unter den Arten ist es - nüchtern betrachtet - kaum möglich, die Ergebnisse aus den Honigbienenuntersuchungen auf alle anderen Fluginsekten zu übertragen. Wildbienen scheinen zudem empfindlicher auf Pestizide zu reagieren als Honigbienen.

Um Wildbiene & Co. wirkungsvoll vor den Auswirkungen von Pestiziden zu schützen, muss die Risikobewertung dringend reformiert werden. Doch der einzig wirkliche Schutz für sie ist eine Landwirtschaft, die komplett ohne den Einsatz von Pestiziden auskommt. Dass dies möglich ist, beweisen täglich hunderttausende Biobauern und – bäuerinnen weltweit.

Keine neuen Bienengifte!

Angesichts des immer weiter voranschreitenden Insektensterbens ist es völlig verantwortungslos, diese neuen Gifte auf den Markt zu bringen. Der Rückgang der Insekten wirkt sich auch auf andere Arten aus. Das ist deutlich an der ebenfalls sehr stark rückläufigen Vogelpopulation zu erkennen. Vielen Vögeln fehlt es durch das Verschwinden der Insekten an Nahrung. So sind durch das Insektensterben ganze Ökosysteme gefährdet und nicht zuletzt auch unsere eigenen Lebensgrundlagen. Denn Insekten sind für die Bestäubung der allermeisten Blütenpflanzen, darunter auch viele unsere Nutzpflanzen, unentbehrlich.

Bereits im vergangen Jahr forderten wir Umweltministerin Hendricks und Landwirtschaftsminister Schmidt dazu auf, Pestiziden mit dem Wirkstoff Sulfoxaflor die Zulassung in der Bundesrepublik zu verweigern. Unsere Forderung lautet: Lassen Sie keine neuen Bienengifte zu und leiten sie eine Agrarwende hin zu einer umwelt- und gesundheitsheitsverträglichen Landwirtschaft ein. 

Infomaterial
1 / n

Stummer Frühling
Wie wir das Bienensterben verhindern können

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