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Kommission hat im Stillen sechs Gen-Pflanzen für den Import zugelassen

Kommission, Flaggen

Das EU-Kommissionsgebäude in Brüssel. Foto: Kevin White, Flickr

(10.01.2018) Am 22. Dezember hat die EU-Kommission ganz still und heimlich sechs genmanipulierte Pflanzen für den Import als Lebens- und Futtermittel in die EU zugelassen.

Stille Nacht, heilige Nacht?

Dass sich die Kommission die traditionell stille Vorweihnachtszeit ausgesucht hat um die umstrittenen genmanipulierten Pflanzen zuzulassen, war vermutlich kein Zufall.

Dafür gibt es mehrere Gründe:

  1. Die Pflanzen sind teilweise mit Mehrfachresistenzen hoch giftiger Pestizidwirkstoffe ausgestattet, darunter auch Glyphosat. Glyphosat ist laut internationaler Krebsforschungsagentur wahrscheinlich krebserregend und hat in den letzten Monaten und Jahren für ordentlich Schlagzeilen gesorgt. Die Öffentlichkeit ist beim Thema Glyphosat dementsprechen sehr sensibilisiert und hellhörig. Dank der traditionell „staaden Zeit“ zu den Feiertagen gab es aber leider keinerlei Berichterstattung. Damit blieb auch der Aufschrei aus der Zivilbevölkerung aus, was der Kommission wahrscheinlich viel Ärger erspart hat.
  2. Wie die Kommission in ihrer eigenen Pressemitteilung schreibt, gab es für die Zulassungen innerhalb der Mitgliedsstaaten keine qualifizierte Mehrheit. Deshalb hat sie sich – mal wieder – im Alleingang für die Genehmigung entschieden. Dies ist bei der Kommission mittlerweile gängige Praxis geworden bei der Zulassung genmanipulierter Pflanzen. Gibt es keine Mehrheit, dann einfach durchwinken. Eine unerhörte Praxis.
  3. Pflanzen, die gleich gegen mehrere Pflanzengifte resistent sind, sind besonders problematisch, wie im Folgenden zu lesen ist. Die Kommission wollte sich wohl auch hier den Ärger mit der Zivilbevölkerung und kritische Journalistenanfragen ersparen.
Um welche Pflanzen geht es?
Soja

Unter den neuen Zulassungen befinden sich auch mehrfach Herbizid-resistente Soja. Foto: onizu3d, Fotolia

Insgesamt wurden sechs genmanipulierte Pflanzen neu oder wieder zugelassen. Es handelt sich um vier Soja-Sorten, eine Raps- und eine Mais-Sorte mit folgenden Eigenschaften:

  • Soja 305423 x 40-3-2 (neu zugelassen): Glyphosat-resistent, höherer Öl-Gehalt
  • Soja DAS-44406-6 (neu): dreifach-Resistenz gegen Glyphosat, Glufosinat und 2,4-D
  • Soja FG72 x A5547-127 (neu): dreifach-Resistenz gegen Glyphosat, Glufosinat und Isoxaflutol
  • Soja DAS-68416-4 (neu): Resistent gegen 2,4-D und Glufosinat
  • Raps MON88302 x Ms8 x Rf3 (neu): Resistent gegen Glyphosat und Glufosinat
  • Mais 1507 (Zulassung erneuert): Glufosinat-resistent und produziert Gift gegen den Maiszünsler
Gefährliche Giftcocktails

Beispielsweise ist eine der neuen Soja-Sorten (FG72 x A5547-127) gleich gegen drei Ackergifte – Glyphosat, Glufosinat und 2,4-D – resistent. Glyphosat steht im starken Verdacht kerbserregend zu sein (2A, wahrscheinlich krebserregend), das Erbgut zu schädigen und Leberschäden zu verursachen. Auch bei 2,4-D gibt es Hinweise auf eine Krebs erzeugende Wirkung (2B, möglicherweise krebserregend). Glufosinat ist als fortpflanzungsschädigend eingestuft und kann Missbildungen bei Ungeborenen verursachen. In Deutschland darf das Gift nicht mehr eingesetzt werden, in der EU ist der Einsatz grundsätzlich aber noch bis Juli 2018 erlaubt. In den Anbauländern der genmanipulierten Pflanzen in Süd- und Nordamerika dagegen wird das Gift weiterhin eingesetzt.

In Kombination können sich die Wirkungen der drei Stoffe gegenseitig beeinflussen. Die gesundheitsschädliche Wirkung der Mittel kann sich dadurch noch verstärken oder es können völlig neue Effekte ausgelöst werden. Durch den Import nehmen Menschen und Tieren diesen Giftcocktail durch Rückstände in den Sojabohnen in den Körper auf.

Solche Kombinationseffekte müssen bei der Risikobewertung für die Zulassung genmanipulierter Pflanzen eigentlich untersucht werden. Doch wie die Organisation Testbiotech erst im Dezember berichtete, hat Bayer, die Herstellerfirma der oben genannten Soja, die Studien für die Zulassung gezielt manipuliert. Die Versuche fanden unter unrealistischen Bedingungen statt und Kombinationseffekte wurden nicht analysiert. Und die zuständige Behörde EFSA hat einfach weg gesehen. Das sind Fehler mit fatalen Folgen für Umwelt und Gesundheit!

Das Umweltinstitut München fordert

Wir fordern einen Importstopp für genmanipulierte Lebens- und Futtermittel. Bis dieses Ziel erreicht ist, muss es übergangsweise eine Kennzeichungspflicht für Fleisch, Eier und Milch von Tieren geben, die mit gentechnisch verändertem Futter gefüttert wurden.

Infomaterial
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