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Lebensmittelskandal: Insektengift in Eiern

Viele Eier mussten vernichtet werden, Foto: Fotolia

(10.08.2017) Vor kurzem wurde öffentlich bekannt, dass Millionen von Hühnereiern mit dem Insektengift Fipronil belastet sind. Der für den Einsatz in der Lebensmittelproduktion verbotene Wirkstoff gelangte wohl über Reinigungsmittel in die Nahrungskette.

Giftigkeit von Fipronil

Da die Dosis von Fipronil in den Eiern recht niedrig ist, gehen die Behörden davon aus, dass der Verzehr der belasteten Eier wahrscheinlich nicht krank macht. In Belgien allerdings wurden Fipronil-Dosen nachgewiesen, die für Kinder gefährlich werden können. Die Behörden warnten vor einem potenziell akuten Gesundheitsrisiko für Kinder. Symptome sind Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen.

Doch das gegen die Vogelmilbe höchst wirksame Fipronil ist nicht grundlos für den Einsatz an Tieren verboten, die Lebensmittel erzeugen. In Tierversuchen lösten höhere Dosen Nerven- und Leberschäden aus. Auch Nachkommen von Muttertieren, die dem Insektizid ausgesetzt waren, erlitten Gesundheitsschäden. Deswegen sollten besser auch Erwachsene auf den Verzehr der belasteten Eier verzichten.

Wie kommt das Insektengift in Eier?

In Geflügelbetrieben kommt es häufig zu Problemen mit Parasiten. Hohe Bestandsdichten und die Nutzung der immer gleichen Flächen in der Hühnerhaltung verstärken den Parasitendruck auf die Tiere. Um gegen Parasitenbefall vorzugehen, müssen Ställe regelmäßig desinfiziert und gereinigt werden.

Bisher weist alles darauf hin, dass der belgische Hersteller Poultry-Vision das für den Einsatz in der Nutztierhaltung zugelassene rein pflanzliche Reinigungsmittel Dega 16 verbotenerweise mit Fipronil vermischte und es an Betriebe in den Niederlanden, Belgien und Deutschland verkaufte. Die Hühner nehmen das in den Ställen versprühte Insektengift über die Haut, das Gefieder und über belastete Futtermittel auf. So gelangt der Wirkstoff schließlich in die Eier.

Der Fipronil-Skandal nahm seinen Anfang in den Niederlanden und Belgien. Dies sind die einzigen beiden EU-Staaten, in denen Fipronil für einige Einsatzgebiete in der Landwirtschaft noch regulär zugelassen ist. Vermutlich ist es den Verantwortlichen dort deshalb vergleichsweise leichtgefallen, an das Mittel zu kommen und für den Einsatz in Reinigungsmitteln zweckzuentfremden.

Einige der in den Niederlanden betroffenen Betriebe arbeiteten mit dem Dienstleister Chickfriend zusammen, der die Reinigungsarbeiten der Ställe durchführte. Darüber, inwiefern die ArbeiterInnen darüber informiert waren, dass sie mit einer gesundheitsgefährlichen Substanz hantierten und ob sie während der Reinigung angemessene Schutzkleidung trugen, ist nichts bekannt.

Skandal weitet sich aus

Wie nach und nach bekannt wird, wussten niederländische Behörden scheinbar schon seit langem, nämlich seit November 2016, von Fipronil-Funden in belgischen Eiern. Auch Belgien wusste seit Anfang Juni 2017 davon. Dieses Wissen gaben sie aber erst Ende Juli 2017 an die anderen EU-Staaten weiter. Inzwischen stellte sich jedoch auch heraus, dass die EU-Kommission wohl doch schon länger als zunächst angegeben von den belasteten Eiern wusste.

Nach der Bekanntgabe der Fipronil-Funde wurde der Wirkstoff in zahllosen Eiern niederländischer Betriebe nachgewiesen. 180 Betriebe wurden zunächst gesperrt, aktuell sind noch 138 Betriebe gesperrt. Doch allein nach Deutschland waren bereits 10 Millionen der belasteten Eier geliefert worden.

Inzwischen wird auch in Deutschland selbst wegen Verstoß gegen das Lebens- und Futtermittelgesetz gegen vier niedersächsische Geflügelbetriebe ermittelt, in denen das gepantschte Reinigungsmittel verwendet wurde.

Nun werden auch Hühnerfleisch und verarbeitete Lebensmittel, die Eier enthalten, verstärkt auf Fipronil untersucht. Für verarbeitete Lebensmittel gibt es bereits erste Rückrufe.

Fipronil in der Landwirtschaft

Bevor Fipronil durch den aktuellen Lebensmittelskandal traurige Berühmtheit erlangte, war das Insektengift schon wegen ganz anderen Vorkommnissen bekannt. Fipronil gehört mit einigen Neonicotinoiden zu den Pestiziden, die von der EU-Kommission im Jahr 2013 mit Teilverboten belegt wurden. Die Wirkstoffe sind besonders bienengefährlich und lösen bereits in sehr geringen Mengen eine dauerhafte Störung des zentralen Nervensystems aus und führen zum Tod von Bienen und anderen Insekten. Die Teilverbote wurden ausgesprochen, nachdem im Jahr 2008 tausende von Bienenvölkern am Oberrhein getötet oder stark geschädigt wurden, als giftige Stäube durch die Aussaat von mit diesen Pestiziden gebeiztem Saatgut entstanden. Gegen die Einschränkung des Fipronil-Einsatzes klagt die deutsche Herstellerfirma BASF vor dem Europäischen Gericht, das Urteil steht bisher noch aus.

Fipronil darf seither in der EU noch als Insektizid zur Saatgutbehandlung eingesetzt werden, wenn das gebeizte Saatgut in Gewächshäusern ausgesät wird.  Außerdem darf der Wirkstoff weiterhin als Saatgutbeize für Lauch, Zwiebeln, Schalotten und Kohlpflanzen, die im Freiland angebaut und vor der Blüte geerntet werden, verwendet werden. Das Mittel wirkt systemisch. Das bedeutet, dass sich das Insektizid beim Heranwachsen der Pflanze im gesamten Organismus verteilt – von der Wurzel bis in die Blüten. Alle Tiere die Blätter der behandelten Pflanze fressen, deren Nektar trinken oder Pollen sammeln, kommen mit dem Gift in Kontakt. Auch für Wasserorganismen ist Fipronil sehr giftig. Regulär zugelassen ist Fipronil aber nur noch in Belgien und den Niederlanden. In Deutschland gab es zuletzt 2015 eine zeitbegrenzte sogenannte Notfallzulassung des Gifts.

Die EU-Zulassung für die Verwendung von Fipronil in der Landwirtschaft läuft dieses Jahr aus. BASF kündigte an, keinen Antrag auf Verlängerung der Zulassung zu stellen, was aber nichts mit dem aktuellen Skandal zu tun habe. Die EU-Kommission teilte mit, dass Unterlagen für eine weitere Genehmigung von Fipronil fehlten.

Fipronil wird auch in Ködern gegen Ameisen und Kakerlaken eingesetzt. In der Tiermedizin wird der Wirkstoff gegen Zecken, Läuse, Milben und Flöhe genutzt. Katzen und Hunden wird das Mittel auf die Haut geträufelt oder gesprüht.

Lückenlose Aufklärung gefordert

Die Behörden haben versäumt Verbraucher und Verbraucherinnen zeitnah über die mit Fipronil belasteten Eier zu informieren und damit unverantwortlich gehandelt. Wie lange und in welchen Mengen die Eier tatsächlich schon im Umlauf sind, kommt nur nach und nach ans Licht.

Wir fordern von den zuständigen Behörden, den aktuellen Lebensmittelskandal lückenlos aufzuklären und die Öffentlichkeit umgehend über Neuigkeiten zu informieren. Die Untersuchung von Nahrungsmitteln auf Rückstände von Pestiziden und anderen Schadstoffen muss ausgeweitet werden. Dies gilt insbesondere auch für Wirkstoffe, deren Einsatz in der Lebensmittelproduktion verboten ist. Nur so kann festgestellt werden, ob weitere Lebensmittel mit nicht zugelassenen Stoffen belastet sind. Das stark angeschlagene Vertrauen in die Lebensmittelsicherheit kann jetzt nur durch größtmögiche Transparenz aller beteiligten Behörden wiederhergestellt werden.

+++UPDATE+++

(16.08.2017) Inzwischen wurden die Geschäftsführer der Stallreinigungsfirma Chickfriend wegen des Verdachts der Gefährdung der öffentlichen Gesundheit und des Besitzes verbotener Stoffe festgenommen. Außerdem wird gegen einen belgischen Zulieferer des Mittels und eine weitere niederländische Firma, die mit diesem Lieferanten zusammengearbeitet haben soll, ermittelt.

Weitere Informationen zu Fipronil im Ei

Unter Lebensmittelwarnung.de finden Sie Nummern der betroffenen Eierchargen

Unter Verbraucherzentrale.de finden Sie Informationen über aktuelle Entwicklungen des Skandals

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Wie wir das Bienensterben verhindern können

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