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Neue Bienengifte im Anmarsch

Biene fliegt Blüte an

Foto: sumikophoto - Fotolia

(21. Februar 2017) Auf Verbote und Einschränkungen bei der Nutzung von Pestiziden und die zunehmende Resistenzbildung bei Schädlingen und Kräutern reagiert die Agrarindustrie nicht mit einem Umdenken, sondern mit der Entwicklung neuer Gifte. Während die ganze Welt vom Bienensterben spricht, könnten so demnächst drei neue Insektengifte auf den Markt kommen, die ein hohes Risiko für Honigbienen bergen.

Es wäre verantwortungslos, diese neuen Gifte auf den Markt zu bringen, während das Insektensterben ganze Ökosysteme und der Rückgang der Bestäuber sogar unsere eigenen Lebensgrundlagen gefährdet. Deshalb haben wir uns in einem offenen Brief an Bundesumweltministerin Barbara Hendricks, Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt und das Umweltbundesamt gewandt. Unser Apell: Genehmigen Sie keine neuen Bienengifte!

Um welche Stoffe geht es genau?

Bei den drei Giften handelt es sich um Sulfoxaflor, Flupyradifuron und Cyantraniliprol. Die niedlich-komplizierten Namen sollten uns nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Wirkstoffe das Potential haben, ganz konkrete, verheerende Nebenwirkungen zu haben.

  • Sulfoxaflor wurde vom US-Chemikonzern Dow Chemical entwickelt. Es ähnelt in seiner Wirkungsweise den Insektengiften aus der Wirkstoffgruppe der Neonicotinoide, die als besonders bienengefährlich gelten. Der Wirkstoff ist seit August 2015 in der EU zugelassen. Bisher ist jedoch in keinem EU-Mitgliedsstaat ein Pestizid mit Sulfoxaflor im Einsatz. 
  • Auch Flupyradifuron ist wie Sulfoxaflor und die Neonicotinoide ein nAcHr-Agonist und wirkt auf das Nervensystem von Insekten. Der Wirkstoff aus dem Labor des deutschen Chemieriesen Bayer ist seit September 2015 in der EU zugelassen, auch für diesen Stoff gibt es aber noch in keinem Mitgliedsstaat eine Genehmigung für eine konkrete Pestizid-Mischung.
  • Cyantraniliprol ist ein neuer Wirkstoff aus dem Hause DuPont, einem Agrarkonzern der inzwischen mit Dow Chemical fusioniert ist. Das Gift unterscheidet sich in der Wirkungsweise von den meisten anderen Produkten auf dem Markt und gilt deshalb als der letzte Schrei im Cyberkrieg der Agrarindustrie gegen die Anpassungsfähigkeit der Schädlinge. Doch das Mittel gilt auch als in hohem Maße giftig für Honigbienen. In der EU wurde es erst im September 2016 zugelassen, doch bereits Anfang 2017 haben Irland und das Vereinigte Königreich die ersten Genehmigungen für Formulierungen mit Cyantraniliprol genehmigt. 
Keine neuen Bienengifte!
Schmetterling

Nicht nur Bienen, sondern auch andere Insekten wie Schmetterlinge leiden unter Giften wie Sulfoxaflor. Foto: Fotolia

Die deutschen Behörden wollen uns keinerlei Auskunft über die Genehmigungsverfahren zu den neuen Insektengiften geben und weigern sich auch, Informationen in die öffentliche EU-Pestiziddatenbank einzutragen. Schon die Tatsache, ob überhaupt ein Antrag auf Zulassung einer Pesizid-Mischung gestellt wurde, ist aus der Sicht des Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ein Geschäftsgeheimnis der Konzerne.

Doch wir nehmen an, dass für alle drei Insektizide das Verfahren auch in Deutschland zur Zeit läuft:

  • Bei Sulfoxaflor hat sich die Bundesregierung verplappert und auf eine Frage im Bundestag bekannt gegeben, dass es drei Anträge auf Genehmigung von Pestiziden mit dem Mittel gibt.
  • Wir wissen aus der EU-Pestiziddatenbank, dass Bayer und Dow in mehreren Nachbarstaaten solche Anträge gestellt haben. Auch in Österreich laufen die Verfahren für alle drei Wirkstoffe.
  • Für den Einsatz von Cyantraniliprol erließ das BVL im Sommer 2016 eine Ausnahmegenehmigung, um die Kirschessigfliege im Obstbau zu bekämpfen.
Infomaterial
1 / n

Stummer Frühling
Wie wir das Bienensterben verhindern können

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