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Pseudo-Transparenz für geheime Glyphosat-Studien

Wenig Zeit für tausende von Seiten wissenschaftlicher Studien

Wenig Zeit für tausende von Seiten wissenschaftlicher Studien; Foto: Fotolia

(26. August 2016) Die Glyphosate Task Force (GTF), ein Zusammenschluss der Glyphosat-Hersteller, hat die Einrichtung eines Leseraums in Brüssel bekannt geben. In dem Leseraum sind 71 bisher unter Verschluss gehaltene toxikologische Studien, unter anderem zur Krebsgefahr von Glyphosat, nun öffentlich einsehbar.

Damit möchten die Konzerne uns weismachen, dass sie dem öffentlichen Interesse an der Wiederzulassung von Glyphosat entgegenkommen. Der Zugang zu den Studien unterliegt aber so strengen Vorgaben, dass es selbst für erfahrene WissenschaftlerInnen kaum möglich sein wird, sich ein umfassendes Bild über die Studien zu verschaffen, geschweige denn die Methoden und Ergebnisse der Studien eingehend zu prüfen.

Stark begrenzter Zugang

Hinderlich ist zum einen, dass Interessierte lediglich 5 Wochen Zeit haben, um tausende von Seiten wissenschaftlicher Studien zu lesen und zu analysieren. Zum anderen dürfen sich nur maximal 4 Personen gleichzeitig in den Leseräumen aufhalten. Die Lesenden werden außerdem von Sicherheitspersonal überwacht. Der eng begrenzte Zeitraum, in dem die Studien einsehbar sind und die geringe Zahl der Personen, deren gleichzeitiger Aufenthalt im Leseraum genehmigt ist, dürften dazu führen, dass nur sehr wenige Interessierte tatsächlich Zugang zu den Studien erhalten.

Erschwerende Nutzungsbedingungen

Doch damit ist es noch nicht genug. Bevor Interessierte den Leseraum in Brüssel überhaupt betreten dürfen, müssen sie sich mit Namen und Anschrift registrieren und den Nutzungsbedingungen zustimmen. Die persönlichen Angaben können von den GTF-Mitgliedern eingesehen werden. Das Kopieren oder Abfotografieren der Studien ist nicht erlaubt, Kommunikations- und Aufnahmegeräte dürfen in den Leseraum nicht mitgenommen werden. Lediglich handschriftliche Notizen sind gestattet. Stellen in den Studien, die „Vertrauliche Informationen“ enthalten, werden außerdem geschwärzt.

Die Vorgeschichte zum Leseraum
Foto: Flickr, Michelangelo Carrieri

Foto: Flickr, Michelangelo Carrieri

Von der Einrichtung eines Leseraums mit den Glyphosat-Studien war bereits im April 2016 die Rede, nachdem EU-Gesundheitskommissar Andriukaitis die Unternehmen aufgefordert hatte, die Geheimstudien öffentlich zugänglich zu machen. Ein Schreiben des Kommissars an die GTF erweckte den Eindruck, dass hier von Seiten der EU stärkere Transparenz für das Zulassungsverfahren gefordert wurde. In Wirklichkeit war das Schreiben aber vorher mit der Industrie abgesprochen. Das belegen Dokumente, die vom Umweltinstitut veröffentlicht wurden. Auch der von der Industrie als „Reaktion“ veröffentlichte Vorschlag, Leseräume für die Studien einzurichten, wurde bereits Wochen zuvor mit der Kommission abgestimmt.

Hintergrund zum Wiederzulassungsverfahren

Glyphosat ist das in Deutschland und weltweit am meisten verkaufte Pestizid. Es kommt sowohl in der Landwirtschaft als auch in Privatgärten sehr häufig zum Einsatz. Rund 40 % der Ackerfläche in Deutschland wird mit dem Unkrautvernichter behandelt. 2015 stufte die internationale Krebsforschungsagentur (IARC) der Weltgesundheitsorganisation Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ ein. Die EU-Zulassung für den Wirkstoff Glyphosat lief im Juni 2016 aus. Die EU-Mitgliedstaaten konnten sich auch in einer vierten Abstimmung nicht über eine Wiederzulassung des Unkrautvernichters einig werden. Deshalb verlängerte die EU-Kommission die Zulassung für das Pflanzengift - vorerst bis Ende 2017 - im Alleingang. Bis dahin soll die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) eine Bewertung zur Gesundheitsgefährdung von Glyphosat abgeben. Hier können Sie an unserer Emailaktion „Kein Persilschein für Glyphosat“ teilnehmen, in der wir von ECHA-Chef Geert Dancet einen transparenten und fehlerfreien Bewertungsprozess fordern.

Wir tun was gegen Glyphosat! Ihre Unterstützung macht es möglich:

Wir machen Druck, damit gefährliche Pestizide vom Acker verschwinden und die Agrarwende Wirklichkeit wird.

Im Fall von Glyphosat z.B. durch

  • unsere Untersuchung zu Glyphosat-Rückständen im Bier, die das Thema in die bundesweiten Medien gebracht hat,
  • Online-Aktionen an Unternehmen und PolitikerInnen, mit Zehntausenden Unterschriften,
  • durch Fachinformationen und Aufklärungsarbeit für die Öffentlichkeit,
  • unser Video mit den Glyphosat-"Superschurken", mit dem wir über die sozialen Medien Tausende Menschen auf das Thema aufmerksam gemacht haben,
  • und unsere Anzeige gegen Monsanto und die Behörden wegen der Ungereimtheiten im Zulassungsverfahren.

Ohne die Unterstützung unserer SpenderInnen und Fördermitglieder wäre das nicht möglich gewesen. Wir sagen ganz herzlich "Danke"!

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