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Home  trenner  Meldungen  trenner  Radioaktive Wolke in Europa: ungefährlich aber brisant

Radioaktives Ruthenium über Europa

(25.11.2017) Ende September wurden Spuren des Radionuklids Ruthenium-106 in Europa gemessen. Eine Gesundheitsgefahr besteht in Europa nicht. Die Freisetzung ist wahrscheinlich auf einen Unfall in der russischen Nuklearfabrik Majak im Südural zurückzuführen. Die mangelhafte Informationspolitik seitens der Russischen Behörden steht nun in der Kritik.

Unfall in Atomfabrik Majak ist wahrscheilich
Von Ecodefense/Heinrich Boell Stiftung Russia/Slapovskaya/Nikulina, Attribution, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15911448

Umzäunung der Nuklearanlage Mayak Foto: Ecodefense/Heinrich Boell Stiftung Russia/Slapovskaya/Nikulina

Seit Ende September wird über eine radioaktive Wolke über Europa berichtet. In mehreren Messstationen wurden Spuren des Radionuklids Ruthenium 106 nachgewiesen. Eine Gesundheitsgefahr für die europäische Bevölkerung besteht jedoch nicht, das wird aus den veröffentlichten Zahlen des Bundesamts für Strahlenschutz ersichtlich. Die zusätzliche Strahlenbelastung beträgt demnach weniger als 0,1 Mikrosievert pro Woche. Das ist geringer als die Dosis natürlicher Radioaktivität pro Stunde.

Der genaue Ursprung ist noch nicht abschließend geklärt. Wissenschaftler haben die Freisetzung mittlerweile relativ genau auf eine Gegend im Süd-Ural eingegrenzt, in der die russische kerntechnische Anlage Majak steht. Neben Brennelementen produziert die Atomfabrik Radioisotope für wissenschaftliche und technische Anwendungen. Ruthenium 106 ist zumindest in der Vergangenheit dort hergestellt worden. Es wird für medizinische Zwecke und als Energiequelle in Satelliten eingesetzt. Da kein Satellitenabsturz registriert wurde, ist ein Unfall in Majak sehr wahrscheinlich. Eine Explosion eines Atomkraftwerkes kann ausgeschlossen werden, da in diesem Fall andere Stoffe freigesetzt würden. Der russische Atomkonzern Rosatom dementierte zunächst jeglichen Unfall. Kürzlich gab aber der russische Wetterdienst bekannt, dass in Argajasch - 30 km von Majak entfernt - der für Ruthenium 106 übliche Grenzwert 968-fach überschritten wurde.
Erst ende November gab Rosatom bekannt, eine Untersuchungskommission einsetzen zu wollen, die den Ursprung der eröhten Ruthenium-Werte klären soll.

Diese mangelhafte Informationspolitik steht nun in der Kritik. Auch wenn im aktuellen Fall bei uns keine Gesundheitsgefahren für die Bevölkerung zu erwarten sind, erinnert der Vorfall an die chaotische Informationslage nach der Tschernobyl-Katastrophe. Erst fast drei Tage danach wurde am 28. April 1986 in Deutschland über den Unfall berichtet.

Unabhängige Messungen

Das Umweltinstitut führt eine kontinuierliche Außenluftüberprüfung in München durch und stellt die Messwerte täglich ins Netz. Die zusätzliche Radioaktivität durch Ruthenium 106 Ende September Anfang Oktober war zu gering um sie mit unserer Sonde festzustellen. Eine strahlenschutzrelevante Erhöhung der Ortsdosis würde jedoch registriert werden.

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