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Vier Jahre nach Fukushima: Keine Entwarnung

Fukushima aus der Vogelperspektive

Vier Jahre nach der Havarie ist die Lage in Fukushima noch immer sehr ernst. Die rund 120.000 evakuierten Menschen, die größtenteils in Containern oder Notunterkünften leben, werden möglicherweise nie mehr in ihre Heimat zurückkehren. Die verseuchten Gebiete wurden zwar "dekontaminiert" – doch das bedeutet lediglich, dass ein paar Zentimeter Boden abgetragen wurden, die nun in Tausenden Säcken verteilt in der Landschaft lagern. Ein Zwischenlager, geschweige denn ein Endlager für radioaktiven Müll gibt es in Japan nicht. „Sauber“ ist die Region deshalb aber nicht, denn mit jedem Regen wird Radioaktivität aus den Wäldern ausgewaschen und auf die Felder transportiert.

Auch im Atomkraftwerk selbst gibt es keine Entwarnung. Bis heute ist unklar, inwieweit sich die geschmolzenen Kerne der Reaktoren 1, 2 und 3 in den Untergrund gefressen haben. Zwar konnte der einsturzgefährdete Reaktor 4 inzwischen stabilisiert und die Brennelemente aus dem Abklingbecken entfernt werden.  Doch nach wie vor gelangt Radioaktivität in die Umwelt. So werden täglich etwa 400.000 Liter radioaktiv verseuchtes Wasser aus den Reaktorruinen gepumpt – Wasser, das zur Kühlung des geschmolzenen Kerns eingespeist wurde und Regenwasser, das in die zerstörten Reaktoren eindringt. Das Wasser wird in eilig und billig gefertigten Tanks gelagert, die zum Teil undicht sind. Das Gelände hat sich bereits in einen radioaktiven Sumpf verwandelt. Hochkontaminiertes Wasser kann ungehindert in den Pazifik und in das Grundwasser gelangen. Der Versuch, einen Eiswall um die Reaktoren zu ziehen, um die Radioaktivität zurückzuhalten, ist bislang nicht geglückt.

Die Katastrophe wird weiter kleingeredet

Trotz allem versucht die japanische Regierung, die Katastrophe klein zu reden und suggeriert: „Wir haben alles unter Kontrolle, alles wird gut.“ Wenn es nach Premierminister Abe geht, sollen die Menschen möglichst rasch wieder in ihre Heimat zurückkehren und die Atomkraftwerke, die seit der Katastrophe nicht mehr am Netz sind, möglichst schnell wieder in Betrieb genommen werden. Für vier der 48 potenziell Strom erzeugenden, aber seit der Havarie abgeschalteten AKW hat die Regierung bereits grünes Licht gegeben. Doch die Mehrheit der Menschen ist dagegen und die Kommunen zögern mit der Genehmigung.

Bei der Bevölkerung hat ein Umdenken bezüglich der Atomkraft stattgefunden. Auch wenn die japanische Regierung wie auch international agierende Gremien wie UNSCEAR, der wissenschaftliche Ausschuss der Vereinten Nationen zur Untersuchung der Auswirkungen radioaktiver Strahlung, jegliche gesundheitlichen Folgeschäden negieren, so sind die Fakten eindeutig. Die Zahl der Schilddrüsen-Erkrankungen bei Jugendlichen hat bereits deutlich zugenommen. Und aus der Tschernobyl-Katastrophe sind die vielfältigen gesundheitlichen Auswirkungen hinreichend bekannt. Wegschauen nützt nichts.

Deutschland hat sich nach der Fukushima-Katastrophe parteiübergreifend zum Atomausstieg entschieden – obwohl Kanzlerin Merkel und der Großteil der Unionsfraktionen erklärte Befürworter der Atomkraft waren (und zum Teil noch immer sind). Bei ihrem jüngsten Besuch in Japan hat sie dort für einen Ausstieg aus der Atomkraft geworben und ihr politisches Umdenken erklärt.

Das ist erfreulich, wäre aber deutlich glaubhafter, wenn Angela Merkel sich in Deutschland engagiert für eine rasche Energiewende einsetzen und sich auch europaweit entsprechend positionieren würde. So wäre eine klare Absage zu den von der alten EU-Kommission genehmigten Subventionen für das britische AKW-Neubauprojekt Hinkley Point dringend geboten. Es wäre ein eindeutiges Signal an jene Nachbarländer, die mit einem hochsubventionierten Einstieg oder einem Ausbau der Atomkraft liebäugeln.