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Details zur Kennzeichnung der unterschiedlichen Papierarten

A) Unabhängige Recyclingpapierlabels
blauer engel

Blauer Engel, RAL-UZ 14 (Recyclingpapier)

Der Blaue Engel ist das bekannteste Siegel für Recyclingpapier. Er wird von einer Jury des Bundesumweltministeriums verliehen. Die Standards beziehen sich auf die Empfehlungen des Deutschen Instituts für Gütesicherung und Kennzeichnung (RAL). Mit dem "Blauen Engel" werden Produkte und Dienstleistungen ausgezeichnet, die besonders umweltfreundlich sind und darüber hinaus Ansprüche des Gesundheitsschutzes erfüllen. Auf eine ganzheitliche Betrachtung der Umwelteigenschaften über die gesamte Lebensdauer eines Produkts wird Wert gelegt. Konkret bedeutet dies: Die Papierfasern müssen zu 100% aus Altpapier bestehen, 65% Prozent davon aus Altpapier niedriger Qualität. Dies garantiert, dass Papiere mehrmals recycelt werden, was eine optimale Ausnutzung des Rohstoffs Holz bedeutet. Die Verwendung giftiger Chemikalien ist strenger reguliert, als dies bei den anderen Siegeln der Fall ist. So dürfen Krebs erzeugende, erbgutverändernde oder fortpflanzungsgefährdende Färbemittel oder Beschichtungen nicht eingesetzt werden, für andere gesundheitsschädliche Stoffe wurden Grenzwerte festgelegt. Technische Anforderungen, z.B. der Einsatz in modernen Bürogeräten (DIN EN 12281:2003) und die gute Archivierbarkeit (DIN 6738 12-80 -"einige hundert Jahre") an Papiersorten sind entsprechend der DIN-Normen einzuhalten. Papiere mit Blauem Engel sind empfehlenswert.

B) Unabhängige Frischfaser- und Recyclingpapierlabels
europäische blume

Europäisches Umweltzeichen ("Die Europäische Blume")

Das Europäische Umweltzeichen (auch Euroblume genannt) wurde von der EU-Kommission eingeführt. Gekennzeichnet werden Konsumgüter, die sich durch Umweltverträglichkeit und vergleichsweise geringe Gesundheitsbelastung auszeichnen sollen. Die Auszeichnung wird in Deutschland durch das Deutsche Institut für Gütersicherung und Kennzeichnung (RAL) und das Umweltbundesamt vergeben. Die Euroblume stellt relativ hohe Anforderungen an die Umweltverträglichkeit der Papierproduktion: Unter anderem gibt es Vorschriften zu Energieverbrauch, Treibhausgas-Emissionen, Abfallbehandlung und giftigen Chemikalien.

Die EU Blume schreibt aber NICHT die Verwendung von Altpapier vor. Im Gegensatz zum Blauen Engel kann das Europäische Umweltzeichen auch an reine Frischfaserpapierhersteller vergeben werden. Daher wirkt es paradox, dass laut Labelvorschriften der Hinweis "Bitte sammeln Sie Altpapier für das Recycling." auf die Produktverpackung gedruckt werden muss. Da nun schon Frischfaserpapiere genutzt werden, sollte man zumindest hohe Anforderungen an die Waldbewirtschaftung erwarten. Dies ist leider nicht der Fall. Daher ist für uns die EU-Blume nicht empfehlenswert, obwohl die Umweltkriterien für den Herstellungsprozess in der Papierfabrik und die gesundheitlichen Anforderungen an das Endprodukt sehr hoch sind.

FSC-Siegel

Der Forest Stewardship Council wurde gegründet um durch Zertifizierung weltweit die nachhaltige Waldbewirtschaftung zu fördern. FSC hat eine hohe Glaubwürdigkeit, da alle Interessensgruppen (Umweltverbände, Sozialverbände und Wirtschaftsverbände) gleichwertig vertreten sind. Der FSC verwirrt leider bei der Zertifizierung von Papierprodukten durch eine Vielzahl von Siegeln. Die FSC-Siegel stehen NICHT für die Verwendung von Altpapier.

Es gibt drei Label: FSC 100%, FSC-Mix und FSC-Recycled:

Keines der FSC-Zeichen bezieht sich auf den Herstellungsprozess oder den Gesundheitsschutz. Waldschutz wird nur bei FSC-100% und FSC-Recycled gewährleistet. Ressourcenschonend ist nur das mit FSC-Recycled gekennzeichnete Papier. Die drei fast gleich anmutenden Label sind zudem äußerst verwirrend. Daher ist nur das FSC-Recycled-Siegel, und dies auch nur eingeschränkt empfehlenswert. FSC Mix sollte auf keinen Fall gekauft werden.

PEFC-Siegel

Das PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes) wurde von europäischen Waldbesitzern und Vertretern der Holzwirtschaft initiiert. Die PEFC-Siegel stehen NICHT für die Verwendung von Altpapier. Es kennzeichnet Papiere, die aus Holz aus PEFC-zertifizierten Wäldern hergestellt wurden.

Die Zertifizierungskriterien des PEFC sind allerdings äußerst schwach. Die Zeitschrift Ökotest z.B. bewertet die Waldbewirtschaftung nach FSC mit "sehr gut", das PEFC bekommt nur die Note "ausreichend". Daher: Nicht empfehlenswert.

Nordic Environment Label Nordic Environmental LabelDas Nordic Environmental Label wird vom Schwedischen Institut für Normung (SIS) vergeben. Es ist in Deutschland wenig bekannt, wird aber gerade daher von Papierproduzenten genutzt, um Papiere fälschlicherweise als Ökopapiere anzupreisen.

Das Nordic Envirnmental Label verlangt NICHT den Einsatz von Altpapier. Bezüglich der Faserrohstoffe gelten folgende Regeln:

  • 15 Prozent des Holzes müssen aus nachhaltiger Waldwirtschaft kommen - allerdings sind auch hier die Kriterien nicht sehr strikt - oder

  • 50 Prozent des Fasermaterials muss aus Altpapier, Sägemehl oder anderen Resthölzern stammen.

  • Zudem stellt das Label sicher, dass Energieverbrauch, Emissionen und umweltschädliche Chemikalien reduziert werden – allerdings nur im Vergleich zu den europäischen Durchschnittwerten. Nicht empfehlenswert.

C) Private Labels mit geringer Umweltrelevanz

Aqua pro Natura-"Weltpark Tropenwald"

Aqua pro NaturaDas Aqua pro Natura Siegel wird von der Vereinigung Deutscher Hersteller für umweltschonende Lernmittel e.V. vergeben.

Aqua Pro Natura steht NICHT für die Verwendung von Altpapier. Das Label kennzeichnet Schulmaterialien, die aus frischem Zellstoff hergestellt werden. Der Zellstoff kommt nicht aus den Tropen und ist chlorfrei gebleicht, ist auf den Siegeln zu lesen. Doch dies ist kein besonderer Beitrag zum Umwelt- oder Verbraucherschutz: Die meisten Papiere werden heute chlorfrei gebleicht, der Zellstoff kommt sowieso häufig nicht aus tropischen sondern aus nordischen Wäldern. Nicht empfehlenswert.

D) Weitere Papierkennzeichnungen

TCF oder EDF

Auf Primärfaserpapieren findet sich häufig das TCF-Label bzw. das ECF-Label welches die Art der Bleichung kennzeichnet. In Deutschland wird ausschließlich chlorfrei gebleicht. Im weniger stark entwickeltem Ausland wird jedoch noch nach ECF- Methoden gebleicht. Dieser meist günstigere Zellstoff wird Importiert und in Deutschland weiterverarbeitet. Wer Frischfaserpapier einsetzten muss, sollte beim Kauf zumindest auf das TCF-Label achten.

 

Holzfreies Papier

Der Begriff "holzfreies Papier" ist irreführend. Auch "holzfreie Papiere" werden aus Holz hergestellt. Dazu muss man wissen, dass Holz zu rund 55 Prozent aus so genannten "Holzstoffen" und zu 45 Prozent aus Zellulosefasern besteht. Minderwertigere Papiere haben einen hohen Anteil an Holzstoffen, dadurch sind sie faseriger und vergilben leicht (z.B. Bierdeckel). Hochwertige Papiere bestehen dagegen nur aus Zellulose, sie sind also holzstofffrei - werden aber irreführend "holzfrei" genannt.