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Fragen & Antworten - Recyclingpapier

unglaublich, papier!

© www.sxc.hu

Was sind die Unterschiede zwischen Recyclingpapier und Frischfaserpapier?
Recyclingpapier wird zu 100 % aus Altpapier hergestellt. Beim Papierrecycling wird das Altpapier mit Wasser aufgelöst und papierfremde Stoffe wie Heftklammern werden aussortiert. Die Druckfarben des Altpapiers werden mittels des so genannten De-Inking-Verfahrens entfernt. Dabei wird der graue Altpapierbrei mit Hilfe von verschiedenen Chemikalien gewaschen, die herausgelösten Farbpartikel lagern sich an der zugeführten Seife an, werden als Schaum zur Oberfläche getragen und dort abgesaugt. Kurze Fasern werden entfernt, um das Papier reißfest zu erhalten. Anschließend wird der Faserbrei mit Sauerstoff oder Wasserstoffperoxid gebleicht. Die beim Deinking eingesetzten Säuren und Laugen sind wesentlich harmloser als die in der Zellstoffgewinnung verwendeten Chemikalien. Meistens wird das Recyclingpapier zusätzlich noch mit Sauerstoff gebleicht, um einen höheren Weißegrad zu erreichen. Recyclingpapier gibt es je nach Bleichverfahren in grauen, hellen und weißen Tönen.

Frischfaserpapier wird aus Holz hergestellt. Holz besteht knapp zur Hälfte aus Zellulosefasern, dem wichtigsten Rohstoff für die Papierherstellung. Weitere Bestandteile sind Lignin und Hemizellulose, die wie ein Kitt zwischen den Zellulosefasern liegen. Das Herauslösen der einzelnen Fasern aus dem Holz ist ein äußerst energie- und wasserintensiver Prozess.

Zellstoff hat mit rund 80 Prozent den größten Anteil an den eingesetzten Papierfasern. Für die Gewinnung von Zellstoff wird die Zellulose durch chemische Hilfsmittel von den restlichen Holzbestandteilen getrennt. Es gibt reine Zellstoffpapiere, die so genannten "holzfreien Papiere". Holzfrei bedeutet in diesem Zusammenhang nicht, dass zur Herstellung kein Holz benötigt wird, sondern, dass das Lignin (das früher Holzstoff genannt wurde) und Hemizellulosen mit Lösungsmitteln aus dem Faserbrei entfernt wurden.

Holzstoffpapiere dagegen enthalten Lignin und Hemicellulosen. Beim Holzstoffverfahren werden fast alle Holzbestandteile verwendet. Damit hat man eine höhere Rohstoffausnutzung, dafür sind Holzstoffpapiere weniger stabil und vergilben rascher.

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Warum ist Recycling-Papier besser für die Umwelt?
Waaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaald

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Jeder fünfte Baum, der auf dieser Welt gefällt wird, landet in der Papierherstellung. Schätzungsweise 20 Prozent davon stammen aus Urwäldern.

Ein Großteil des Zellstoffs wird nach Deutschland importiert. Er stammt oft aus der Rodung von Urwäldern oder aber aus riesigen Forstplantagen, die ehemalige Naturwälder verdrängt haben. Der Großteil des Zellstoffs kommt aus skandinavischen und kanadischen Wäldern, die oft ebenso rücksichtslos vernichtet werden, wie die tropischen Urwälder.

Für Recyclingpapier werden keine Bäume abgeholzt. Die Wälder, die unter enormen Nutzungsdruck stehen, werden durch Recyclingpapier deutlich entlastet.
Zudem spart Recyclingpapier im Vergleich zu Frischfaserpapier bis zu 60 Prozent Energie und bis zu 70 Prozent Wasser, es verursacht deutlich weniger CO2, verringert Abfälle und Emissionen. Es werden deutlich weniger Chemikalien gebraucht, als bei der Frischfaserherstellung. Somit ist die Abwasserbelastung bis zu zehn mal niedriger.

 
Recyclingpapier
(200 Blatt = 1 kg)
Primärfaserpapier
(200 Blatt = 1 kg)
Altpapier
1,1 bis 1,3 kg
-
Holz
-
2,2 bis 2,5 kg
Wasser
10 bis 20 l
30 bis 100 l
Energie
1 bis 3 kWh
3 bis 6 kWh
Abwasserbelastung (CSB)
2 bis 5 g
5 bis 50 g
Quelle: Jupp Trauth, Forum Ökologie & Papier
Was versteht man unter Umweltpapier?

Umweltpapier wird aus Altpapier hergestellt, das keinem De-Inking-Verfahren oder einer Zellstoffbleiche unterzogen wurde. Das verwendete Altpapier wird so fein gemahlen, dass sich die Farben gleichmäßig verteilen und das neue Papier eine graue Tönung annimmt. Es ist damit noch umweltfreundlicher als "normales" Recyclingpapier.

Was gibt es für Papierlabels?
ein blauer engel

Das deutschlandweit beste Kennzeichen für Recyclingpapier ist der "Blaue Engel". Die Papierfasern müssen zu 100 Prozent aus Altpapier stammen, 65 Prozent aus Altpapier niedriger Qualität, so dass eine optimale Ausnutzung des Rohstoffs Holz gewährleistet ist. Die Verwendung giftiger Chemikalien ist strikt reguliert, darüber hinaus erfüllt mit dem "Blaue Engel" gekennzeichnetes Papier Ansprüche des Gesundheitschutzes.
Details und weitere Labels

Kann man mit Recyclingpapier problemlos kopieren?

Ja. Die Verwendung von Recyclingpapier führt weder zu einer erhöhten Staurate noch zu einer Verstaubung im Kopiergerät, wie zahlreiche Prüfungen von unterschiedlichen Einrichtungen bestätigen. Auch Stiftung Warentest prüfte bereits 1995 die Qualitätseigenschaften von neun verschiedenen Recyclingpapieren. Alle Papiere wurden mit dem Gesamturteil "gut" ausgezeichnet. Wie die Experten herausfanden, stand die Verstaubung nicht in Zusammenhang mit der Art, sondern mit der Verarbeitung des Papiers der einzelnen Hersteller. Staub entsteht dann, wenn die Papierkanten nicht sorgfältig geschnitten werden. Durch zahlreiche Verbesserungen sind Recyclingpapiere und Frischfaserpapiere qualitativ gleichwertig.

Ist Recyclingpapier für Tintenstrahldrucker geeignet?

Ja. Bei der heutigen Qualität von Recyclingpapier kommen verlaufene Druckbilder wie früher nicht mehr vor. Für Recyclingpapiere mit dem "Blauen Engel" ist 100 Prozent Druckertauglichkeit gewährleistet.

Vergilbt Recyclingpapier schneller als konventionelles Papier?

Nein. Recyclingpapiere, die mit dem "Blauen Engel" gekennzeichnet sind, unterliegen der DIN 6738, die bei angemessener Lagerung eine Alterungsbeständigkeit von einigen hundert Jahren garantiert. Die Oberfläche wird säurefrei (neutral) geleimt, wodurch keine Vergilbung entsteht, wie es bei den ersten Recyclingpapieren vorkam. Wer bestimmte Dokumente auf absolut unbegrenzte Dauer lagern möchte, der muss sich an Papieren der DIN 9706 orientieren. Dies sind Papiere, die sich für Langzeitarchivierung eigenen. Sie sind immer aus Frischfaser-Zellstoff hergestellt sind und somit nie aus Altpapier.

Ist Toilettenpapier aus Recyclingpapier hygienisch?
klopapier

© Klopapier

Ja. Bei der Herstellung von Recyclingpapier werden alle noch bestehenden Keime und Bakterien durch Erhitzen abgetötet. Beim anschließenden De-Inking-Verfahren werden sämtliche Farbpartikel aus dem Altpapierbrei abgesaugt. Somit sind weder Krankheitserreger noch Farbreste in recyceltem Toilettenpapier vorzufinden. Zu diesem Ergebnis kam auch das Magazin ÖkoTest nach einem Test von 42 Toilettenpapieren aus Recyclingpapier und aus Frischfaserpapier. Keines der getesteten Papiere enthielt bedenkliche Duftstoffe, Azo- Farbstoffe oder halogenorganische Verbindungen. 14 Produkte wurden als "Empfehlenswert" eingestuft, 13 davon waren aus Recyclingpapier.

Pro Kopf werden in Deutschland jedes Jahr rund 18 Kilogramm Hygienepapiere verbraucht. Leider werden immer noch hochwertige Frischfaserpapiere sinnlos als Klopapier oder Tissuepapier verschwendet. Würden alle Hygienepapiere aus Frischfasern hergestellt, dann würden deutschlandweit fast 3 Millionen Tonnen Holz durch den Abfluss gespült. Für Hygienepapiere sollte daher immer und ausschließlich Altpapier, am besten solches niedriger Qualität, eingesetzt werden.

Ist Recyclingpapier für Schulhefte geeignet?

Ja, Recyclingpapier erfüllt auch hier alle Anforderungen. Es kann mit Kugelschreibern, Bleistiften, Holz- und Filzstiften sowie Tintenfüller beschrieben werden, ohne dass die Tinte verläuft. Das bestätigt auch Stiftung Warentest, bei deren Untersuchung alle fünf getesteten Schulhefte aus Recyclingpapier mit einem "gut" für die "Beschreibbarkeit mit Tinte" ausgezeichnet wurden.

Welche Methoden gibt es, Papier weiß zu machen?

Bei allen Aufschlussverfahren bleibt ein Rest des Lignins im Faserstoff. Lignin hat eine braune Farbe, Paier mit hohem Ligninanteil sind dunkler und vergilben schneller. Soll das Papier weiß sein, dann müssen die Fasern gebleicht werden. Seit Ende der 80er-Jahre ist die Chlorbleiche in Deutschland verboten. Denn chlororganische Verbindungen sind äußerst giftig, gelten als krebserregend und erbgutschädigend. Sie lassen sich schwer abbauen und reichern sich über die Nahrungskette an. Beim Bleichverfahren mit Elementarchlor wird das Lignin vollständig mit Chlor entfernt, wobei chlorierte Kohlenwasserstoffe (CKW) oder Dioxine entstehen, die als giftige Stoffe über Abwässer in die Umwelt gelangen, und somit eine hohe Abwasserbelastung darstellen.

Daher wird die Chlorbleiche heute durch zwei Verfahren ersetzt:

  • Die ECF-Bleiche (elementar chlorine free): Sie ersetzt Elementarchlor, das die Hauptbelastung mit chlororganischen Verbindungen verursacht, durch Chlordioxid. Das führt zu einer zehnfach geringeren Abwasserbelastung.

  • Die TCF-Bleiche (totally chlorine free): Sie kommt völlig ohne Chlor aus und arbeitet stattdessen mit Sauerstoff, Wasserstoffperoxid oder Ozon. Bei der Vorbleiche mit Sauerstoff und der Nachbleiche mit Peroxid wird das Lignin verändert und nicht ausgewaschen. Diese Methode ist nicht umweltschädlich.

Weltweit dominiert mit 90 Prozent ECF, TCF erreicht erst 5 Prozent und der Einsatz von Elementarchlor liegt noch bei 5 Prozent. Recyclingpapier wird ohnehin von jeher chlorfrei gebleicht, so dass die Kennzeichnung "chlorfrei"für diese Produkte überflüssig ist.

Ist Recyclingpapier teurer?

Recyclingpapiere sind in der Regel günstiger als vergleichbare Frischfaserpapiere, da bei der Produktion auf die teure Zellstoffgewinnung verzichtet werden kann. Über längere Zeiträume betrachtet galt bisher die Faustformel: Bei Recyclingpapier lassen sich gegenüber Primärfaserpapier ca. 10 Prozent sparen.
Allerdings zahlt der Kleinkunde für Recyclingpapier häufig genauso viel wie für Frischfaserpapier, da die Nachfrage nach Recyclingpapier geringer ist.

Wo bekomme ich Recyclingpapier?

Recyclingpapiere mit "Blauem Engel" sind leider nicht in jedem Schreibwarenladen und Bürodiscounter zu finden – obwohl das Angebot wieder zunimmt. Gut sortierte Geschäfte führen zumeist eine Variante. Sonst fragen Sie bitte einfach nach. Bei ökologischen Anbietern bekommen Sie zum Kopierpapier gleich die passenden Kuverts und Ordnungsmittel bis hin zu Flip-Chart- und Quittungsblöcken aus Recyclingpapier. Hygienepapiere mit Blauem Engel gibt es heute in fast allen Drogerie- und Supermärkten, vielfach als Eigenmarke von Discountern. Weitere Einkaufsquellen finden Sie bei regionalen Greenpeace-Gruppen sowie im Internet unter www.papier.info oder www.robinwood.de/wo-kaufen . Im Internet gibt es einige Versandhändler, die eine große Auswahl an Recyclingpapierprodukten anbieten. Unter www.papiernetz.de können sie Händlerlisten einsehen oder den Papierfinder nutzen, der ihnen die nächste Bezugsquelle in ihrer Nähe anzeigt.

Wie kann ich Papier sparen?
  • unerwünschte Kataloge, Prospekte und Zeitschriften abbestellen

  • Adressierte Werbung kann mit dem Vermerk „Annahme verweigert“ zurück geschickt werden

  • Wer keine adressierten Werbebriefe von Unternehmen möchte, bei denen er kein Kunde ist oder nicht ausdrücklich der Zusendung zugestimmt hat, kann sich in die so genannte „Robinson-Liste“ eintragen: DDV Deutscher Direktmarketing Verband, Stichwort „Robinsonliste“, PF 1401, 71243 Ditzingen oder im Internet unter www.ichhabediewahl.de

  • am Briefkasten schützt der Hinweis: «Bitte keine Werbung»

  • beim Drucker die automatische Duplexfunktion einstellen, so dass immer doppelseitig kopiert oder gedruckt wird

  • an Kopierern erinnert ein sichtbar platzierter Aushang daran, doppelseitig zu kopieren beziehungsweise das Ausgabeformat zu verkleinern: zwei Seiten auf einer, sofern es gut lesbar ist

  • einseitig beschriftetes Altpapier sammeln, dessen Rückseite kann für Probeausdrucke oder Notizen genutzt werden

  • Green Printing Software entfernt leere Seiten und unnötige Infos aus der zu druckenden Datei

  • Briefe lassen sich elektronisch versenden, zum Beispiel über www.epost.de. Im Vergleich zur E-Mail lassen sich Absender und Empfänger einwandfrei indentifiziere und die Verschlüsselung garantiert die Datensicherheit.

  • Verpackungen vermeiden. Ökologische Versandhändler wie memo bieten zum Beispiel stabile Plastikboxen zum Transport an, die immer wieder genutzt und gleich beim Empfang der Ware an den Postboten zurückgegeben werden können.

Weitere Tipps zum Papiersparen finden Sie bei www.papierwende.de.