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Hintergrundinformationen zu Gen-Weizen

Allgemeines
genweizen

Das Leibniz-Institut für Pflanzengenetik (IPK) beabsichtigt, zwischen 2012 und 2014 einen Freisetzungsversuch mit genmanipuliertem Weizen durchzuführen. Das Freilandexperiment soll am Standort Üplingen (Bördekreis, Sachsen-Anhalt) stattfinden. Neben drei Gen-Basisweizenlinien sollen 236 Linien genmanipulierter Weizenpflanzen angebaut werden, welche aus den drei genmanipulierten Basislinien und sieben herkömmlichen Sorten gezüchtet wurden. Die Genmanipulation hat eine Änderung des Korn- und Proteingehaltes bewirkt. Bei dem nun beantragten Versuch sollen die agronomischen Eigenschaften erfasst und geprüft werden.

Bedeutung von Weizen

Weizen ist das wichtigste Grundnahrungsmittel in Europa und neben Reis und Mais eine der wichtigsten Nahrungspflanzen weltweit. Global wurden im Jahr 2011 insgesamt 696 Mio. Tonnen Weizen von etwa 225 Mio. Hektar Anbaufläche geerntet. Alleine in Deutschland wurden 2011 über drei Mio. Hektar Weizen mit einem Gesamtertrag von 23 Mio. Tonnen angebaut. Deutschland gehört damit zu den TOP 10 der Weizenproduzenten der Welt und ist ein wichtiges Exportland. Eine Kontamination von Weizenbeständen könnte daher gravierende Auswirkungen auf die deutsche Weizenwirtschaft haben.

Der Fall des nicht zugelassenen herbizidresistenten Gentechnik-Reis LL601 im Jahr 2006 in den USA hat gezeigt, wie schnell der Markt reagiert. LL601 hatte auf ungeklärtem Weg Teile des US-Reissaatgutes verschmutzt. Der Reisexportmarkt der USA war daraufhin zusammengebrochen. Die US-Reisindustrie hat seitdem durch die Verunreinigung einen Schaden von über 1 Mrd. US-$ erlitten. Solche Skandale können sich Bäcker und Müller in Deutschland nicht leisten.

Gen-Weizen für Brot und Brötchen
Brot

Gen-Weizen hat nichts in unseren Nahrungsmitteln zu suchen!
© joujou / pixelio

Das IPK bemühte sich in der Vergangenheit den Eindruck zu erwecken, durch die Futterweizensorte (C-Weizen) sei der Lebensmittelsektor nicht betroffen. Auch die früheren haltlosen Beteuerungen des IPK, mit der Freisetzung seien keine Kommerzialisierungsabsichten verbunden, lassen schwere Zweifel an der Glaubwürdigkeit der betroffenen Wissenschaftler aufkommen.

Denn der Gen-Weizen wurde nun durch intensive züchterische Bearbeitung der transgenen Weizenbasislinien in Qualitäts- und Backweizen (A- oder B-Sorten) eingekreuzt. Diese sind ganz eindeutig für die Verarbeitung im Lebensmittelbereich vorgesehen und damit findet der Gen-Weizen den direkten Weg in die menschliche Nahrung. Denn eine bekannte Eigenschaft dieser Gen-Weizenlinie ist ein erhöhter Gluteningehalt. Dies zielt eindeutig auf eine Verbesserung der Backqualität ab und deutet auf eine geplante Nutzung als Brotgetreide hin. Gleichzeitig sinken aber die ernährungsphysiologisch wertvollen Eiweißbestandteile.

Schon in einer Publikation aus dem Jahr 2005 werden bereits genau die kommerziellen Absichten klar dargelegt, die das Institut offenkundig aufgrund des steigenden öffentlichen Drucks leugnet: "Ein höherer Eiweißgehalt bringt einen besseren Preis", weiß Winfriede Weschke, Leiterin des InnoPlanta-Projekts "Winterweizen". Sie schätzt, dass der Eiweißanteil im untersuchten Winterweizen um bis zu 20 Prozent gesteigert werden kann. Allerdings: Die bisherigen Ergebnisse wurden im Gewächshaus erzielt. "Auf dem Feld ist manches anders", so Weschke. Höchste Zeit also, nach draußen zu gehen. Der Projektpartner "Nordsaat" wartet bereits ungeduldig auf Ergebnisse, um erfolgversprechende Kreuzungen möglichst bald in die Sortenzulassung und dann auf den Markt bringen zu können."

Schon heute wird etwa die Hälfte der deutschen Weizenproduktion exportiert. Doch die Chancen im Exportgeschäft mitmischen zu können, steigen für Weizen mit hohen Proteingehalten.

Unvorhergesehene Effekte

Die Erbinformationen von Weizen sind bis zu 35-mal größer als die von Reis und fünfmal größer als das menschliche Genom. Diese Komplexität von Weizen macht die Manipulation an seinem Erbgut höchst problematisch, unvorhersehbare Effekte sind vorprogrammiert. Offensichtlich treten solche Effekte bei den manipulierten Weizenpflanzen bereits jetzt auf. Denn die transgenen Basislinien weisen laut Antrag niedrigere Fruchtbarkeit als die Ausgangssorte auf. Weitere unvorhersehbare ökologische oder gesundheitsrelevante Nebeneffekte der Manipulation am Erbgut der Weizenpflanzen sind daher wahrscheinlich.

Allergenität

Mit der durch gentechnische Methoden veränderten Proteinzusammensetzung des Weizens könnte auch die Allergenität des Gen-Weizens steigen. Möglicherweise bedingt durch moderne Züchtungsmethoden und Veränderungen der Proteinzusammensetzung, kommt es schon jetzt zu erhöhten unspezifischen Unverträglichkeiten gegenüber Weizen. Durch den gentechnischen Einbau neuer Konstrukte und Veränderung der Proteinzusammensetzung kann sich dieses Unverträglichkeitsphänomen möglicherweise verstärken.

Gen-Weizen gesundheitsschädlich

In Australien wird bereits Gen-Weizen mit manipuliertrem Stärkegehalt freigesetzt. Verschiedene unabhängige Wissenschaftler von der Universität Canterbury in Neuseeland und vom King's College in London haben jetzt öffentlich zugängliche Daten dazu geprüft. Das Ergebnis ist erschreckend: Der Verzehr von Gen-Weizen könnte tödliche Leberschäden verursachen. Die Ursache für die gefährliche Wechselwirkung sei die Ähnlichkeit zwischen einigen menschlichen Genen und solchen des Gen-Weizens, die bestimmte Stoffwechselprozesse hemmen würden. Trotz der Risiken könnte Australien das erste Land sein, in dem Gen-Weizen zum kommerziellen Anbau zugelassen wird. Forciert wird die baldige Zulassung des manipulierten Weizens durch die öffentliche Forschungseinrichtung CSIRO (Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation), welche die Freisetzungen durchführt. Allerdings wird CSIRO zu einem großen Teil aus der Privatwirtschaft finanziert. Geldgeber sind unter anderen die Agrogiftkonzerne Monsanto und Bayer.

Zusatzkosten durch Gentechnik
Geld

An der Gentechnik verdienen nur die großen Saatgutfirmen.
© andrea damm / pixelio

Nur einzelne Saatgutfirmen streichen satte Gewinne für ihre "Erfindungen" ein. Landwirte und Lebensmittelhersteller müssen die Zeche zahlen. Allein die Preise für Saatgut haben sich bei Pflanzen, die auch genmanipuliert angeboten werden, in den letzten 30 Jahren um das Fünffache erhöht.

Erfahrungen aus Ländern mit Anbau von Gen-Pflanzen zeigen, dass die Trennung von herkömmlicher und gentechnischer Ware sehr kostspielig ist. So verursacht die Trennung bei Soja, das in Brasilien auf Tausenden Hektar angebaut und in Großeinheiten verschifft wird, noch Mehrkosten von fünf bis zehn Prozent je Tonne.

Auch im Mühlenbetrieb ist Warenstofftrennung finanziell nicht tragbar. Die Kosten entstehen insbesondere durch die erforderlichen gründlichen betrieblichen Reinigungen, technische Um- bzw. Neubauten, einer getrennten Erfassung, Lagerung und Verarbeitung sowie zusätzlichen Verwaltungs-, Labor-, Analysekosten. Bei Soja hat sich z.B. herausgestellt, dass eine kombinierte Verarbeitung, aus Gründen der Verschleppung in der Anlage, nicht praktikabel ist.

Nach Angaben von industrienahen Experten betragen allein die Kosten zum Erhalt der gentechnikfreien Lebensmittelproduktion in der EU und Japan jährlich 100 Millionen Dollar. So zahlt ein mittelständisches Unternehmen für die Vermeidung von Agro-Gentechnik bis zu mehreren hunderttausend Euro im Jahr. Zusätzlich muss auch der Handel erhebliche Aufwendungen leisten.

Zu den laufenden Kosten müssen Unternehmen durch Kontaminationsfälle mit erheblichen Schäden rechnen. Bekannte Schadensfälle lassen sich weltweit mit mehreren Milliarden US Dollar beziffern.
Dabei werden die Kosten bislang ausschließlich von konventionellen Saatguterzeugern, gentechnikfrei wirtschaftenden Landwirten, Herstellern und Händlern sowie von staatlichen Kontrollämtern getragen.

Die Lebensmittelverarbeitung reagiert deutlich sensibler auf Skandale als der Futtermittelmarkt. Immer wieder werden Kontaminationen von Lebensmitteln mit illegalen Gen-Pflanzen wie Reis oder Leinsamen bekannt. Etliche Markenhersteller kaufen Rohstoffe nicht mehr in Ländern, in denen auch manipulierte Pflanzen angebaut werden. Solche Skandale können sich Bäcker und Müller in Deutschland nicht leisten und es wäre das Aus privatwirtschaftlicher Betriebe, weil diese mit ihrem Namen für die Qualität ihrer Arbeit stehen.

Anbau von Gen-Weizen sogar in Nordamerika unmöglich

Bisher scheiterte der US-Gentechnikkonzern Monsanto 2004 mit seinem Versuch, genmanipulierten Weizen in Nordamerika zu kommerzialisieren: Aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Perspektive wurde die geplante Markteinführung im Jahre 2004 fallen gelassen. Eine vom US-Forschungsministerium durchgeführte Untersuchung hatte ergeben, dass nur vier von über 70 potentiellen Importländern gentechnisch veränderten Weizen beziehen wollten. Den Landwirten wurden erhebliche Exporteinbußen prognostiziert - 600 Mio. Euro allein, wenn sich Europa und Japan dem Gen-Weizen verweigerten. US-Experten befürchten bei einer Markteinführung von transgenem Weizen insgesamt Exportverluste von 30-50 Prozent und einen Verfall des Weizenpreises um ein Drittel.

Kaum Schutz gegen Auskreuzung

Gen-Weizen kann sich unkontrolliert in der Umwelt ausbreiten.
© sabine markann / pixelio

Der Sicherheitsabstand, den das IPK zu den nächstliegenden Weizenfeldern einhalten will, beträgt lediglich 50 Meter. Übertragungen von Weizenpollen sind jedoch bis in Distanzen von 1.000 Meter möglich. Selbst das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) gibt an, dass die Auskreuzungsdistanz von Weizen bis zu 300 Metern betragen kann. Es wurden sogar schon Auskreuzungen bis in 2,75 Kilometer Entfernung bestätigt. Weizen ist eine sich selbst bestäubende Pflanze, hat aber immerhin Fremdbefruchtungsraten von bis zu 10 Prozent, abhängig von Populationsdichte, Genotyp, Sorte und Umweltfaktoren. So konnten Fremdbefruchtungsraten bei verschiedenen Sommerweizensorten von 0,1 - 6,5 Prozent nachgewiesen werden. Fremdbefruchtung ist entgegen der Auffassung des IPK daher nicht alles andere als vernachlässigbar, zumal die Fremdbefruchtungsraten der Weizensorten, die freigesetzt werden sollen, offenbar unbekannt sind.

Auskreuzung in andere Getreidearten und wilde Verwandte

Weizen kann sich auch mit Wildpflanzen kreuzen. Laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) sind Auskreuzungen von Weizen in Arten folgender Pflanzen, die in Deutschland vorkommen, möglich: Agropyron (z.B. Quecke), Elymus, Hordeum, Leymus, Setaria und Aegilops. Daneben kann es auch zu Auskreuzungen in Sorghum sowie Roggen und Triticale kommen. Aegilops cylindrica spielt hier eine besondere Rolle, da sie weit verbreitet ist und zudem Unkrauteigenschaften aufweist. Spontane Hybridisierung mit Weizen, die zu fertilen Nachkommen und zur Ausprägung neuer Eigenschaften in A. cylindrica führt, ist bekannt. Diese Kreuzungen könnten die Eigenschaften der freigesetzten Pflanzen annehmen.

Überlebensfähigkeit von Weizenkörnern

Weizenkörner sind im Boden über Jahre hinweg überlebensfähig und können folglich lange nach einer Freisetzung keimen. Dadurch besteht ein hohes Risiko, dass es auch in Folgejahren zu Kontaminationsereignissen kommt. Laut Antragsunterlagen ist die Prüfung der Versuchsfläche lediglich für ein Jahr nach Beendigung der Freisetzung vorgesehen. Angesichts der Überlebensfähigkeit von Weizenkörnern im Boden ist dies in keiner Weise nachvollziehbar.

Sicherheitsmaßnahmen unzureichend

Die vom IPK vorgeschlagenen Sicherheitsmaßnahmen sind nicht ausreichend. Das IPK plant lediglich, Schutzzäune gegen größere Tiere und Nager zu errichten und das Versuchsfeld, vor dem Auflaufen der Weizenpflanzen und nach der Blüte, mit einem Netz gegen Vögel zu überspannen sowie eine manuelle Ernte und eine Behandlung der Freisetzungsfläche durchzuführen. Der Pollenflug kann so aber nicht verhindert werden:

  • Der Abstand von 50 Meter zu Anbauflächen von Weizen ist zu gering

  • Das Vorhandensein möglicher kreuzbarer Arten wurde im Vorfeld nicht geprüft.

  • Die Überwachung der unerwünschten Verbreitung durch Auskreuzung, Fraß oder Verschleppung des eingebrachten Genkonstruktes (d.h. Überprüfung der Sicherheitsmaßnahmen durch die Analyse von Boden, Mantelsaat und Umgebung bis 500 Meter) ist gar nicht vorgesehen.


Die Angaben zum Monitoring der Fläche nach Beendigung des Versuchs bleiben dagegen nebulös: "Vor und während der Ernte ausfallender Weizensamen verbleibt auf dem Versuchsgelände und wird im Rahmen ackerbaulicher Maßnahmen (Keimung und anschließende Herbizidbehandlung) unter Kontrolle gehalten."

Steuergelder

Die Entwicklung von genmanipuliertem Weizen widerspricht in eklatantem Maße dem Willen breiter Bevölkerungsschichten: Über 70 Prozent der Bundesbürger lehnen den Anbau von Gen-Pflanzen ab. Da sich das IPK als Stiftung des Bundes und der Bundesländer zu einem Großteil aus öffentlichen Mitteln finanziert, wird durch den Freisetzungsversuch erneut eine gesellschaftlich nicht gewünschte Technologie mit Steuergeldern alimentiert. Allein 2011 erhielt das IPK 24,6 Mio. Euro aus Bundes- und Landesmitteln.