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Hintergrundinformationen Gen-Kartoffeln

Allgemeines
witz kartoffeln in der Tüte

Die BASF Plant Science GmbH beabsichtigt ab 2013 Freisetzungsversuche mit zwei verschiedenen genmanipulierten Kartoffeln durchzuführen. Ein erstes Freilandexperiment soll auf maximal 10 Hektar am Standort Limburgerhof in Rheinland-Pfalz stattfinden.
Weitere Freisetzungsstandorte sollen im Rahmen des vereinfachten Verfahrens auf der Grundlage des Genehmigungsbescheides im Zeitraum von 2013 bis 2017 nachgemeldet werden.
Freigesetzt werden sollen die gentechnisch manipulierten Kartoffellinien Modena (AV 43-6-G7) und Fortuna (PH05-026-0048) sowie Nachkommen dieser Linien.

Die Gen-Kartoffel Modena wurde in ihrer Stärkezusammensetzung so manipuliert, dass sie weniger Amylose in der Kartoffelstärke und mehr Amylopektin enthält. In ihren Eigenschaften ist Modena vergleichbar mit der umstrittenen Gentechnik-Knolle Amflora.

Die Gen-Kartoffel Fortuna ist eine reine Speisekartoffel. Ihr wurden zwei Resistenzgene aus der Wildkartoffel (Solanum bulbocastanum) gegen den Erreger der Kraut- und Knollenfäule (Phytophthora infestans) eingebaut. Diese sollen der verbesserten Resistenz gegen die Kraut- und Knollenfäule dienen. Außerdem wurde in diese Linie ein Gen übertragen, das eine Toleranz gegenüber dem herbiziden Wirkstoff Imazamox vermittelt. Jedoch soll die Toleranz für Feldbaubedingungen weder ausreichend sein, noch sei tatsächlich vorgesehen, Imazamox-haltige Herbizide während der Freisetzung einzusetzen.

Die Freisetzung soll dazu dienen, im Rahmen von Freilandstudien Daten zu molekularbiologischen und biochemischen Eigenschaften der gentechnisch manipulierten Kartoffeln zu erheben. Im Vordergrund stehe dabei die Prüfung auf Stabilität und Umsetzung der Genmanipulation, sowie der Ausprägung der Resistenz. Bei Fortuna stehen Untersuchungen zur Leistungsfähigkeit und zum Amylopektin-Amylose-Verhältnis im Vordergrund, bei der Modena soll der Grad der Widerstandsfähigkeit gegen Phytophthora infestans untersucht werden. Zudem will BASF mit der Freisetzung größere Mengen an Knollenmaterial unter Feldbedingungen erzeugen, um diese für weitere Versuche und zur Vermehrung zu nutzen.

Falsche Voraussetzungen

Für beide Gen-Kartoffeln ist eine EU-weite Anbauzulassung sowie deren Nutzung als Lebens- und Futtermittel beantragt. Im Rahmen des Zulassungsverfahrens muss der Antragsteller bereits Unterlagen einreichen, die belegen, dass die Gen-Pflanze sicher sein soll. Mit der Freisetzung werden also keine neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse angestrebt. Der alleinige Zweck scheint die Erzeugung großer Mengen an Knollenmaterial zu sein. Unter dem Deckmäntelchen der Forschung, will man sich offenbar auf eine baldige Markteinführung vorbereiten, mit der BASF bereits im Jahr 2014 rechnet wird.
Bei praxisüblicher Pflanzdichte sollen auf einem Hektar Ackerland ca. 80.000 Kartoffelpflanzen kultiviert werden können. Für zehn Hektar Ackerland entspräche das 800.000 Kartoffelpflanzen. Jede Kartoffelpflanze bringt 10 bis 30 Knollen hervor. Pro Freisetzungsstandort könnten so 8 bis 24 Millionen genmanipulierte Kartoffelknollen produziert werden.

Bedeutung von Kartoffeln
kartoffeln im kochtopf

Kartoffeln gehören zu den wichtigsten Lebensmitteln in Europa.
© Marianne J. / pixelio

Bereits vor rund 8000 Jahren haben Bauern in Südamerika die ersten Kartoffeln angebaut. Von Spanien aus eroberte die Kartoffel ab dem 16. Jahrhundert Europa. Weltweit gibt es heute rund 4000 verschiedene Kartoffelsorten, hinzu kommen 200 Wildformen. In Deutschland sind derzeit 205 Kartoffelsorten zugelassen.

Kartoffeln sind heute ein wichtiges Grundnahrungsmittel in Europa und neben Weizen, Reis und Mais die viertwichtigste Nahrungspflanze weltweit, aber auch Futtermittel und Industrierohstoff. Hauptanbauländer sind China, Russland, Indien, die Ukraine, die USA, aber auch Deutschland und Polen. Global werden jährlich über 300 Millionen Tonnen Kartoffeln geerntet. Alleine in Deutschland wurden 2011 auf 259.400 Hektar Kartoffeln mit einem Gesamtertrag von über elf Millionen Tonnen angebaut. Deutschland gehört damit zu den TOP 10 der Kartoffelproduzenten der Welt und ist ein wichtiges Exportland. Eine Kontamination von Kartoffelbeständen könnte daher gravierende Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft haben.

Der Fall des nicht zugelassenen herbizidresistenten Gentechnik-Reis LL601 im Jahr 2006 in den USA hat gezeigt, wie schnell der Markt reagiert. LL601 hatte auf ungeklärtem Weg Teile des US-Reissaatgutes verschmutzt. Der Reisexportmarkt der USA war daraufhin zusammengebrochen. Die US-Reisindustrie hat seitdem durch die Verunreinigung einen Schaden von über einer Milliarde US-Dollar erlitten. Solche Skandale können sich Landwirte und Nahrungsmittelhersteller in Deutschland nicht leisten.

Gen-Kartoffeln für Pommes und Chips
pommes auf der gabel

Aus der Gen-Knolle Fortuna sollen vor allem Pommes Frites und Kartoffel-Chips hergestellt werden.
© photocrew / fotolia

In Deutschland gelangt mehr als die Hälfte der Kartoffeln auf den Teller. Allerdings wurden nur 1,32 Millionen Tonnen, also etwa zehn Prozent der deutschen Kartoffelernte, als Kartoffel verkauft – frisch, ungeschält und unverarbeitet, lose, im Netz oder in der Tüte. Aus dem Rest werden Püree, Pommes, Chips, Snacks und Fertiggerichte sowie Kartoffelstärke hergestellt. Letztere ist die Basis für unzählige Nahrungsmittelzutaten wie Verdickungs- und Bindemittel sowie Grundstoff für den Prozess der Stärkeverzuckerung, aus dem zahlreiche Zutaten und Zusatzstoffe verarbeiteter Fertigkost hervorgehen. Hauptsächlich wird Stärke in der Herstellung von Süßwaren, Backwaren, Milchprodukten und insbesondere Getränken eingesetzt. Kartoffelstärke wird aber vor allem auch in der Papierindustrie als Papierstärke und für die Produktion von Pappen und Klebstoffen genutzt. Etwa ein Prozent der Kartoffeln wird an Tiere verfüttert.

Herbizidresistenz

Die Resistenz gegen Imazamox als Marker wird als kritisch angesehen. Darüber hinaus steht zu befürchten, dass, wie bereits bei anderen Freisetzungen geschehen, die Marker-Gene schnell zur ökonomischen Hauptsache werden. Saatgut und das seit 2003 in der EU zugelassene Pflanzengift Imazamox würden dann im Doppelpack angeboten, wie die Erfahrung mit den bisher eingesetzten Genpflanzen weltweit zeigt. Schon bei der Zulassung von Imazamox warnt die EU-Kommisssion: Bei dieser Gesamtbewertung sollen die Mitgliedstaaten besonders auf eine potenzielle Grundwasserverschmutzung achten, wenn der Wirkstoff in Gebieten mit empfindlichen Böden und/oder schwierigen Klimabedingungen ausgebracht wird. Gegebenenfalls sind entsprechende Maßnahmen zur Risikobegrenzung zu treffen. Derzeit ist die BASF noch der einzige Anbieter Imazamox-haltiger Pestizide in Deutschland.

Phytophthoraresistenz

Die Erfahrung mit der Einführung einzelner Resistenzgene in Pflanzengenome hat gezeigt, dass die in aller Regel sehr anpassungsfähigen Krankmacher einzelne Resistenzgene relativ rasch überwinden können und die Resistenzen damit oft nur von kurzer Dauer sind. Ähnliches ist auch im Falle der gentechnisch veränderten Kartoffeln zu erwarten, die eine Resistenz gegen Phytophthora ausbilden sollen. Angesichts einer Resistenz von nur kurzer Lebensdauer ist es nicht gerechtfertigt, die Risiken der gentechnischen Manipulation in Kauf zu nehmen.

Manipulierte Stärkeproduktion

Herkömmliche Stärkekartoffeln bestehen zu etwa 70 bis 80 Prozent aus Amylopektin und zu etwa 20 Prozent aus Amylose. Bei vielen technischen Anwendungen ist Amylose unerwünscht, weil sie geliert und die gelöste Kartoffelstärke dadurch instabil wird. Eine Trennung der Stärke-Komponenten vor der Bearbeitung ist teuer. Daher wird heute die gelierende Wirkung der Amylose durch chemische Modifikation verringert. Bei der Verwendung der Gen-Stärke-Kartoffel soll dieser Arbeitsschritt eingespart werden. Denn durch die Genmanipulation produziert die Gen-Kartoffel überwiegend nur die Stärkekomponente Amylopektin. Die Bildung von Amylose wird unterdrückt.

Unvorhergesehene Effekte

Die Erbinformationen von Kartoffeln sind sehr komplex. Erst 2011 gelang es Forschern von den insgesamt 844 Millionen Basenpaaren 86 Prozent zu erfassen. Sie fanden darin 39.000 proteinkodierende Gene. Diese Komplexität macht die Manipulation an ihrem Erbgut höchst problematisch. Darüber hinaus ist die gentechnische Manipulation von Kartoffeln kein „gezielter“ Vorgang. Der Einbau der Transgene ins pflanzliche Erbmaterial erfolgt rein zufällig. Es muss mit unerwarteten Nebenwirkungen gerechnet werden, die auch erst unter Freilandbedingungen zur Ausprägung kommen können. So zeigt auch die bereits zugelassenene transgene Amylopektin-Kartoffel Amflora neben der beabsichtigten Erhöhung des Amylopektin-Gehalts weitere unerwartete Veränderungen. Unvorhersehbare ökologische oder gesundheitsrelevante Nebeneffekte der Manipulation am Erbgut der Kartoffelpflanzen Fortuna und Modena sind daher sehr wahrscheinlich.

Allergenität wird nicht geprüft

Die traditionelle Kartoffel gilt als sicherstes Nahrungsmittel. Allergieexperten in Großbritannien fanden in einem breit angelegten Versuch heraus, dass die Knolle das geringste Allergie auslösende Potenzial besitzt, selbst bei regelmäßigem Verzehr.

Als Folge gentechnischer Eingriffe kann sich das allergene Potential einer Nahrungspflanze jedoch verstärken. Die Information, die in der DNA eines Gens gespeichert ist, wird beeinflusst und damit die Proteinstruktur. Hinsichtlich möglicher allergologischer Risiken der Gen-Kartoffeln wird ihre Beurteilung allerdings vorwiegend auf Annahmen statt auf Daten und Fakten begründet.
Das Ziel der genetischen Manipulation der Amylopektin-Kartoffel ist es, die Bildung von Amylosestärke zu verhindern. Angeblich sollen keine neuen Enzyme oder Proteine gebildet werden. Daher wird eine Allergenität nicht erwartet. Und dementsprechend vermutlich auch nicht geprüft.
Auch von der Phytophthora-Kartoffel sollen keine allergologischen Risiken ausgehen. Die neu eingebrachten Proteine seien sicher, heißt es aus dem Hause BASF, weil die Ausgangsorganismen zwar bekannt seien, aber eben nicht als Quelle von Allergien. Zudem kämen die Proteine in zahlreichen Pflanzen weltweit vor und diese seien ebenfalls nicht als Allergieauslöser bekannt.

Gen-Kartoffeln gesundheitsschädlich

Die Ergebnisse zahlreicher Tierversuche weisen darauf hin, dass der Verzehr von genmanipulierten Lebens- mitteln Gesundheitsschäden hervorrufen kann.
© littlebell/fotolia

Untersuchungsergebnisse bei Fütterungsversuchen von Ratten mit gentechnisch manipulierten Kartoffeln weisen auf Gefahren durch deren Verzehr hin. Mehrere Studien berichteten von Schädigungen des Immunsystems und von Veränderungen innerer Organe der Versuchstiere.

Doch die Gentech-Zulassungsanträge auf nationaler oder EU-Ebene sind immer wieder lückenhaft: So werden Hinweise auf negative Effekte nicht verfolgt oder bestimmte Fragen ausgeklammert. Zulassungsanträge der BASF fallen dabei durch ihre ausgesprochen schlechte Qualität auf. Selbst die als wenig kritisch bekannte EFSA erkennt zahlreiche Ungereimtheiten.
So sollte die Sicherheit einer Gen-Kartoffel mit Fütterungsversuchen belegt werden, in der Ratten 90 Tage lang fünf Prozent gefriergetrocknete Kartoffeln zu fressen erhielten. In anderen Untersuchungen betrug der GVO-Anteil immerhin bis zu 30 Prozent. Doch selbst mit diesem geringen manipulierten Anteil und trotz des kurzen Zeitraums, konnten negative gesundheitliche Effekte in Blut und Organen festgestellt werden.
In einer weiteren Studie wurden 16 Kühe für acht Wochen mit genmanipulierten Kartoffelabfällen aus der industriellen Stärkegewinnung gefüttert. Es wurden keine Gesundheitsparameter wie zum Beispiel Blut oder Urin untersucht sondern lediglich das Gewicht der Tiere gemessen.

Besonders kritisch zu bewerten ist, dass kein Versuch mit frischen Kartoffeln durchgeführt wurde, weder roh, wie sie an Kühe verfüttert werden oder Wildtiere auf dem Acker fressen können, noch gekocht, wie sie von Menschen verzehrt würden.
Die Sicherheit einer Gen-Kartoffel Modena soll ebenfalls ein Fütterungsversuch belegen in dem Ratten 90 Tage lang 15 Prozent bzw. 30 Prozent gefriergetrocknete Kartoffeln zu fressen bekamen. Darüber hinaus seien basierend auf den Ergebnissen der durchgeführten Zusammensetzungsanalyse der Inhaltstoffe der Gen-Kartoffel keine Gefahren identifiziert worden und daher auch keine Überprüfung der gesamten Lebens- oder Futtermittel erforderlich.

Auch mit der Gen-Kartoffel Fortuna wurden Ratten 90 Tage lang mit 15 Prozent bzw. 30 Prozent gefriergetrockneten Kartoffeln gefüttert. Auch hier wird daraus gefolgert, dass die Gen-Kartoffel so sicher sei wie ihr herkömmliches Gegenstück. Eine Gesundheitsgefahr könne auch deshalb ausgeschlossen werden, weil die zwei Proteine aus der Wildkartoffel bereits von den Ureinwohnern Amerikas verzehrt worden seien und sogar in kommerziell angebauten Kartoffelsorten in der EU enthalten seien. Das dritte Gen käme weltweit vor und sei nicht als giftig bekannt. Dass durch den manipulierten Einbau von Proteinen neue Konstrukte entstehen und damit eine Veränderung der Proteinzusammensetzung einhergeht, die mit unbekannten Effekten einhergeht, wird wie üblich außer Acht gelassen.

Völlig außen vor bleiben auch mögliche Gefahren auf Nichtzielorganismen, Kartoffelbeeren fressende Tiere oder Tiere, die sich von Kartoffelpflanzen ernähren, wie Wildschweine, Vögel, Mäuse und Spitzmäuse. Mehr als zehn Vogelarten sind Nachtschattenbeerenfresser, darunter Mönchsgrasmücken, Amseln, Rotkehlchen, Grauschnäpper, Stare, Gimpel und Blaumeisen.

Anbau von Gen-Kartoffeln in Nordamerika bisher unmöglich

Bisher scheiterte der US-Gentechnikkonzern Monsanto mit seinen Versuchen, genmanipulierte Kartoffeln in Nordamerika zu kommerzialisieren. In Nordamerika werden derzeit keine gentechnisch manipulierten Kartoffeln kommerziell angebaut. Aber die Gen-Kartoffel hat bereits eine bewegte Geschichte in den USA und Kanada hinter sich.
Zwischen 1996 und 2001 hat Monsanto mehrere Gen-Kartoffeln mit Resistenzen gegen Insekten und Viruserkrankungen auf den Markt gebracht. Einige Farmer haben die Gen-Kartoffeln auch angebaut, aber die Anbauflächen haben zwei bis drei Prozent der gesamten Kartoffelernte nicht überschritten. Große Unternehmen wie Procter & Gamble Co und McDonalds weigerten sich aber Gen-Kartoffeln zu verwenden. Der Grund war vor allem die Skepsis der Verbraucher gegenüber gentechnisch manipulierten Lebensmitteln. Auch mussten sie mit erheblichen Exporteinbußen rechnen, da auch Europa und Japan die Gen-Kartoffeln nicht abnehmen wollten. Im Jahr 2000 stoppte McCain die Verarbeitung von Gen-Kartoffeln und andere Hersteller folgten. Im März 2001 nahm Monsanto die Gen-Kartoffelsorten vom Markt.

Für Gen-Kartoffeln besteht in Europa kein Bedarf

Weltweit war die Stärke-Kartoffel Amflora die einzige in letzter Zeit genutzte Gen-Kartoffel. Sie wurde 2010 in Tschechien auf 150 Hektar, in Schweden auf 80 Hektar und in Deutschland auf 15 Hektar angebaut, bereits 2011 war die Anbaufläche in Schweden und Deutschland auf zwei Hektar geschrumpft. Anfang 2012 hat BASF Plant Science die weitere Vermarktung komplett eingestellt.
Nach wie vor gibt es in Deutschland und Europa keinen Bedarf für die genmanipulierte Stärke- oder gar Speisekartoffeln. Fachleute und Züchter bestätigen, dass mit der konventionellen Züchtung gute Zuchterfolge bei Stärkekartoffeln erzielt werde und dass es konventionell gezüchtete Kartoffelsorten gibt, deren Amylopektingehalt ähnlich dem der Gen-Kartoffel ist.
Vor allem die VerbraucherInnen sind nicht bereit gentechnisch manipulierte Produkte im Essen zu akzeptieren. Dies spiegelt sich in der Forderung des Handels und der Industrie nach Lieferung gentechnikfreier Ware wider. Dementsprechend sind Produkte aus gentechnisch manipulierten Pflanzen praktisch überhaupt nicht in den europäischen Supermärkten zu finden. Unkalkulierbare Risiken der Schadenshaftung bei Kontamination führen außerdem dazu, dass sich viele Bäuerinnen und Bauern gar nicht erst auf das Experiment des Anbaus einlassen.

Koexistenz unmöglich
Kartoffelblüte

Kartoffelblüte: Besonders problematisch ist die Produktion von Pflanzkartoffeln. Allein aus einer falsch vermehrten Knolle können viele Tausend werden.
Petra Hegewald / pixelio

Eine Koexistenz bei einem Anbau von genmanipulierten Kartoffeln ist nicht möglich. Denn es gibt zu viele Kontaminationsmöglichkeiten während der gesamten Produktionskette, von der Züchtung neuer Kartoffelsorten bis zum verarbeiteten Produkt.
Allein bei der Ernte bleiben Tausende kleinerer Kartoffeln auf dem Acker zurück, je nach Witterungsbedingungen können das 10.000 bis 35.000 Kartoffeln je Hektar sein. Selbst wenn nur ein Prozent der Ernte auf dem Feld zurückbleibt, sind das 300 bis 400 Kilogramm Kartoffeln pro Hektar.

Im Gegensatz zu Getreide keimen Kartoffeln nicht nur aus einem Samenkorn, sondern aus jedem so genannten Auge in der Kartoffelschale. Die verbleibenden Knollen können überwintern und im Folgejahr zu vollständigen Pflanzen auswachsen. Bis zu vier Jahre nach dem Kartoffelanbau können die Durchwuchsknollen noch aufkeimen. Insbesondere angesichts der Erhöhung des Stärkegehalts bei der Gen-Kartoffel Modena ist noch von einer Erhöhung der Anzahl keimfähiger Kartoffeln, die im Boden verbleiben, auszugehen.
Zwischen Wintergetreide, Mais oder Raps bleiben sie oft unentdeckt. So können die Kartoffeln wieder Knollen ausbilden, die im nächsten Jahr erneut auskeimen. Die zunehmend milderen Winter können diesen Effekt verstärken. Studien aus Schottland und England berichten schon jetzt von einem steigenden Aufkommen von Durchwuchspflanzen, sogar aus Kartoffelsamen in den Folgekulturen.
Überbetrieblich genutzter Maschineneinsatz in Form von Rodegemeinschaften ist beim Kartoffelanbau die Regel. Eine besonders sorgfältige und gewissenhafte Reinigung erfolgt üblicherweise nicht. Besonders kritisch ist der Verbleib von Erde im bzw. am Roder, worüber Samen sowie Kartoffelstückchen mit keimfähigen Augen verbreitet werden können.

Weitere Kontaminationsquellen sind Verschleppung durch Wildtiere, Transport, Umladevorgänge, Lagerung, Sortierung, Absacken der Kartoffeln. Besonders problematisch ist die Produktion von Pflanzkartoffeln. Allein aus einer falsch vermehrten Knolle können viele Tausend werden.
Die meisten Stärkefabriken produzieren parallel Rohstoffe für die Industrie und die Lebensmittelwirtschaft. Die Südstärke zum Beispiel produziert ca. zehn Prozent des europäischen Stärkebedarfs und beliefert auch Lebensmittelkonzerne wie Nestlé und Unilever, die die Gentechnikfreiheit ihrer Produkte auch weiterhin garantieren wollen. Sogar Branchenführer wie AVEBE geben zu, eine vollständige Trennung sei kaum zu bewerkstelligen.

Zusatzkosten durch Gentechnik

Sollte die Gentechnik-Kartoffel in der EU angebaut werden, gefährdet dies die wirtschaftliche Existenz von Unternehmen, insbesondere solcher, die im Lebens- und Futtermittelbereich tätig sind und auch in Zukunft auf gentechnikfreie Erzeugung setzen wollen.
Nur einzelne Agrokonzerne streichen satte Gewinne für ihre „Erfindungen“ ein. Landwirte und Lebensmittelhersteller müssen die Zeche zahlen. Allein die Preise für Saatgut haben sich bei Pflanzen, die auch genmanipuliert angeboten werden, in den letzten 30 Jahren um das Fünffache erhöht.
Erfahrungen aus Ländern mit Anbau von Gen-Pflanzen zeigen, dass die Trennung von herkömmlicher und gentechnischer Ware sehr kostspielig ist. So verursacht die Trennung bei Soja, das in Brasilien auf Tausenden Hektar angebaut und in Großeinheiten verschifft wird, zusätzliche Kosten von fünf bis zehn Prozent je Tonne.

Auch in der Stärkeproduktion und Nahrungsmittelverarbeitung ist Warenstofftrennung finanziell nicht tragbar. Die Kosten entstehen insbesondere durch die erforderlichen betrieblichen Reinigungen, technische Um- bzw. Neubauten, einer getrennten Erfassung, Lagerung und Verarbeitung sowie zusätzlichen Verwaltungs-, Labor-, Analysekosten. Bei Soja hat sich z.B. herausgestellt, dass eine kombinierte Verarbeitung aus Gründen der Verschleppung in der Anlage nicht praktikabel ist.
Nach Angaben von industrienahen Experten betragen allein die Kosten zum Erhalt der gentechnikfreien Lebensmittelproduktion in der EU und Japan jährlich 100 Millionen Dollar. So zahlt ein mittelständisches Unternehmen für die Vermeidung von Agro-Gentechnik bis zu mehreren hunderttausend Euro im Jahr. Zusätzlich muss auch der Handel erhebliche Aufwendungen leisten.

Zu den laufenden Kosten müssen Unternehmen durch Kontaminationsfälle mit erheblichen Schäden rechnen. Bekannte Schadensfälle lassen sich weltweit mit mehreren Milliarden US Dollar beziffern. Dabei werden die Kosten bislang ausschließlich von konventionellen Saatguterzeugern, gentechnikfrei wirtschaftenden Landwirten, Herstellern und Händlern sowie von staatlichen Kontrollämtern getragen.
Die Lebensmittelverarbeitung reagiert deutlich sensibler auf Skandale als der Futtermittelmarkt. Immer wieder werden Kontaminationen von Lebensmitteln mit illegalen Gen-Pflanzen wie Reis oder Leinsamen bekannt. Etliche Markenhersteller kaufen Rohstoffe nicht mehr in Ländern, in denen auch manipulierte Pflanzen angebaut werden. Solche Skandale können sich Bäcker und Müller in Deutschland nicht leisten und es wäre das Aus privatwirtschaftlicher Betriebe, weil diese mit ihrem Namen für die Qualität ihrer Arbeit stehen.

Auskreuzung in andere Kartoffelarten
Kartoffeln

Viele alte Kartoffelsorten haben sich an die klimatischen Bedingungen in den Anbauländern angepasst. Ihr Erhalt ist elementar für die Ernährungssouveränität in diesen Ländern.
© Dieter Schütz / pixelio

Eine Übertragung der neuen gentechnisch eingebauten Eigenschaften auf andere Kartoffelpflanzen und eine Weiterverbreitung kann nicht ausgeschlossen werden. Kartoffeln vermehren sich zwar hauptsächlich vegetativ über die Knollen, sind aber auch zur Samenbildung fähig. Die Samen sind bis zu 13 Jahren keimfähig. Diese Samen können auch Trocken- und Kälteperioden überstehen.

Die Annahme, dass die Pollen nur zehn Meter weit übertragen werden, ist nicht gesichert. Es gibt Untersuchungen, die einen deutlich weiteren Pollenflug bis zu 1000 Metern nachweisen. Die Kartoffel ist eine selbst- und insektenbestäubte Pflanze. Insektenbestäubung spielt im Zusammenhang mit der Pollenverbreitung eine große Rolle. Die Kartoffelblüten werden von Schwebfliegen, Hummeln, Honigbienen, Wespen, Schmeißfliegen, Libellen, Schmetterlingen und Nachtfaltern besucht. Weitere Besucher sind vermutlich Rapsglanzkäfer, Schimmelkäfer, Tangfliegen und Goldfliegen. In Untersuchungen mit insektenblütigen Pflanzen wurden auch bei sehr großen Abständen Kreuzbefruchtungen nachgewiesen. Es ist daher nicht auszuschließen, dass es zu einer Verbreitung der Transgene über die Kreuzung mit nicht gentechnisch veränderten Kartoffeln kommen kann. Eine Verunreinigung konventioneller Kartoffelpflanzen ist sehr wahrscheinlich.

Das Unternehmen BASF

Die BASF ist eines der weltweit größten Chemieunternehmen mit über 111.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 73,5 Milliarden Euro (2011). Das größte Geschäft macht die BASF mit der Chemiesparte, die Bereiche Landwirtschaft und Ernährung sind weniger umsatzstark. Der Konzern investiert seit 1998 stark in die Forschung und Entwicklung im Bereich Agrogentechnik. Weltweit arbeiten rund 10.100 Mitarbeiter in Forschung und Entwicklung. 2011 wurden gut 1,6 Milliarden für Forschung und Entwicklung ausgegeben. Global wird mit 1950 Universitäten, Forschungsinstituten, und Industriepartnern kooperiert.

Die BASF-Gentechnik-Tochter, BASF Plant Science, gehört zu den führenden Unternehmen im Bereich der Genomanalyse und in der Entdeckung und Nutzung von pflanzlichen Eigenschaften, so genannter Traits. Die damit verknüpfte Patentierung ist wesentlicher Teil der Strategie der BASF.
BASF Plant Science unterhält Partnerschaften mit führenden Saatgutkonzernen unter anderem in den USA mit Cargill und in Brasilien mit dem Centro de Tecnologia Canavieira (CTC) sowie in Deutschland mit der Bayer CropScience AG und der KWS Saat AG. Mit dem Agrarmulti Monsanto arbeitet BASF Plant Science seit 2007 in der branchengrößten Kooperation zusammen. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Genpflanzen aus Mais, Weizen, Soja, Raps und Baumwolle.
Anfang 2012 hatte sich die BASF Plant Science aus Deutschland zurückgezogen und ihren Forschungsstandort in die USA verlegt. Nun will sie sich voll auf die Hauptmärkte in Nord- und Südamerika und den Zukunftsmarkt Asien konzentrieren. Bislang ist der große wirtschaftliche Erfolg mit den Genpflanzen aber ausgeblieben. Die Einführung der Gen-Kartoffel Amflora ist gescheitert. Zwar sind in den USA ein Gen-Mais und in Brasilien eine Gen-Soja der BASF zugelassen. Aber kommerziell genutzt werden sie noch nicht.

Dezember 2012