Facebook .
Twitter .
Menü
Home  trenner  Archiv Gentechnik  trenner  Abgeschlossene Aktionen  trenner  Reaktion der KWS

Mit diesem Schreiben antwortete die KWS auf unsere Online-Protestaktion (Februar 2008)

Sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank für Ihr E-Mailschreiben zu den geplanten Freilandversuchen der KWS SAAT AG, das uns in Kopie erreicht hat. Wir respektieren Ihre Entscheidung, sich gegen die geplanten Freilandversuche auszusprechen, und möchten auf die in Ihrer E-Mail ausgedrückten Befürchtungen und Forderungen eingehen. Gestatten Sie uns deshalb einige Anmerkungen zum Hintergrund unserer Feldversuche als auch zu Ihren Bedenken im Einzelnen.

Das Kerngeschäft der KWS ist es, mit modernen Methoden Pflanzen für zukünftige Aufgaben zu züchten. In der Forschung und Entwicklung geht es dabei nicht um die Kunden und Märkte von heute, sondern um die im Jahre 2015 und danach. Die KWS SAAT AG greift also frühzeitig wichtige Zukunftsfragen auf.
Das beinhaltet zum Beispiel die Frage nach weniger und unbedenklicheren Pflanzenschutzmitteln im landwirtschaftlichen Anbau oder die Frage, wie über die Nutzung geeigneter Pflanzen der Anteil erneuerbarer Energien als Alternative zu den begrenzten, teuren und klimabelastenden fossilen Energien (Erdöl, Erdgas) sinnvoll erhöht werden kann. Die Verknappung verfügbarer Ressourcen bei Agrarflächen und Wasservorräten erfordern es, nach neuen Ansätzen und Lösungen zu suchen.

Die Grüne Gentechnik ist in diesem Zusammenhang nur ein sehr kleiner Bausstein im Forschungs- und Geschäftsbereich der KWS. Diese Technologie nutzt das Unternehmen in seiner Forschung und Entwicklung nur dort, wo herkömmliche Züchtungsmethoden an ihre Grenzen stossen. Der Einsatz gentechnisch veränderter Pflanzen kann auf zwanzig Jahre Forschung und mehr als zehn Jahre Erfahrung im praktischen Anbau zurückblicken. Seit es
die Grüne Gentechnik gibt, gelten in der Pflanzenzüchtung umfangreiche und strenge gesetzliche Vorschriften. Die KWS steht für einen behutsamen und verantwortungsvollen Umgang mit dieser Technologie und bewertet vor dem Antrag auf Zulassung jeden Einzelfall kritisch hinsichtlich Nutzen und Risiko.

Zu unseren Freilandversuchen:

Bei den Freilandversuchen mit gentechnisch veränderten Zuckerrüben handelt es sich um ein reines Forschungsvorhaben auf kleiner Fläche. Die Versuche dienen ausschliesslich der Gewinnung von Daten zum Anbau unter europäischen Boden- und Klimaverhältnissen. Dem voraus ging eine lange umfassende Labor- und Gewächshausphase sowie bereits gesammelte, umfangreiche Erfahrungen vor allem aus dem Anbau in Nordamerika. Anders als von Ihnen befürchtet stellen die Versuche keine Gefahr für Mensch, Natur und Umwelt dar. Lassen Sie uns dies im Einzelnen aufzeigen:

1. Auskreuzen: Die Zuckerrübe hat eine zweijährige Vegetationsperiode. Erst nach dem Winter bildet sie Blüten und Samen. Beim Zuckerrübenanbau wird die Frucht jedoch noch vor dem Winter und damit vor der Blüte geerntet. Dadurch ist ein Auskreuzen der Zuckerrübe auf verwandte Pflanzen praktisch nicht möglich. Im vorgesehenen Freilandversuch werden eventuell auftretende Schosser sofort entfernt.

2. Resistenzbildung: Der Wirkstoff Glyphosat als Bestandteil des Unkrautbekämpfungsmittels Roundup ist seit 1976 in Deutschland zugelassen. Er ist seitdem weit verbreitet und unschädlich im Einsatz. Gerade die von Ihnen genannte britische Farm Scale Evaluations, ein Vier-Jahres-Forschungsprogramm unabhängiger Wissenschaftler, konnte die Sicherheit vieler umfangreicher Freilandversuche mit herbizidtoleranten Kulturpflanzen für Mensch, Natur und Umwelt belegen. Vor allem die
gentechnisch veränderte Zuckerrübe zeigte sich hier in der Unkrautbekämpfung sehr effizient. Trotz seiner Anwendung seit über 25 Jahren in der Landwirtschaft treten beim Einsatz von Glyphosat sehr viel weniger Resistenzen auf als beim Einsatz anderer Herbizide. Weitere Informationen finden Sie unter
www.weedscience.org/Summary/UspeciesMOA.asp)
Resistenzbildung von Unkräutern bei Anwendung von Herbiziden ist davon abgesehen ein normaler und bekannter Vorgang und geschieht unabhängig davon, ob die Pflanzen mit Gentechnik oder klassischer Züchtung entstanden sind.

3. Gefahr für Mensch und Umwelt: Das BVL sowie die jeweiligen Behörden der Länder überwachen den Einsatz von Roundup/Glyphosat und dessen Wirkung auf Mensch und Umwelt. Ergebnis aus 25 Jahren Begleitforschung: Unter Einhaltung der gesetzlichen Anwendungsbestimmungen birgt der Einsatz von Roundup/Glyphosat keine schädlichen Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit oder auf den Naturhaushalt in sich. Glyphosat ist umweltverträglich, da es leicht und schnell biologisch abbaubar ist, vollständig metabolisiert wird und zudem eine geringe Mobilität besitzt. Es ist nicht giftig und schädigt weder Organe, Stoffwechsel oder Nachkommen von Säugetieren und Amphibien. Auch die einzelne Studie zu Wirkungen auf menschliche DNA und Gebärmutterzellen ist eine reine Laborstudie und hat keine Praxisrelevanz für Lebewesen. Die Schlussfolgerungen dieses Einzelexperiments widersprechen den umfassenden Daten von Lebewesen und Feldstudien, die unter realen Bedingungen erfasst wurden. Auch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) sah hierin keinen Anlass, um die Zulassung von Roundup/Glyphosat in Frage zu stellen.

Wir möchten unsere Freilandversuche sowie unsere gentechnische Arbeit so transparent wie möglich gestalten. Neben Informationsveranstaltungen für interessierte Bürger finden Sie deshalb weitere Informationen hierzu im Internet unter: www.kws.de/freilandversuche. Ihre offenen Fragen nimmt die KWS gern per E-Mail oder am Telefon entgegen. (E-Mail: gentechnik@kws.com; Tel.-Nr.: 05561/311-874).

Mit freundlichen Grüssen aus Einbeck,
Dr. Henning von der Ohe
KWS SAAT AG - Unternehmensentwicklung & Kommunikation