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Freisetzungen von genmanipuliertem Weizen geplant

Gen-Weizen bedroht Erbe der Menschheit

Freisetzungsversuch mit Gen-Weizen durchgewinkt -
Erbe der Menschheit Privateigentum?

24.11.2006: Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat Ende November die Freisetzung von Gen-Weizen im sachsen-anhaltinischen Gatersleben genehmigt. Gegen den Versuch hat das Umweltinstitut München im September mehr als 30.000 Einwendungen überreicht. Wegen langjähriger öffentlicher Parteinahme für die Agro-Gentechnik und des Verdachts der Befangenheit haben wir unmittelbar nach der Genehmigung eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen zwei leitende Beamte der Bundesbehörde eingereicht.

28.11.2006: Wenige Tage später wurde bekannt, dass das BVL in seinem Genehmigungsbescheid die Kontamination der wertvollen Saatgutbestände der Genbank für rechtmäßig erklärt hatte. Das BVL schließt eine Verunreinigung der Genbank nicht aus, begründet die Zulassung aber damit, dass die Genbank Eigentum des antragstellenden Instituts für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) sei. Das IPK, eine Stiftung des öffentlichen Rechts, könne als Eigentümer mit der Sache nach Belieben verfahren. Doch bei den Pflanzen in der Genbank handelt es sich um einen zentralen Bestandteil der Kulturgeschichte der Menschheit und nicht um Privateigentum, das man nach Belieben zerstören kann.

© Umweltinstitut München e.V.

September 2006: Über 30.000 haben eingewendet!
Das Umweltinstitut München e.V. hat dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) im September mehr als 30.000 Einwendungen überstellt.
Zum ersten Mal seit 2004 ist in Deutschland wieder ein Freisetzungsversuch mit genmanipuliertem Weizen geplant. Der Versuchsacker des Instituts für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) liegt in unmittelbarer Nähe zu den Anbauflächen einer der weltgrößten Genbanken im sachsen-anhaltinischen Gatersleben. Dort lagern Tausende alter Weizensorten, die zur Erhaltung immer wieder im Freiland angebaut werden müssen.

Die „Lebensversicherung der Menschheit“
Eine gentechnische Verunreinigung dieses Menschheitserbes durch Pollenflug oder Verschleppung durch Tiere wäre ein unersetzlicher Verlust für zukünftige Züchtungsbemühungen. Denn alte Sorten, so genannte Herkünfte, enthalten vielfach Resistenzen gegen verschiedene Krankheiten und klimatische Bedingungen wie Trockenheit oder salzige Böden. Experten bezeichnen sie daher als „Lebensversicherung der Menschheit“.

Millionen aus der Tasche des Steuerzahlers
Bislang sind alle geplanten Freisetzungen von Gen-Weizen in der BRD am Widerstand von Umweltorganisationen gescheitert. Denn Weizen ist eine der zentralen Nahrungspflanzen für die Weltbevölkerung. Auf Grund der breiten Ablehnung in der Bevölkerung ist Gen-Weizen weltweit unverkäuflich. Als Stiftung des Bundes und der Bundesländer sollte sich das IPK nachhaltiger Züchtungsforschung zuwenden, anstatt mit Millionenbeträgen aus der Tasche des Steuerzahlers eine gesellschaftlich nicht akzeptierte Risikotechnologie wie die Gentechnik zu forcieren.

Gen-Weizen in unseren Bäckereien?
Die Weizenpflanzen, die in Gatersleben freigesetzt werden sollen, wurden gentechnisch so manipuliert, dass sie unter anderem einen erhöhten Protein-Gehalt aufweisen. Damit soll angeblich die Nutzung als Futtergetreide verbessert werden. Und die Genlobby tut so, als ob das mit unserer Ernährung nichts zu tun hätte. Sie tut so, als ob wir die gefütterten Tiere und deren Milch nicht verzehren würden. Zudem ist es offensichtlich, dass der Gen-Weizen von Gatersleben eine Türöffnerfunktion haben soll. Denn wenn solche Versuche genehmigt werden, ist es nur eine Frage der Zeit, bis genmanipulierter Weizen in unsere Bäckereien gelangt. Die Ziele der Genforschung werden nach wie vor verschleiert, um uns in Sicherheit zu wiegen und ungestört die gentechnische Inbesitznahme unserer Lebensmittel voranzubringen.

Mehr Pestizide, unwirksame Antibiotika
Völlig inakzeptabel sind auch die weiteren Eigenschaften, die in den Gen-Weizen eingebracht wurden. So wurden die Pflanzen resistent gemacht gegen Basta®, ein Totalherbizid des Bayer-Konzerns. Herbizidresistente Gen-Pflanzen haben einen negativen Einfluss auf die biologische Vielfalt. Außerdem erhöhen sie nach kurzer Zeit den Pestizideinsatz auf den Äckern, weil sie die Ausbildung resistenter Ackerkräuter fördern. Zusätzlich enthalten die genmanipulierten Weizenpflanzen so genannte Antibiotikaresistenzgene gegen die in der Humanmedizin verwendeten Stoffe Ampicillin und Streptomycin. Sie werden eingebaut, um die Pflanzen im Labor selektieren zu können. Selbst die gentechnikfreundliche europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA fordert, diese Antibiotikaresistenzgene ab 2009 nicht mehr zu verwenden. Denn die entsprechenden Antibiotika drohen durch den Verzehr der genmanipulierten Pflanzen unwirksam zu werden.

Abgeschlossene Aktivitäten des Umweltinstitut München gegen Freisetzungsversuche mit genmanipulierten Pflanzen im Jahr 2006.
1. "Zeaxanthin-Kartoffel"
krasse kartoffel

© Umweltinstitut München e.V.

Die TU München hat die Teilgenehmigung für einen Freisetzungsversuch mit gentechnisch veränderten Kartoffeln in Olching (Landkreis Fürstenfeldbruck) und Oberviehhausen (Landkreis Deggendorf) erhalten. Die Kartoffeln enthalten einen erhöhten Anteil des Carotinoids Zeaxanthin und sollen vor Augenleiden schützen, die nach zu geringem Konsum von Gemüse auftreten können. Das Umweltinstitut München hatte zudem haarsträubende Fehler in der öffentlichen Bekanntmachung der Genehmigungsbehörde, dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit aufgedeckt. Die Behörde musste daraufhin das Verfahren der Öffentlichkeitsbeteiligung für Olching wiederholen. Zumindest im Jahr 2006 kann der Teilversuch in Olching daher aus zeitlichen Gründen nicht mehr stattfinden. In Oberviehhausen konnte die Freisetzung aber erfolgen. Insgesamt 5500 Einwender schlossen sich der Kritik des Umweltinstitut München an und unterzeichneten unsere Mustereinwendung.

2. "Cholera-Kartoffeln"
krasse kartoffel 2

© Umweltintitut München e.V.

Die Universität Rostock führt eine Freisetzung mit genmanipulierten Kartoffeln durch. Die Wissenschaftler experimentieren mit Genen aus dem Cholera-Bakterium, mit einem Virus, der die hämorrhagische Kaninchenkrankheit (Chinaseuche) hervorruft, und mit einem bakteriellen Gen, das die Produktion von Plastik ermöglichen soll. Es handelt sich um die erste Freisetzungsversuch mit sogenannten "Pharma-Pflanzen" in Deutschland. Trotz erheblicher Risiken für Umwelt und Gesundheit durften die Kartoffeln auf den Acker gebracht werden. Neben dem Umweltinstitut München hatte auch eine der beteiligten Behörden, das Bundesamt für Naturschutz, dringend vom Anbau der Pharma-Kartoffeln abgeraten. Darüber hinaus wendeten 2000 Bürgerinnen und Bürger mit Hilfe unserer Mustereinwendung gegen den Versuch ein.

Stand: 5.12.2006