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Dokumentation:

Geplanter Gentechnik-Anbau in Deutschland 2009

Aktuell:

Der Anbau von Monsantos Gen-Mais MON810 wurde am 14.4.2009 vom Bundeslandwirtschaftsministerium verboten. Damit findet in diesem Jahr kein kommerzieller Anbau genmanipulierter Pflanzen in Deutschland statt.
Unsere Pressemitteilung vom 14.4.

In einem Offenen Brief an Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) und Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) fordert das Umweltinstitut München zusammen mit einem breiten Bündnis von Verbänden eine eindeutige Position der Bundesregierung gegen die Zulassung neuer Gentechnik-Maissorten und Monsantos Mais MON810.
Hier können Sie den Offenen Brief lesen

Letzter Stand vor dem Verbot


Genmais-Anbau (09.04.09) Hektar Standorte
Deutschland, noch beantragt  
3.596,1
 
211
bereits zurückgezogen
 
206,7
  12
Bayern, noch beantragt  
67,1
 
17
bereits zurückgezogen
 
10,2
4

In Deutschland werden auch in diesem Jahr gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut. Allerdings ist erstmals seit dem Beginn des kommerziellen Anbaus im Jahr 2005 ein Rückgang der Anbauflächen zu beobachten. Waren im Jahr 2008 anfangs noch rund 4580 Hektar genmanipulierter Mais zur Aussaat vorgesehen (angebaut wurden schließlich  3171 Hektar), sind es in diesem Jahr nur rund 3800 Hektar: ein Minus von rund 800 Hektar.

Für den Rückgang gibt es mehrere Gründe:

- Genmais-Anbau rechnet sich nicht: Nach einer Studie des Sächsischen Landwirtschaftsministeriums ist Gen-Mais nur gewinnträchtig, wenn der Insektenbefall sehr hoch ist und der Ertrag um rund fünf Prozent steigt. Fazit: "Der Anbau des Bt-Maises war in beiden Untersuchungsjahren im Exaktversuch nicht wirtschaftlich." Auch die von Gentechnik-Verfechtern immer wieder beschworene angeblich bessere Futterqualität von Gentechnik-Mais verweisen die Forscher aus Sachsen ins Reich der Legende: "Der als Arbeitshypothese zum Versuch angenommene futtermittelhygienische Vorteil eines nicht durch Zünsler befallenen Maises konnte nicht bestätigt werden."
- Der stetig wachsende Protest: Nachbarlandwirte, Imker und Verbraucher engagieren sich zunehmend gegen Gentechnikanbau in ihrer Nachbarschaft. Auch die Unverkäuflichkeit von gentechnisch veränderten Lebensmitteln und die konstante Ablehnung der Agro-Gentechnik durch 70 - 80 Prozent der Bevölkerung tragen dazu bei, dass es keine Perspektive für einen noch umfangreicheren Gentechnikanbau in Deutschland gibt.
- Gentechnik-Zentren wie Brandenburg und Sachsen versuchen mittlerweile per Erlass, dem Anbau von genmanipuliertem Mais Einhalt zu gebieten. Bis zu 1000 Meter beträgt der notwendige Abstand zu Naturschutzgebieten. Wer genmanipulierten Mais innerhalb dieser Sicherheitszone anbauen will, muss auf eigene Kosten eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchführen lassen.

Wo wächst der Gen-Mais?

Die Verteilung der Anbauflächen zwischen alten und neuen Bundesländern ist, wie in den vergangenen Jahren, äußerst ungleich. Während Bauern in den alten Bundesländern, mit Ausnahme Bayerns, lediglich auf wenigen Hektar Gen-Mais anbauen, liegen rund 98 Prozent der Flächen in Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.

Derzeit gemeldete Anbaufläche für Gen-Mais in Deutschland 2009
(Stand 31.03.2009)

Fläche Bt-Mais

ha

Standorte
Gesamt 3.616,5 212
Neue Bundesländer  
3.535,8
 
182
Alte Bundesländer  
80,7
 
30
Was wird angebaut?

In Deutschland (und Europa) darf nach wie nur eine einzige genmanipulierte Pflanzenlinie kommerziell angebaut werden: der MON810 des US-Gentechnikkonzerns Monsanto, ein so genannter Bt-Mais. Dieser wurde mit Erbmaterial aus dem Bodenbakterium Bacillus thuringiensis (Bt) gentechnisch so aufgerüstet, dass er einen vor allem für Schmetterlinge giftigen Stoff produziert. Mit ihm soll der Maiszünsler bekämpft werden, ein Schadinsekt, das in Maismonokulturen auftritt. MON810 ist aufgrund von negativen Auswirkungen auf die Umwelt heftig umstritten. In zahlreichen Ländern der EU ist der Anbau dieser Gen-Maislinie daher verboten, unter anderem in Österreich, Ungarn, Polen, Frankreich und Griechenland.

Neue Studien zu Risiken: Keine Neuzulassung von MON810!

Neue Studien lassen für die Diskussion über eine Neuzulassung des Gentechnik-Mais MON810 in der EU nur einen Schluß zu: MON810 muss von Europas Feldern verschwinden, nicht zuletzt wegen aktueller Hinweise auf Gesundheitsrisiken und unerwartete Effekte auf molekularer Ebene.

- In einer italienischen Studie wurden nach der Verfütterung von MON810 insbesondere bei jungen Mäusen Veränderungen im Immunsystem festgestellt. So konnten zum Beispiel erhöhte Werte bei T-Zellen und Interleukinen nachgeweisen werden. Die Werte für andere Immunzellen waren dagegen niedriger als in den Kontrollgruppen. Erhöhte Werte sprechen laut den Autoren für allergene oder entzündliche Reaktionen.
Finamore A. et al. (2008): Intestinal and peripheral immune response to MON810 maize ingestion in weaning and old mice. Journal of Agricultural and Food Chemistry 56 (23), 11533–11539

- In einer weiteren Studie wurden die Effekte des gentechnischen Eingriffs auf verschiedene Proteine im Gen-Mais untersucht. 43 verschiedene Proteine im MON810 scheinen allein aufgrund des gentechnischen Eingriffs verändert zu sein.
Zolla L et al. (2008): Proteomics as a complementary tool for identifying unintended side effects occurring in transgenic maize seeds as a result of genetic modification. Journal of Proteome Research, 7, 1850-61

- Selbst in einer Stellungnahme der gentechnikfreundlichen Europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA werden verschiedenste Effekte von MON810 auf die Umwelt dargestellt. Darunter negative Auswirkungen auf Bodenlebewesen,  im Wasser lebende Insekten und Parasitoide. Weitere negative Effekte, z.B. auf Trauermücken und Nematoden, wurden in deutschen Untersuchungen gefunden.
EFSA (2008): Ersuchen der Europäischen Kommission bezüglich der von Österreich für Mais MON810 und T25 gemäß Artikel 23 der Richtlinie 2001/18/EG geltend gemachten Schutzklausel
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (2005): Monitoring der Umweltwirkungen des Bt-Gens

- Österreichische Wissenschaftler untersuchten eine Kreuzung von MON810 mit der glyphosatresistenten Genmais-Linie NK603. Dabei kamen Sie zu dem Schluß, dass die Verfütterung an Mäuse zu Fertilitätsproblemen führt. Die Forscher stellten "signifikant negative Effekte der GV Diät im dritten und vierten Wurf" fest. Die Tiere bekamen weniger und schmächtigere Nachkommen.
Biological effects of transgenic maize NK603 x MON810 fed in long term reproduction studies in mice

Wie erfolgreich wird der Protest?

Interessant verspricht erneut die Frage zu werden, wie viel Druck Verbraucher und Bauern auf potentielle Gentechnik-Anbauer ausüben können, damit diese ihre Anbaupläne aufgeben. In den vergangenen Jahren war der Protest vor Ort oftmals erfolgreich: 2007 war die tatsächliche Anbaufläche von Bt-Mais um rund 1000 Hektar geringer als ursprünglich angemeldet. Im Jahr 2008 wurden sogar 1400 Hektar Gen-Mais weniger angebaut als anfänglich geplant.

 
Anbau von Bt-Mais
 
Fläche in ha
 
Ursprünglich gemeldet
 
2005
 
342
 
1.087
 
2006
 
945
 
2.004
 
2007
 
2.684
 
3.623
2008 3.171 4.577
2009 0 3.803


Engagierte Verbraucherinnen und Verbraucher können sich im Internet darüber informieren, ob Gentechnik-Felder in ihrer Nähe angemeldet sind. Die genaue Lage einzelner Flächen erfahren Sie im amtlichen Standortregister durch Anklicken der entsprechenden Flächennummer.