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Interview mit Ansuman Das:

Lokale Landwirtschaft statt Gentechnik

Anshuman Das ist Geschäftsführer und Leiter der indischen NGO Development Research Communication & Services Centre (DRCSC) mit Sitz in Kalkutta. Ziel der Organisation ist es, durch eine gemeinschaftliche und nachhaltige Landnutzung die Lebensbedingungen der armen Landbevölkerung zu verbessern. Die Ernährungssicherung durch ökologischen Landbau steht im Zentrum der Aktivitäten von DRCSC.
Anshuman Das besuchte das Umweltinstitut München im Rahmen einer Reise auf Einladung der Indienhilfe e.V. Herrsching. Ziel des Treffens war der Austausch über aktuelle Entwicklungen und Aktivitäten im Umwelt- und Klimaschutz.

Umweltinstitut München e.V. (UIM): Sie setzen sich für die Ernährungssicherung der armen ländlichen Bevölkerung Indiens ein. Wie viele Menschen müssen in Ihrem Land hungern?

Anshuman Das: Trotz einer Reihe von staatlichen Programmen sinkt die Zahl der unterernährten Menschen in Indien nicht. Es ist schwer, die genaue Zahl der Menschen mit unsicherer Lebensmittelversorgung zu ermitteln. Aber wir können sagen, dass in Indien, dem zweitbevölkerungsreichsten Land der Welt, seit Mitte der 1990er Jahre 30 Millionen Menschen Hunger leiden und 46 Prozent der Kinder untergewichtig sind. Laut einer FAO-Studie aus dem Jahr 2008 beträgt die Zahl der Menschen mit ungesicherter Lebensmittelversorgung in Indien 200 Millionen. Obwohl wir mehr als 100.000 Millionäre haben und sogar zwei Personen zu den zehn reichsten Menschen der Welt gehören, gibt es gleichzeitig mehr als 300 Millionen Menschen, deren monatliches Einkommen weniger als 300 Rupien (4,54 Euro) beträgt.

Wer ist der Arme und wer gehört zur Elite? Das ist das Thema einer feurigen Auseinandersetzung in Indien. Nach der Planungskommission leben 27 Prozent der indischen Bevölkerung in Armut. Laut dem Suresh Tendulkar Committee sind es sogar 38 Prozent und Arjun Sevender schätzt die Zahl der Bedürftigen auf 77 Prozent. Der Pro-Kopf-Verzehr von Lebensmitteln lag im Jahr 1983 bei 2309 Kcal, 1998 sank er auf 2011 Kcal. In Staaten wie Orissa, Madhya Pradesh, Karnataka, Rajastan & West Bengal liegt der durchschnittliche Pro-Kopf-Verzehr von Lebensmitteln heute nur noch bei 1890 Kcal. Von 1897 bis 1902, in der britischen Periode, lag die Nahrungsaufnahme pro Kopf bei 199 kg im Jahr. Seit 2002/03 ist unser Land zum Exporteur von Getreide geworden, aber der Pro-Kopf-Verbrauch liegt nur noch bei 142 kg.


UIM: Was sind die Ursachen der schlechten Nahrungsmittelversorgung?

Das: Die Nahrungsmittelproduktion in Indien war nie wirklich schlecht. Doch ist dies eine umstrittene Aussage, da die Definition von Lebensmitteln rein auf Reis und Weizen reduziert wird. Aber Inder haben viele Arten nicht herkömmlicher Lebensmittel genutzt - die langsam durch westliche, intensiv angebaute Monokulturen ausgerottet werden. Mit der Grünen Revolution in den späten 60er-Jahren stieg die Produktion von Reis und Weizen, aber auf Kosten der "Lebensmittel" der Armen und Kleinbauern.

Der Einsatz von Pestiziden stieg von 600 Millionen Tonnen (2005) auf 800 Millionen Tonnen ( 2008). Über 30 Zentimeter der oberen Bodenschicht werden so ohne zusätzliche Dügergaben unbrauchbar für die Landwirtschaft. Die rücksichtslose Grüne Revolution hat unsere abwechslungsreiche Ernährungsweise und unsere reichlichen und vielfältigen traditionellen Feldfrüchte verdrängt.

Die Grüne Revolution führt zu hohen Ernteerträgen durch fruchtbare Böden und Bewässerungsanlagen. Allerdings sehen die Produktionsbedingungen in Indien anders aus:

  • Die meisten Anbauflächen in Indien sind Regenfeldbau.

  • 70 Prozent sind Kleinbauern, die 30 Prozent Land besitzen, auf der anderen Seite sind 70 Prozent der Landflächen im Besitz von 30 Prozent Großbauern.

  • Die meisten Bauern haben ihre eigene Nahrung produziert. Eine beträchtliche Anzahl von Menschen beziehen ihre Nahrung aus der Natur.
    Es gibt eine große regionale Lebensmittelvielfalt in Indien. Traditionell sind nicht nur der Reisanbau, sondern auch das Vieh, Ente, Huhn, Bäume und Fische in das Produktionssystem eines Kleinbauern eingebunden. Allein Reis und Weizen als die landwirtschaftliche Produktion zu betrachten, bildet nur einen Teil der gesamten Agrarproduktion ab.

  • Es gibt eine große Vielfalt von Ernährungsgewohnheit in Indien. Wenn nur Reis angebaut wird, verhindert dies die Produktion von anderen Getreiden und Ölsaaten.

Die Grüne Revolution ist überhaupt nicht abgestimmt mit dem Produktionssystem in Indien. Im westlichen Landwirtschaftssystem werden einzelne Getreide großflächig angebaut und der Anbau ist hauptsächlich marktorientiert. Während in der indischen Landwirtschaft der Anbau von Kulturpflanzen in erster Linie die eigene Familie ernähren soll. Wir sind jedoch vom traditionellen System in Richtung Kreditvergabe und Subventionierung landwirtschaftlicher Systeme abgewichen. Kurz gesagt, können Zuschüsse nicht an 75 Prozent des indischen Volkes vergeben werden.

Wenn die natürlichen Ressourcen durch chemische Verunreinigungen beeinträchtigt werden, sind alle natürlichen Ressourcen wie etwa Hochland, Feuchtgebiete und Wald entweder verseucht oder nehmen durch den Druck der wachsenden Bevölkerung sehr schnell ab. Dennoch bewegen wir uns auf die nächste grüne Revolution mittels Bio-Technologie zu. Diese ist jedoch nicht kompatibel mit der lokalen (Land-)Wirtschaft, lokal verfügbarem Saatgut und Kleinbauern. Lernen wir aus unseren alten Fehlern oder machen wir einfach Neue!

Aber wir haben auch Probleme mit der Lagerung. In den letzten Jahren hätten von dem Geld, das für Matten/Unterlagen zur Getreidelagerung im Freien ausgegeben wurde, 130 Lagerhallen gebaut werden können! 1 Million Tonnen Getreide hätte in den 130 Nahrungsmittellagern aufbewahrt werden können. Es ist auch wichtig zu erwähnen, , dass in den Jahren 2000 und 2001 verfaultes Getreide weggeworfen wurde, während zur selben Zeit die Menschen in Rajastan und Orissa an Hunger starben

Wir haben auch Probleme mit der Verteilung: Wir haben Essen, aber die Leute haben kein Geld, um Essen zu kaufen. Die Regierung hat viele Programme, um Essen zu sehr günstigen Preisen zu vertreiben, aber das heißt nicht, dass es die Menschen erreicht, weil Schwarzmarkt und Korruption dazwischen stehen.

Diese Probleme gibt es nicht nur in Indien, sondern in allen Ländern der Dritten Welt. Von den 149 Ländern der Dritten Welt müssen 105 ihr Nahrungsgetreide importieren, wodurch zusätzlich die Arbeitslosigkeit steigt.


UIM: Wie kann eine Verbesserung der Produktion von Nahrungsmitteln und der Lebensgrundlagen aus Ihrer Sicht realisiert werden?

Das: Bei der dieser Frage möchte ich den Fokus auf den ländlichen Raum und die Kleinbauern legen.

Zur Verbesserung der Lebensverhältnisse ist eine breit angelegte Strategie nötig. Wir brauchen eine Dezentralisierung von Produktion und Vertrieb sowie die Stärkung der lokalen Wirtschaft. Konkrete Strategien wären zum Beispiel:

  • Das Sammeln von Regenwasser durch bauliche Maßnahmen, pflanzliche Barrieren und Bodenbearbeitung. Denn Wasserknappheit wird ein riesiges Problem werden.
  • Die Rekultivierung degradierter Flächen mit Agroforstsystemen und integrierten Anbaumethoden durch kommunales und gemeinschaftliches Management

  • Die Wiedereinführung von Mischkulturen, die auf einheimischen Pflanzen basieren (Hirse, Hülsenfrüchte, Ölsaaten, usw.) sowie die Nutzung traditioneller und moderner Methoden des Boden- und Wasserschutzes

  • Der Anbau von Leguminosen, Bäumen, Kletterpflanzen und anderen schnell wachsenden und trockenheitsresistenten Pflanzen, die die Verfügbarkeit von Biomasse deutlich erhöhen.

  • Gewährleistung der Versorgung mit hochwertigem Tierfutter und die Verbesserung der Tierhaltung insgesamt vor allem der Kleinst-Viehwirtschaft (einschließlich seltener Tiere, Vögel und Insekten etc. mit Fokus auf Züchtung einheimischer Arten).

  • Mischkultur von Getreide, Hülsenfrüchten, Ölsaaten, Knollen, Gemüse und Kräutern, um die regenwassergestützte Anbauperiode auf sieben bis acht Monate zu verlängern

  • Reaktivierung des Bodenlebens durch den Einsatz organischen Düngers, Gründüngung und die Kompostierung der Ernterückstände.

  • Integration unterschiedlicher landwirtschaftlicher Systeme (saisonale Kulturen, Dauerkulturen, Pflanzenbau, Viehhaltung, Geflügelhaltung, Futtermittelanbau, Aquakultur, Biogas), um durch Diversifizierung die Einkommens- und Ernährungssicherung zu verbessern.

  • Ausbildung der Bauern durch Demonstrationsprojekte, Feldversuche, Praktika und "Learning by Doing"

In den letzten 25 Jahren war es die wichtigste Aufgabe der DRCSC, die
Biomasseproduktion durch diversifizierte Landwirtschaft und nachhaltige Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen zu erhöhen. Eine größere Anzahl von Farmen, die eine bio-diversifizierte Landwirtschaft betreiben und das ganze Jahr über eine Vielzahl unterschiedlicher Produkte erzeugen, wurde die Landwirtschaft wieder eine gangbare Option für Kleinbauern in den unterschiedlichen agro-ökologischen Zonen WestBengalens. Dies hat landwirtschaftlichen Kleinstunternehmern neue Spielräume eröffnet.


UIM: Welche Rolle spielt dabei der ökologische Landbau?

Das: Der ökologische Landbau wird immer mehr zu einer Lizenz zum Gelddrucken, mit dem Hauptziel Export.

Dieses System der Landwirtschaft ist langfristig nicht sinnvoll, weil die Anwendung von organischem Dünger anstelle von chemischen Düngemitteln zwar keine Gifte freisetzt, aber das allein ist nicht genug.
Das aktuelle landwirtschaftliche System kann nur unter Berücksichtigung der Stoffeinträge ins System sowie der Technik und des Anbausystems Stück für Stück geändert werden.

Mischfruchtanbau, Mehrfachnutzung, Etagenanbau, saisonal angepasster Anbau, Nutzung lokalen Saatguts, Regenwassergewinnung für die Bewässerung, ganzheitliche Landwirtschaft und das allmähliche Anreicherung von organischer Substanz im Boden - all diese Techniken sollten angewendet werden. Auch Frage drei gibt dazu Empfehlungen. Zwar sind diese Techniken nicht neu, aber sie müssen von den Bauern erlernt werden.

UIM: Werden Ihre Ideen und Strategien von der Regierung unterstützt?

Das: Nicht die gesamte Strategie, aber Teile davon. Nach dem Scheitern der Grünen Revolution in der Spannungsgebieten Indiens, legte die Regierung neue Programme zur Unterstützung von Nahrungsmittelproduktion und -verteilung auf. Aber ich denke, alle Aktivitäten müssen ganzheitlich geplant werden, auf lokalem Wissen basieren und dezentral durch die lokalen Gemeinschaften umgesetzt werden. Unsere Organisation wird von vielen staatlichen Stellen unterstützt - langsam wird unsere Strategie anerkannt.


UIM: Das Thema Landwirtschaft in Indien wird in den deutschen Medien oft in Zusammenhang mit der Agrogentechnik genannt. Werden Genpflanzen angebaut und wenn ja, welche?

Das: Bisher werden keine gentechnisch veränderten Nahrungspflanzen angebaut. Aber Versuche mit gentechnisch manipulierten Pflanzen sind in Planung. Es gibt einen hochrangigen Ausschuss genannt ‚Gentechnischer Genehmigungsausschuss (GEAC)', an den die Anträge auf Gentechanbau gestellt werden und der seine Bewertung und Zustimmung gibt. GEAC wollte den kommerziellen Anbau von BT-Auberginen genehmigen, aber aufgrund des riesigen Protests der Zivilgesellschaft wurde die Genehmigung zurückgezogen. Bisher wird nur Baumwolle angebaut, einige offizielle und inoffizielle Versuche laufen auch, aber kommerzieller Anbau wird nicht praktiziert.


UIM: Wie sind die Meinungen seitens der Menschen und der Politik zum Thema Gentechnik? Gibt es Vorbehalte ähnlich wie in Deutschland?

Das: Dies kann man gut anhand der BT-Aubergine erklären: Am 14. Oktober 2009 genehmigte das Gentechnik Approval Committee (GEAC) des indischen Umweltministeriums die Freisetzung einer gentechnisch veränderten BT-Aubergine, die ein bakterielles Gift produziert, das Bacillus thuringiensis (Bt)-Toxin . Dies ist giftig für bestimmte Schädlinge. Die Studien zur biologischen Sicherheit kamen von Monsanto, dem Entwickler der BT-Aubergine! Trotzdem wurde die Genehmigung erteilt. Die Art und Weise wie der gesamte Prozess der Genehmigung durch die GEAC vor sich ging, wirft ernste Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Entscheidung auf.

Dies führte sofort im ganzen Land zu enormen Protesten in Medien und Öffentlichkeit, auch viele verantwortungsbewusste, etablierte Wissenschaftler außerhalb Indiens meldeten sich zu Wort. Das Umweltministerium musste die Entscheidung für die Freisetzung verschieben. Der Minister erklärte, er würde eine öffentliche Konsultation durchführen. Nach den Stellungnahmen, die der Minister daraufhin erhielt und den Ergebnissen sieben weiterer nationaler Konsultationen im Januar und Februar 2010, bei denen Stellungnahmen von über 6.000 Landwirten, Wissenschaftlern und Zivilisten, Regierungsvertretern und Nichtregierungsorganisationen eingingen, setzte der Minister ein unbefristetes Moratorium für die Freisetzung von gentechnisch BT-Aubergine auf 9. Februar 2010 fest. Dadurch machte er indirekt klar, dass Indien nicht an ein multinationales Unternehmen oder ein bestimmtes Land gebunden ist.

Schon jetzt gibt es eine starke Opposition gegen GV-Pflanzen-Versuche und Freisetzungen. Es gibt ein Netzwerk von Organisation namens gmfreeindia, darin bin ich auch aktiv. Ich wurde sogar vom indischen Parlament eingeladen, meine Ansichten über GM-Pflanzen zu äußern.


UIM: Welche Konsequenzen hätte eine Ausweitung des Anbaus von Gen-Pflanzen für Ihr Land?

Das: Es gibt viele Bedenken, ich möchte in diesem Zusammenhang die Probleme der Bauern hier erörtern.

  • Die Sicherheitstests und -studien wurden nie sorgfältig und immer sehr schnell durchgeführt. Es gibt eine Reihe von wissenschaftliche Arbeiten aus der ganzen Welt, welche die negativen gesundheitlichen Auswirkungen von GMO beweisen. Alle Tests werden von Mahyco und anderen Pro-GM-Organisationen gemacht.

  • Es ist eine Falschaussage, dass der Frucht- und Sprossenbohrer (FSB) 70 Prozent der Auberginen-Ernte zerstört. Wenn es so wäre, würden wir keine Auberginen anbauen. Es gibt mindestens fünf bis sechs weitere Schädlinge, die auch schwere Schäden verursachen. Gemäß unserer Erfahrung, werden diese innerhalb von zwei bis drei Jahren durch den Anbau von BT-Auberginen zu einer großen Plage. Das führt dann zu vermehrtem Pestizideinsatz. Pestizide werden die Schädlinge die ersten zwei bis drei Jahre reduzieren. Bis dahin wird der FSB dagegen resistent werden.

  • Wir haben viele einheimische Sorten und eine große Zahl an Techniken zur Schädlingsbekämpfung, die die Umwelt nicht schädigen.

  • Indien hat viele kleine und kleinste Bauernhöfe, ein Sicherheitsabstand von nur 30 Metern ist da absurd.

  • Wir haben viele wichtige medizinische Kräuter und Kulturpflanzen. Was passiert, wenn diese kontaminiert werden?

  • GV-Saatgut ist teuer. Indische Bauern nutzen seit 2000 Jahren ihr eigenes Saatgut, das an unsere Agro-Ökologie angepasst ist. In Indien haben wir viele ökologisch angepasste Arten entwickelt und ebenso viele landwirtschaftliche Techniken. Die grüne Revolution hat bereits viele davon zerstört, wir sollten nicht noch mehr Schaden anrichten.

  • Es gibt viele Sorten mit offener Bestäubung (45 Prozent Fremdbestäubung), wie schützen wir das Recht eines Bauern, der keine GMO haben möchte? Und wie schützen wir die Verbraucherrechte?

  • Keine GV-Pflanze der Welt steigert die Erträge. Unsere Anbaumethoden sind ökologisch sinnvoll und wir sind zufrieden mit der Ausbeute. Zum Beispiel soll der Ertrag von BT-Sorten 300 bis 600 Quintal/ha (1 Quintal (Q) = 100 kg = 1 dz = 1 dt) betragen. Unsere durchschnittliche einheimische Aubergine gibt uns 600 bis 700 Q/ha. Ein rein organisch bewirtschaftetes Feld kann bis zu 1000 Q/ha in einer Saison produzieren. Wir haben Auberginen, die bis zu 2 kg wiegen.

  • Wird es irgendeine rechtliche Konsequenz für den Nutzer von GM-Saatgut haben, wenn unsere Pflanzen kontaminiert werden?

  • Wegen des Hybrid-Saatguts, haben wir bereits etliche Reissorten verloren. GV-Pflanzen werden unsere traditionellen Sorten durch Marktkonzentrationen und Kontamination verdrängen. GMO können einen irreversiblen Verlust für unsere Vielfalt bedeuten.


UIM: Freuen sich indische Bauern über den neuen Reichtum durch den Anbau der Gen-Baumwolle von Monsanto oder nicht?

Das: BT-Baumwolle wurde in Indien mit dem Versprechen der Reduzierung der Verwendung von Pestiziden angepriesen. Die Zahlen aus den verschiedenen Staaten und Institutionen zeigen aber, dass es einen Anstieg in der Verwendung von Pestiziden gibt.

  • Veränderung der Schädlinge: Das Auftreten/Vorkommen von Helicoverpa ist zwar reduziert, aber dafür hat sich der Befall mit anderen saugenden Schädlinge wie Wollläusen, Weiße Fliegen, Jassiden erhöht. Und zur Bekämpfung dieser Schädlinge müssen wieder Pestizide eingesetzt werden. Mit der Veränderung der Schädlinge geht eine Verschiebung der Pestiziden einher.

  • Resistente Schädlinge: Es gibt eine deutliche Erhöhung der Schädlingsresistenz, besonders beim Pink bollworm, zeigen die Berichte des Unternehmens. Dies ist ein Anlass zu großer Sorge, denn der einseitige Schädlingsbefall (Insektenfraß nur auf einer Pflanze) wie Pink bollworm entwickelt seine Resistenz in nur fünf bis sechs Jahren. Daher ist zu erwarten, dass mit der Sprossenbohrer resistenten Aubergine das Gleiche passieren wird sowie mit dem Stammbohrer resistenten Reis.

  • Kann Anbau in großem Maßstab ein Maß für den Erfolg sein: Die groß angelegte Verbreitung von BT-Baumwolle wird als Erfolg der Technologie angepriesen. Die Gentechnologie hat bis heute zu keiner Ertragssteigerung führen können. Die Qualität des Saatguts und die Verwendung von mehr Düngemitteln und Wasser können sicherlich mehr Ertrag bringen. Der Anbau in großem Maßstab ist kein Garant für Erfolg, weil viele Faktoren hineinspielen. Pestizide werden auch in viel größerer Menge eingesetzt. Es gibt Fälle von BT-Baumwollbauern, die wegen hoher Schulden und schlechter Marktpreise Selbstmord begangen haben.

Dies ist ein Anlass zu großer Sorge, denn der einseitige Schädlingsbefall (Insektenfraß nur auf einer Pflanze) wie Pink bollworm entwickelt seine Resistenz in nur fünf bis sechs Jahren. Daher ist zu erwarten, dass mit der Sprossenbohrer resistenten Aubergine das Gleiche passieren wird sowie mit dem Stammbohrer resistenten Reis.
o Kann Anbau in großem Maßstab ein Maß für den Erfolg sein: Die groß angelegte Verbreitung von BT-Baumwolle wird als Erfolg der Technologie angepriesen. Die Gentechnologie hat bis heute zu keiner Ertragssteigerung führen können. Die Qualität des Saatguts und die Verwendung von mehr Düngemitteln und Wasser können sicherlich mehr Ertrag bringen. Der Anbau in großem Maßstab ist kein Garant für Erfolg, weil viele Faktoren hineinspielen. Pestizide werden auch in viel größerer Menge eingesetzt. Es gibt Fälle von BT-Baumwollbauern, die wegen hoher Schulden und schlechter Marktpreise Selbstmord begangen haben.

UIM: Ein Schwerpunkt Ihrer Tätigkeiten ist die Bildung für eine nachhaltige Entwicklung. Welche Projekte setzten Sie um?

Das: Bei meiner Arbeit mit Kindern richte ich den Fokus auf die Schulung des Umweltbewusstseins. Sie sollen die Fähigkeiten erlernen, soziale und ökologische Probleme zu erkennen und etwas dagegen zu unternehmen. Das tue ich mit Schulkindern und Kindergruppen in den Dörfern. Ich versuche die Kinder, die vorzeitig aus der Schule ausgetreten sind, wieder zur Schule zurück zu bringen oder ich binde sie in eine Ausbildung oder Lebenstraining ein, dass sie oder er ihren/seinen Lebensunterhalt in Würde verdienen kann. Die Indienhilfe in Herrsching unterstützt einen Teil meiner Arbeit. Einen größeren Bereich nimmt die Schulung von Bauern und jungen Sozialarbeitern ein.


UIM: Sind in Indien bereits Auswirkungen des Klimawandels zu beobachten? Inwiefern ist die Landwirtschaft davon betroffen und welche Gegenmaßnahmen kann DRCSC ergreifen?

Das: Dies ist eine sehr weitreichende Frage. Indien ist von seinen natürlichen Ressourcen abhängig. Denn 80 Prozent unserer ländlichen Bevölkerung verdienen ihren Lebensunterhalt durch Landwirtschaft, Fischerei, Forstwirtschaft oder mit der Landwirtschaft verbundenen Bereichen. Indien ist ein riesiges Land mit vielen agro-ökologischen und meteorologischen Zonen. Es ist ein sehr vielfältiges Land. Allein die Naturkatastrophen sind vielfältig und deren Auswirkungen sehr groß. Die klimatischen Veränderungen haben in den verschiedenen Teilen Indiens andere Auswirkungen. Die Häufigkeit und Intensität von Stürmen, längeren Trockenzeiten, Überschwemmungen, Sturzfluten, Zyklone, Erdrutsche etc. hat in letzten 25 Jahren stark zugenommen. Und wir haben eine große Zahl von armen Menschen. So ist Indien schon jetzt und wird zunehmend eines der am stärksten von den klimatischen Änderungen betroffene Land der Welt sein.

Ich habe bereits einige Gegenmaßnahmen in Bezug auf die Anpassung erwähnt, aber ich möchte die Wichtigkeit von Mikroklima-Trendanalysen und -Planungen betonen. Ein Land mit einer solchen Vielfalt und Weite kann den Klimawandel nicht als Ganzes, nicht aus Sicht eines einzigen Landes mit einer große Politik angehen.


UIM: Was sind Ihre Ziele - kurzfristig und langfristig?

Das: Ich möchte lernen - mehr und mehr, das ist die treibende Kraft in meinem Leben. Auf lange Sicht will ich vielleicht eine Schule für benachteiligte Kinder und Jugendliche gründen. Sie können dann dort lernen, besser für sich selbst zu sorgen und sich um andere zu kümmern.