Facebook .
Twitter .
Menü
Home  trenner  Archiv Landwirtschaft  trenner  Fachinformationen  trenner  Biopiraterie: Weizen
Europäisches Patentamt widerruft Monsanto-Patent auf indischen Weizen

Der Biopiraterie einen Riegel vorgeschoben

weizendollar

"Sich am Wissen und den Kenntnissen der Armen und Ärmsten auf diesem Planeten zu bereichern, stellt eine der unangenehmsten Auswirkungen der Globalisierung des 'modernen' Agrobusiness dar."
© Umweltinsitut München e.V.

Einspruch stattgegeben. Keine Lizenzgebühren an Monsanto heißt das für die Bauern in Europa, die Weizen mit den genetischen Eigenschaften der Weizensorte „Nap Hal“ anbauen. Und für die Bäcker, die daraus Brot und Gebäck zubereiten und auch für diejenigen, die das dann verkaufen. Alle diese hätten zahlen müssen an den Konzern, der die Backqualität indischer Weizensorten in der eigenen Sorte patentieren ließ. Diese aber haben indische Bauern in jahrhundertelanger Arbeit und Kooperation herausgezüchtet.


Am 20. Februar diesen Jahres hatte die Initiative „Kein Patent auf Leben“, unterstützt vom Umweltinstitut München e.V., gegen das im Mai 2003 erteilte Patent Einspruch beim Europäischen Patentamt eingelegt. Dem Einspruch von Organisationen aus Deutschland hatten sich die große indische Bauernorganisation Bharat Krishak Samaj und der Dachverband der europäischen Landwirte, COPA, angeschlossen.

Nicht in Europa

In den USA, Kanada, Australien und Japan gilt das Patent. Europa aber hat dieser Biopiraterie nun einen Riegel vorgeschoben – verspätet allerdings, denn es war erst ein Widerspruch aus der Zivilgesellschaft notwendig, die die Profitgier des Konzerns nicht hinnehmen will. Immer mehr und immer unverschämter eignen sich die Agro-Multis mit Hilfe neuer Techniken gesellschaftliche Leistungen an, die in Jahrhunderten kooperativer Zuchtarbeit entstanden sind – um sie als Erfindung patentieren zu lassen und die Bauern um die Früchte der eigenen Arbeit zu bringen.

Das Patent

Am 4. Oktober 2004 hat das Europäische Patentamt dem Einspruch von Bauernverbänden und Organisationen gegen das Patent EP 445 929, welches das Amt in München am 21. Mai 2003 erteilt hatte, stattgegeben. Das Patent beinhaltete Eigenschaften einer Weizensorte, die durch das Fehlen bzw. die Inaktivität einer Gensequenz erreicht werden. Jeder weichmahlende Weizen, der diese Eigenschaften aufweist und alle die Produkte – Mehl, Teig, Backwaren – die daraus gefertigt werden, wären Eigentum von Monsanto. Jeder der damit zu tun hätte, vom Bauer über den Bäcker bis zum Lebensmittelhändler müsste Gebühren für die Weizennutzung zahlen.
Schon 1990 hatte die Firma Unilever einen Patentantrag auf Weizen mit dieser genetischen Veranlagung gestellt. Durch Kauf ging das Patent auf Monsanto über. 1999 wurde es in den USA erteilt.

Knuspriges Gebäck

Für seine angebliche Erfindung bediente sich Monsanto beim Saatgut indischer Bauern. Diese züchteten ihrem Nap Hal-Weizen jene Eigenschaften an, die sie bei Chapatti und Roti, Flachbrote, die dort zu den Hauptnahrungsmitteln zählen, schätzen: Teig aus dessen Mehl zubereitet, geht weniger auf, das Gebäck wird besonders knusprig. Für Kekse und ähnliche Backwaren ist das ideal.
Das Patent stellt eine Bedrohung für indische Bauern dar: Monsanto könnte seine Rechte über das Patentübereinkommen (Patent Cooperation Treaty) auf Indien ausdehnen und Lizenzgebühren von indischen Bauern verlangen, die Weizen mit den genetischen Eigenschaften der patentierten Sorte – und diese haben nahezu alle indischen Landsorten – anbauen. „Auch wenn das Patent in Indien nicht anerkannt ist, so verhindert Monsantos Biopiraterie-Patent, dass Indien von den wachsenden Märkten in Europa und den USA für chemiefreie Weizenprodukte mit wenig Gluten profitiert“, erklärt Dr. Vandana Shiva von der indischen Research Foundation.
Schon vergangenes Jahr wurde ein Patent der Firma Dupont widerrufen, das Mais aus Mexiko umfasste. Dupont hatte durch das Patent zunächst das Recht erhalten, über die gesamte Produktionskette von Mais mit einer besonderen Ölqualität zu bestimmen, sowie über Futter- und Lebensmittel, die diesen Mais enthalten.

Widerspruch lohnt sich

Diese Beispiele zeigen, dass sich der Widerstand gegen Biopiraterie und die Machenschaften der Konzerne lohnt. Da das europäische Patentamt ein einmal erteiltes Patent nicht von sich aus wieder zurücknehmen kann, kann es hier auch keine Fehler korrigieren. Dazu braucht es einen Einspruch von Dritten. Die Wachsamkeit und Detailarbeit von Organisationen, die von Bürgern aus Sorge um das Gemeinwohl gegründet wurden, ist hier notwendig – zum Schutz von Bauern und Verbrauchern bei uns und in den Entwicklungsländern.

Umweltnachrichten 100 / November 2004