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Interview mit Professor Abdullah Jaradat (Jordanien)

Biologische Vielfalt ist die Grundlage der Zivilisation

weizen. unglaublich.

Der Agrarwissenschaftler Prof. Abdullah Jaradat stammt aus Jordanien. Er arbeitete im Mittleren Osten und bei der FAO in Rom als Spezialist für biologische Vielfalt und traditionelle Nutzpflanzensorten. Heute beschäftigt er sich beim US-Landwirtschaftsministerium mit der Erforschung von Pflanzenarten, die für die Nutzung als Nachwachsende Rohstoffe in Frage kommen. Das Umweltinstitut München hatte die Gelegenheit, sich am Rande der europäischen Saatgut-Tagung "Kulturpflanzenvielfalt als Gemeingut erhalten", die vom 18. bis zum 20. Mai 2007 in Halle stattfand, mit Prof. Jaradat zu unterhalten. Auf seine ausdrückliche Bitte hin kamen Details der US-Politik im Irak, insbesondere die umstrittene Order 81, nicht zur Sprache (s. hierzu den Artikel "Patente statt Bomben")

Umweltinstitut München (UIM):
Warum wurde ausgerechnet die Region des so genannten "fruchtbaren Halbmonds", also die Gegend des heutigen Irak und Iran, zur Wiege der Landwirtschaft?

Jaradat:
Wie Sie wissen, ist die Region des heutigen Irak das Herkunftsgebiet eines großen Teils unserer heutigen Kulturpflanzen. Der Grund dafür ist die einzigartige Verbindung von natürlichen Gegebenheiten, unter anderem der reichen Vielfalt von Wildpflanzen, also der Pflanzen, von denen unsere Kulturpflanzen abstammen. Hauptfaktor aber waren die frühen Bauern. Sie brachten dieses reiche Ausmaß an genetischer Vielfalt hervor, indem sie die vorhandenen Wildpflanzen auswählten und domestizierten. Es war letztlich eine Kombination von Geographie, Topographie, der Verfügbarkeit von Wasser, der Pflanzen sowie das Gespür der Bauern vor 10.000 Jahren. Sie erkannten das Potenzial dieser Pflanzen, der Wildformen von Gerste, Weizen und anderer und machten sie zur Basis der großen Zivilisationen des Nahen Ostens. In dieser Zeit war der fruchtbare Halbmond wirklich fruchtbar. Die Bevölkerung Mesopotamiens hat bedeutende Zivilisationen auf der Basis landwirtschaftlicher Innovationen, insbesondere der Bewässerungstechnik, aufbauen können. Bedauerlicherweise zerfielen diese schließlich aufgrund von Misswirtschaft, mangelnder Sorgfalt beim Umgang mit Natur und Umwelt, die sich z.B. in der Sedimentierung von Bewässerungskanälen äußerte und einen Verlust von Ackerland und biologischer Vielfalt nach sich zog. Weitere Gründe waren die zunehmende Versalzung, die zu einer Verarmung der Bodenfruchtbarkeit führte, sowie die Überbevölkerung. Der fruchtbare Halbmond ist seitdem nicht mehr fruchtbar.
Diese Entwicklung betraf nicht nur den Irak, sondern die gesamte Region inklusive Nordafrika. Heute sind dies Gegenden, die Nahrungsmittel importieren müssen. Dafür gibt es drei Hauptgründe: Das starke Bevölkerungswachstum, drei Prozent und mehr, die schwindenden Wasservorräte und die abnehmenden Boden- und Landressourcen.

UIM:
Der Verlust biologischer Vielfalt hat also eine lange Geschichte im Irak. Es ist nicht etwas, das mit der industriellen Landwirtschaft seinen Anfang nahm, wie es in Europa der Fall war?

Jaradat:
In der Tat hat dieser Rückgang eine lange Geschichte. Dennoch war die Region bis in jüngere Zeit hinein reich an biologischer Vielfalt. Der Bevölkerungsdruck und die Tierhaltung, vor allem unkontrolliertes Beweiden ökologisch sensibler Gebiete, haben wesentlich dazu beigetragen, dass wir einen Verlust von Biodiversität zu beklagen haben.

UIM:
Können Sie den genetischen Reichtum der Region in Zahlen ausdrücken?

Jaradat: Der Reichtum der Pflanzen und Tiere, die dort domestiziert wurden, umfasst alles, was der Mensch braucht, um ein angenehmes Leben zu führen: Getreide, Gemüse, Früchte, insbesondere die Dattelpalme, sowie Futterpflanzen für Schafe und Ziegen, also den Tierarten, die in Mesopotamien domestiziert wurden. Wenn Sie das alles zusammenfügen, sehen Sie, welche biologischen Reichtümer hier geschaffen wurden. Die Menschen konnten Städte errichten, die ersten Hochkulturen, ein weitgespanntes Handelsnetz, sie tauschten natürlich auch genetisches Material, Samen, sie brachten Pflanzen aus dem fernen Osten nach Mesopotamien und später nach Europa. Das führte zu einer enormen Bereicherung der Biodiversität nicht nur in Mesopotamien, sondern zum Beispiel auch in Europa.

und schon wieder Weizen

UIM:
Könnte man also sagen, dass die Biologische Vielfalt die Grundlage für Zivilisation und Kultur war?

Jaradat:
Als die Menschen im frühen Mesopotamien fähig waren, mehr Nahrungsmittel zu produzieren, als einzelne Personen oder Familien verbrauchen konnten, gaben sie damit anderen die Möglichkeiten, sich ohne Sorge um das tägliche Brot mit geistigen Dingen zu beschäftigen. Literatur, Kunst, Religion. Große Staaten entstanden, Handel entstand, Ideen wurden ausgetauscht. Und all das auf der Basis der biologischen Vielfalt, die die Bauern geschaffen hatten. Ohne dies hätten die Hochkulturen Mesopotamiens nie existiert. Die biologische Vielfalt als DIE Grundlage von Zivilisation kann meiner Ansicht nach gar nicht zu hoch bewertet werden.
Deshalb müssen wir diese Vielfalt auch bewahren, nicht für uns, sondern für die künftigen Generationen, damit wir garantieren können, dass unsere Kultur weiter besteht.

UIM:
Noch einmal zurück zum Konkreten: Wie viele Sorten der Dattelpalme gab und gibt es im Irak?

Jaradat:
Es gab einmal über 700 verschiedene Sorten und mehr als 30 Millionen Bäume, vor allem im Südirak. Das waren ausgedehnte Wälder. Während der letzten 20 bis 30 Jahre wurde ein Großteil dieser Palmen zerstört. Dafür gibt es ein ganzes Bündel von Gründen: sozio-ökonomische, ökologische, den Klimawandel, die Kriege, all das hat negative Auswirkungen auf die genetischen Ressourcen gehabt.
Jetzt ist die Welt aufgefordert, mitzuhelfen, zumindest einen Teil dieser Reichtümer wieder im Irak einzuführen, nicht nur für die irakische Landwirtschaft, sondern zum Nutzen der ganzen Welt.

UIM:
Haben Sie ähnliche Zahlen auch für Weizensorten? Wie viele Weizensorten gab oder gibt es im Irak?

Jaradat: Die Entwicklung von Weizensorten stand immer im Zusammenhang mit der Entwicklung vieler verschiedener Leguminosenarten und -sorten. Denn Weizen ist ein Energieträger: Die Menschen mussten also zeitgleich auch Pflanzen für ihren Eiweißbedarf züchten. Die frühen Ackerbauern im Irak waren klug genug, die Qualitäten verschiedener Pflanzen im Auge zu haben. Sie sammelten und züchteten, was wirklich von Wert war. Bis 1960 oder 1970 hat jeder Bauer im Mittleren Osten eigene Landsorten angebaut. Stellen Sie sich also eine Landkarte vor mit Tausenden verschiedener Sorten, nicht nur Weizen, sondern auch Gerstensorten, Linsen, Kichererbsen. Ob das jetzt eine oder mehrere Millionen waren, übersteigt meinen Horizont. Es geht nicht um genaue Zahlen: Alles was die Bauern aussäten, war eine Landsorte. Die Situation änderte sich erst mit der modernen Landwirtschaft, moderner Pflanzenzüchtung. Die neuen Hochertragssorten verdrängten die alten Landsorten. Trotzdem gibt es immer noch Bauern und bestimmte Regionen, in denen Landsorten besser angepasst sind und bessere Erträge bringen. Das ist zum Beispiel im Nordirak der Fall, aber auch in Teilen Jordaniens und Syriens. Je trockener es ist, desto besser schneiden die Landsorten ab. Denn sie besitzen eine viel höhere Toleranz gegenüber Umweltfaktoren, sind besser angepasst an Low-input-Landwirtschaft, also einer extensiven Landwirtschaft mit geringen externen Betriebsmitteln. Hochertragssorten sind dagegen abhängig von Agrochemikalien, Wasser etc.

weizen, überraschung

UIM:
Lassen Sie uns nochmals über Zahlen sprechen. Es gibt eine Aussage der FAO, dass 97 Prozent der irakischen Bauern Saatgut wiederverwenden. Angesichts ihrer Aussagen über die Industrialisierung der Landwirtschaft in den Ebenen, in denen intensiv gewirtschaftet wird, fällt es mir schwer, das zu glauben.

Jaradat:
Ich kenne die Zahl. Meine Erklärung ist, dass die Zahlen von der Regierung kommen. Ich denke für den Nordirak stimmen sie: Dort bauen die Landwirte ganz überwiegend alte Landrassen an. In den anderen Gebieten werden meiner Ansicht nach lediglich im großen Stil Hochleistungssorten nachgebaut.

UIM:
Welche anderen Faktoren führen, neben der Industrialisierung der Landwirtschaft, zur Gen-Erosion im Irak?

Jaradat:
Vor allem sozio-ökonomische Faktoren. Die Regierung des Irak hat die Bauern dazu veranlasst, mehr zu produzieren. Also waren sie gezwungen, das Modell der agroindustriellen Produktion anzunehmen. Der Weg über höhere Erträge ging natürlich auf Kosten der biologischen Vielfalt. Die Industrialisierung der irakischen Landwirtschaft fand hauptsächlich während der Zeit des Embargos [Food for Oil - Programm] statt. In Mesopotamien, wo Bewässerung möglich ist, konnten durch den Einsatz von Agrochemikalien die Erträge von Weizen oder Gerste stark erhöht werden. Die Regierung verlangte während des Embargos und des Programms "Food for Oil" von den Bauern, Intensivlandwirtschaft zu betreiben, moderne Produktionstechniken anzuwenden, Hochertragssorten und Kunstdünger. Irakische Privatunternehmen wurden ermuntert, in die Landwirtschaft zu investieren und die lokalen Märkte mit Weizen zu versorgen. Landsorten hatten da keinen Platz mehr, die traditionellen Anbaumethoden verschwanden völlig. Im Norden des Landes, wo die Landwirtschaft abhängig ist von Regenfällen und so gut wie keine landwirtschaftlichen Inputs eingesetzt werden, hat sich während dieser Zeit an der traditionellen Art der Bewirtschaftung nicht viel geändert. Die natürlichen Gegebenheiten haben dafür gesorgt, dass die Landsorten dort erhalten blieben.

UIM:
Sie beschäftigen sich mit Möglichkeiten, den Verlust der biologischen Vielfalt aufzuhalten. Eine Strategie besteht darin, alte Samen in Genbanken zu lagern. Was können Genbanken speziell in den Ländern des Südens leisten?

Jaradat:
Das Konzept der Genbanken ist relativ neu, speziell im mittleren Osten. Als die ersten Sammlungen entstanden, z.B. die Sammlung des berühmten russischen Pflanzenforschers Wawilow in St. Petersburg, war die Absicht der Forscher nicht, die Samen einzufrieren und zu bewahren, sondern einen möglichst großen Teil der biologischen Vielfalt zu sammeln, um angepasste Landsorten für die Landwirtschaft zu finden. In den 1970er und 80ern änderte sich das. Damals wurde deutlich, dass die Vielfalt der Kulturpflanzensorten dramatisch schwindet. Daher wurde begonnen, alte Pflanzensorten so schnell wie möglich zu sammeln und sie für die Zukunft zu bewahren.
Wir wissen heute, dass Mesopotamien das Herkunftszentrum für zahlreiche Kulturpflanzen ist, insbesondere Getreide und Leguminosen. Daher haben die meisten "Gen-Jäger" dort Sammlungen durchgeführt. Einen Großteil dieser Sammlungen findet man heute im Internationalen Forschungszentrum für Landwirtschaft in den Trockengebieten (ICARDA). Hier wurden die gesammelten Landsorten untersucht und katalogisiert. Es gelang auf diese Weise, eine Kopie dieser sich entfaltenden genetischen Vielfalt zu bekommen.
Aber die eigentlichen Entwicklungslabors der Agro-Biodiversität sind draußen auf dem Feld. Wie bereits gesagt ist ein Großteil der einstigen Vielfalt verloren gegangen, nur kleine Reste sind übrig geblieben. Doch auch dieser kleine Teil entwickelt sich unter den natürlichen Bedingungen des Anbaus weiter und schafft neue Vielfalt.
Darum ist die In Situ Erhaltung und die Erhaltung wildlebender Verwandter On Farm wichtiger als die Erhaltung in Genbanken. Mesopotamien und der Mittlere Osten sind ein natürliches Habitat, um die ganze Welt mit biologischer Vielfalt zu bereichern, insbesondere mit Blick auf den Klimawandel. Es gibt dort extrem hohe sowie niedrige Temperaturen, salzige Böden, Trockenheit, biotische und abiotische Stressfaktoren, bei denen die in den Pflanzen vorhandenen Gene interagieren, um neue Antworten auf diese Faktoren zu finden.
Darin besteht die zentrale Bedeutung der On Farm- und In Situ-Erhaltung. Sobald ich diese Pflanzen aus dem Anbau nehme und sie in großem Maßstab in Genbanken einfriere, friere ich die genetische Landschaft einer Region ein. In dem ich das mache, hindere ich die Pflanzen an der Reaktion, an der Interaktion, an der Entwicklung mit Umweltfaktoren.
Wenn wir wollen, dass sich die genetische Landschaft entwickelt, müssen wir dafür sorgen, dass sich die Pflanzen unter natürlichen Bedingungen in der Natur, auf dem Feld entwickeln.

UIM:
Kann man sagen, dass Agrobiodiversitiät nur Hand in Hand mit bäuerlichen Gemeinschaften entwickelt werden kann? Kann das eine nur überleben, wenn es das andere gibt?

Jaradat: Biodiversität und bäuerliche Gemeinschaften verhalten sich wie Hand und Handschuh. Diese zwei Sachen gehen nur Hand in Hand. Stirbt ein Faktor, stirbt auch der andere. Bauern haben ihre Traditionen und Erfahrungen, die von ihren Vorfahren weiter vermittelt wurden. Die öffentliche und gemeinsame kollektive Erinnerung ist ungeheuer wichtig. Dieses indigene Wissen sagt uns nicht nur etwas darüber, wie man einen Acker oder einen bäuerlichen Betrieb bewirtschaftet, sondern es sagt uns etwas über den Wert der Pflanzen in der Natur, im gesamten Landwirtschaftssystem, darüber, wie andere Nutzpflanzen, Insekten, Krankheiten und Unkräuter miteinander interagieren: Erst dieses Zusammenspiel sagt uns etwas über die Pflanze, die wir schließlich verzehren. Darüber hinaus können sogar die Qualität, Inhaltsstoffe beeinflusst werden. Das Wissen der Frauen ist in diesem Zusammenhang sehr bedeutend. Hier gibt es ein unfangreiches Wissen darüber, wie man mit Pflanzen umgeht, wie die Ernte verarbeitet wird, wie Mahlzeiten zubereitet werden, wie man die Bestandteile mischt. Dieses Wissen verschwindet leider, denn die Alten geben ihr Wissen nicht mehr an die junge Generation weiter, die in die Städte abwandern auf der Suche nach Arbeit. Das Wissen verschwindet in den letzten 50 Jahren unablässig.

ein letztes Mal Weizen

UIM:
Das klingt nicht sehr optimistisch. Gibt es einen Weg zurück zum Reichtum der biologischen Vielfalt, zum Wissen über die in den Pflanzen verborgenen Geheimnisse?

Jaradat:
Man muss optimistisch sein, sonst ist es sehr schwer, seine tägliche Arbeit zu tun. Wir können heutige Technik nutzen, um Bedingungen zu schaffen, dass die bäuerlichen Gemeinschaften nicht zerfallen, indem wir sie zum Beispiel mit dem versehen, was sie zum täglichen Leben brauchen, Telefon, Wasser, Straßen. Dann sind die Bauern auch bereit zurückzukehren und ihre wichtige Aufgabe als Gärtner und Hüter der Biologischen Vielfalt wieder aufnehmen. Nicht zu ihrem eigenen Nutzen, sondern zu dem der gesamten Gesellschaft.

UIM:
Was ist der Wert von Saatgut in der Landwirtschaft im Nahen und Mittleren Osten gegenüber dem in der europäischen Landwirtschaft, wo Saatgut meist nur ein Input unter vielen ist?

Jaradat:
Saatgut war der Stolz jedes Bauern. Die Auswahl der Körner, die im folgenden Jahr ausgesät werden sollten, war eine Tätigkeit, der große Aufmerksamkeit geschenkt und große Bedeutung beigemessen wurde. Die Bauern gingen durch die Felder und sammelten die Körner, die sie haben wollten. Traditionell wurden die Abendstunden damit verbracht, zusammen zu sitzen und nach der Ernte die besten Körner auszulesen. Dies war auch eine Aufgabe der Frauen.
Mit dem Aufkommen der mechanischen Landwirtschaft verschwand diese Praxis bedauerlicherweise. Heute wird alles mechanisch gesät, mechanisch geerntet, der Bauer ist dafür nicht einmal nötig, wenn er diese Arbeit von einem Lohnunternehmer durchführen lässt. Das ist jedoch nicht überall im Nahen Osten so. Es gibt Regionen, in denen die moderne Landwirtschaft nicht Einzug gehalten hat. Das ist insbesondere in den Trockengebieten und den Bergregionen der Fall, wo traditionelle Landwirtschaft wie seit Tausenden von Jahren betrieben wird. Ich habe das bei Feldforschungen selbst erfahren, in den Bergen Jordaniens. Die Bauernfamilien zogen während der Entezeit aus ihrem Haus aus und ließen sich in unmittelbarer Nähe der Felder nieder. So wurden die junge Generationen in den landwirtschaftlichen Praktiken unterwiesen, indigenes Wissen wurde so praktisch weitergegeben.

UIM:
Könnte es einen Impuls geben von diesen Bauern zu den Bauern in stärker industriell geprägten Landwirtschaftsformen im Irak? Gibt es da eine Bewegung, die sagt: Wir wissen wie die alten Sorten angebaut werden, gibt es einen Wissenstransfer? Ähnliche Bewegungen gibt es ja auch speziell in Südeuropa und Frankreich, wo Bauern von der Basis versuchen, ihre Kollegen für die Nutzung der pflanzengenetischen Ressourcen zu begeistern.

Jaradat:
Diese Bewegung muss von der Basis, von den Bauern kommen. Die Regierungen können diesen Prozess jedoch unterstützen, indem sie die lebensnotwendige Infrastruktur bereit stellen. Im Bereich der Obstbäume entsteht das langsam wieder. Nicht nur aus ökonomischen Erwägungen, sondern weil es einfach großartig ist, eigene Obstbäume zu haben, das Obst zu ernten und zu verarbeiten. Das setzt sich in der Region wieder durch.

Glossar

Ex Situ:
Die Erhaltung von Bestandteilen der biologischen Vielfalt außerhalb ihrer natürlichen Lebensräume, beispielsweise in Genbanken oder Botanischen Gärten.

In Situ:
Die Erhaltung von Ökosystemen und natürlichen Lebensräumen sowie die Bewahrung und Wiederherstellung lebensfähiger Populationen von Arten in ihrer natürlichen Umgebung und - im Fall domestizierter oder gezüchteter Arten - in der Umgebung, in der sie ihre besonderen Eigenschaften entwickelt haben.

On Farm:
Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt durch regelmäßigen Anbau auf den bäuerlichen Betrieben.