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Keine Entwarnung

Mobilfunk und Krebs

Hirntumor (von oben gesehen). Foto: Forschungszentrum Jülich

Hirntumor (von oben gesehen). Foto: Forschungszentrum Jülich

Deutsche Studie lässt aufhorchen

Im März 2015 veröffentlichte das Bundesamt für Strahlenschutz den Abschlussbericht für das Forschungsvorhaben „Tumorpromotion durch hochfrequente elektromagnetische Felder in Kombination mit kanzerogenen Substanzen“ von der Jacobs University Bremen. Erstautor ist Prof. Dr. Lerchl, ehemaliges leitendes Mitglied der deutschen Strahlenschutzkommission.

Danach fördert Mobilfunkstrahlung bei Mäusen die Entstehung von Krebs in Lunge und Leber bereits deutlich unterhalb der in Deutschland gültigen Grenzwerte. Neu ist, dass die krebsfördernde Wirkung nicht nur für die Nutzung von Mobiltelefonen beobachtet wurde sondern auch unterhalb der deutlich niedrigeren, für Mobilfunkstationen geltenden Grenzwerte.

Auf Seite 2 der Studie wird ausgeführt „Die Ergebnisse der Pilotstudie von Tillmann et al. (2010) konnten prinzipiell bestätigt und erweitert werden“. Seite 35: „Im Prinzip kann und muss daher geschlussfolgert werden, dass tumorpromovierende Effekte lebenslanger Exposition zu hochfrequenten elektromagnetischen Feldern im ENU-Mausmodell als gesichert anzusehen sind“. Untersucht wurden Expositionen mit einem SAR-Wert von 0 (Scheinexposition), 0,04, 0,4 und 2,0 W/kg.

Der Abschlussbericht setzt fort: „Welche Mechanismen der tumorpromovierenden Wirkung in der Lunge und der Leber und den Lymphomen zugrunde liegen, darüber kann nur spekuliert werden. Auch darüber, warum erhöhte Tumorinzidenzen vermehrt in den Gruppen mit schwacher und mittlerer Expositionsstärke (0,04 W/kg bzw. 0,4 W/kg) auftraten und nicht in der mit 2 W/kg am stärksten exponierten Gruppe.“Der in Deutschland gültige SAR-Teilkörpergrenzwert für Kopf und Rumpf (Anwendungsfall Handy) beträgt 2,0 W/kg, der Ganzkörper-Grenzwert, der für Mobilfunk-Basisstationen gilt, wurde für die 26. BImSchV von einem SAR-Wert von 0,08 W/kg abgeleitet.

Da Expositionen weiter unterhalb des Ganzkörper-Grenzwertes nicht untersucht wurden, ist offen, ob der Effekt nicht auch gravierender ist oder auch bei niedrigeren Feldstärken auftritt. „Bemerkenswert ist die neue Studie auch wegen der Person des Erstautors“, wie die Süddeutsche Zeitung am 24. März 2015 berichtete. „Alexander Lerchl galt bisher als strammer Vertreter der Haltung, dass die Handy-Strahlung ungefährlich sei.“ Die Studie zeigt, auf welch tönernen Füßen unsere Grenzwerte stehen. Mehrere Länder haben schon seit Jahren niedrigere Grenzwerte erlassen. Konsequente Vorsorge und Minimierung der Strahlenbelastung sind wichtiger denn je.

Informationen des Bundesamts für Strahlenschutz zur Studie

Direkter Link zur Originalstudie

Deutsches Mobilfunk-Forschungsprogramm

Immer wieder werden Meldungen zum Abschluss des deutschen Mobilfunk-Forschungsprogramms präsentiert wie: „Handy-Strahlung löst keinen Krebs aus“, „Entwarnung für Gesundheits-Risiken“. Die Pressemitteilung des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS), welches das über sechs Jahre laufende Programm umgesetzt und koordiniert hat, liest sich bereits im Titel ganz anders: „Forschungsbedarf bei Kindern und Langzeitnutzern. Nicht alle Fragen abschließend geklärt“.

Weiterhin Forschungsbedarf gibt es nach Meinung des BfS vor allem in Hinblick auf die Fragen möglicher Langzeitrisiken für Handynutzungszeiten von mehr als zehn Jahren. Außerdem sei weiterhin unklar, ob Kinder empfindlicher auf Handystrahlung reagierten als Erwachsene. Das BfS rate deshalb weiterhin, auf eine vorsorgliche Verringerung der Strahlenbelastung zu achten.

Tumore entstehen nicht von heute auf morgen

Verständlich, wenn man weiß, dass Hirntumore und andere Tumore im Kopfbereich nicht von heute auf morgen entstehen. Typische Latenzzeiten betragen mindestens 10 Jahre, das Maximum wird nach 20 bis 30 Jahren erwartet, wie Untersuchungen an Patienten nach therapeutischer Bestrahlung zeigen.

Interphone-Studie der Weltgesundheitsorganisation

In den Jahren 2000 bis 2004 wurden in 13 Ländern die Daten für die weltweit umfangreichste epidemiologische Studie zu Tumoren im Kopfbereich gestartet. Mehrere Teilstudien der sog. Interphone-Gruppe deuten auf Langzeitrisiken bei Handy-Nutzungszeiten von mehr als 10 Jahren hin. Wegen mehrjährig geführter Streitigkeiten innerhalb des Forscherteams, ob die Zusammenschau der einzelnen Länderergebnisse nun auf gesundheitliche Effekte hinweist oder nicht, konnte der Endbericht erst 2010 erscheinen. Nach heftigem Ringen wurde in die Zusammenfassung ein Warnhinweis aufgenommen. Elisabeth Cardis, Leiterin der Interphone-Studie im Mai 2010: „Die obersten zehn Prozent unserer Studiengruppe scheinen tatsächlich ein erhöhtes Risiko zu haben, ein Gliom zu entwickeln. (...) Wo immer möglich, sollte man die Wirkung des Handys auf das Gehirn reduzieren.“

Im Mai 2011 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Handystrahlung als „möglicherweise krebserregend“ (Gruppe 2B) eingestuft und warnt Vieltelefonierer.

Urteil des italienischen Kassationsgerichts

In einem letztinstanzlichen Urteil des obersten italienischen Kassationsgerichts vom Oktober 2012 bekam ein langjähriger Intensiv-Handy- und Schnurlos-Telefonierer eine Entschädigung zugesprochen. Das Gericht stellte einen Zusammenhang mit einem Tumor im Kopf her.

 

 

Hans Ulrich Februar 2016