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Elektrosmog sichtbar gemacht

München strahlt

Umweltinstitut München stellt Ergebnisse einer Mobilfunkmessung vor

Sie ist allgegenwärtig, die elektromagnetische Belastung durch Mobiltelefone, Sendemasten, schnurlose Computerverbindungen (WLAN) oder Schnurlostelefone. Aber sie macht es uns nicht leicht, denn man sieht sie nicht, man hört sie nicht und man riecht sie nicht.

Alle Probanden (von links im Uhrzeigersinn vor der Karte der Mobilfunkanlagen in München): Umweltreferent Joachim Lorenz, Touristin Carolyn Dobs, Tourismusdirektorin Dr. Gabriele Weishäupl, Umweltinstitut München Hans Ulrich-Raithel, SZ-Redakteur und Resso

Alle Probanden (von links im Uhrzeigersinn vor der Karte der Mobilfunkanlagen in München): Umweltreferent Joachim Lorenz, Touristin Carolyn Dobs, Tourismusdirektorin Dr. Gabriele Weishäupl, Umweltinstitut München Hans Ulrich-Raithel, SZ-Redakteur und Resso

Das Umweltinstitut München und Tollwood hatten fünf bekannte "Probanden" gebeten, die persönliche Strahlenbelastung in München zu messen. Sie ließen sich einen Tag lang von einem so genannten Dosimeter begleiten - einem handtellergroßen Strahlenmessgerät, das genau registriert, wann welche Strahlung in welcher Intensität auf den Menschen einwirkt. Auf dem Tollwood-Festival stellte das Umweltinstitut die Ergebnisse in einem restlos gefüllten Zelt vor. Das Resultat: In der Landeshauptstadt ist die Strahlenbelastung zum Teil 60 mal höher als der empfohlene Salzburger Resolutionswert.

Die Ergebnisse der "Strahlenmesstage" sind ebenso spannend wie aufschlussreich: CAVEMAN Karsten Kaie machte am Freitag, den 15. Juni, den Beginn der Messtour. Dass er an seinem Liegeplatz am Isarufer nicht auf der faulen Haut lag, beweist seine Strahlenkurve, die über mehrere Stunden hinweg diverse Handy-Telefonate anzeigt.

Handy-Telefonate von Karsten Kaie

Handy-Telefonate von Karsten Kaie

Seine Strahlenwerte kletterten dabei auf das 17-fache der dort gemessenen Umgebungsbelastung durch Sendemasten. Mobilfunk-Experte Hans Ulrich-Raithel: "Das Handy ist die stärkste Hochfrequenzquelle am Körper - durch ein Headset kann man die auf den Kopf einwirkende Strahlenbelastung deutlich reduzieren". Karsten Kaie, der das mobile Telefonieren nicht missen möchte, nimmt den Hinweis ernst und wird sich ein Headset zulegen.

Karsten Kaie übergab die Staffel an Dr. Gabriele Weishäupl, Tourismusdirektorin der Stadt München, die das Dosimeter zum Stadtgründungsfest am 16. Juni in der Innenstadt anlegte: Anscheinend waren die Besucher des Fests von den Reden gebannt, denn Handytelefonate hatten nur einen kleineren Anteil an der Strahlenbelastung. Dafür schnellten die durch die Mobilfunk-Sendemasten verursachten Werte bedenklich in die Höhe: 10.000 Mikrowatt pro Quadratmeter zeigte das Dosimeter an und damit 10 Mal mehr als vom Umweltinstitut München empfohlen. Laut Ulrich-Raithel ist dies nicht verwunderlich: Im gesamten Innenstadtbereich bis zur Theresienwiese ist das Mobilfunknetz maximal ausgebaut.

Über die hohe Strahlenbelastung im Stadtzentrum möchten die Mobilfunk-Betreiber eine „Deep Indoor-Versorgung“ gewährleisten, dh das Handy soll auch in den inneren Winkeln der großen Kaufhäuser funktionieren. Würde man diesen Anspruch nicht stellen (Mobilfunkversorgung nur bis in die Randbereiche der Gebäude, von denen aus Sichtkontakt nach außen besteht), könnte die Strahlenbelastung wesentlich geringer ausfallen.

Wer sich im Hofbräuhaus erholen möchte, trifft eine gute Entscheidung - zumindest was die Strahlenbelastung im Innenraum der Gaststätte anbelangt. Nur verlassen sollte man diesen Ort nicht mehr: Das Platzl vor dem Hofbräuhaus ist umringt von Mobilfunksendemasten und bringt es auf 5.000 Mikrowatt pro Quadratmeter.

Am Platzl ist die Strahlenbelastung wesentlich höher als im Hofbräuhaus

Am Platzl ist die Strahlenbelastung wesentlich höher als im Hofbräuhaus

Ulrich-Raithel: "In München gibt es zahlreiche Mobilfunk-Anlagen, die die Nachbarn unnötig stark anstrahlen. Durch Standortoptimierung ließe sich eine deutliche Entlastung erreichen". Der Olympiaturm, eine weitere Touristenattraktion Münchens, belastet die Spaziergänger im Olympiapark vergleichsweise wenig. Trotzdem kann Ulrich-Raithel keine pauschale Entwarnung geben: Bei der Straßenlaterne vor dem Turm strahlt nicht nur das Leuchtmittel, sondern vor allem ein an der Laterne angebrachter Mobilfunksender, der mit 1.500 Mikrowatt pro Quadratmeter zu Buche schlägt.

Am Freitag, 15. Juni begann Gesundheits- und Umweltreferent Joachim Lorenz seine Messtour. Das Dosimeter stellte in seinem Büro 150 Mikrowatt pro Quadratmeter fest, vorwiegend verursacht durch eine benachbarte UMTS-Sendeanlage.

Zu Beginn des

Zu Beginn des "Kohlegesprächs" in Oberbürgermeister Udes Amtszimmer noch eine kurze Handy-Aktivität mit 2.700 Mikrowatt pro Quadratmeter (Ausschlag am blauen Punkt im Bild), die Belastung durch die Mobilfunknetze betrug im Amtszimmer während der Besprech

Zu Beginn des "Kohlegesprächs" in Oberbürgermeister Udes Amtszimmer noch eine kurze Handy-Aktivität mit 2.700 Mikrowatt pro Quadratmeter (Ausschlag am blauen Punkt im Bild), die Belastung durch die Mobilfunknetze betrug im Amtszimmer während der Besprechung noch rund 50 Mikrowatt. Auf seiner Fahrt mit dem Fahrrad am Montag, den 18. Juni morgens ins Rathaus erwischte ihn die Strahlung mit 1.700 Mikrowatt pro Quadratmeter, auf dem Rückweg über den Marienplatz wurden sogar 4.000 Mikrowatt aufgezeichnet.

Am nächsten Tag bescherte das Strahlenmessgerät SZ-Redakteur und Ressortleiter der Münchner Kultur, Franz Kotteder, eine überraschende Entdeckung: Im 5. Stock des SZ-Gebäudes, im Sitz des Kulturressorts an der Sendlinger Straße sind die Mitarbeiter satten 5.000 Mikrowatt pro Quadratmeter ausgesetzt - verursacht durch Sendemasten auf den umliegenden Gebäudedächern. Hans Ulrich-Raithel: "Das 50-fache der Empfehlung des Umweltinstitut München für Innenräume". Der Gang zu den Marketing-Kollegen im 1. Stock/Hotterstraße schafft Erleichterung: Hier wurden 40 Mikrowatt pro Quadratmeter gemessen, 10 davon haben die Mobilfunk-Netze verursacht, ein aktives Handy in der Redaktion 30.

Rechtsanwalt Frank Sommer, Vater des "Gräfelfinger Modells", hatte bei seinem Bummel über den Stachus ein unerfreuliches Erlebnis: Die Auswertung des Dosimeters brachte den höchsten Wert der Messtour hervor, satte 60.000 Mikrowatt pro Quadratmeter. Hier waren die Verursacher jedoch nicht die Handy-Telefonierer, sondern die Netzbetreiber mit ihren Mobilfunkmasten.

Als Touristin ging Carolyn Dobs in ein Internet-Café mit WLAN, welches sich erwartungsgemäß als dominierende Quelle der Strahlenbelastung entpuppte: 5.000 Mikrowatt/m2 erheischte sie durch WLAN, 200 durch ein Handy eines weiteren Gasts, ganze 10 Mikrowatt/m2 durch Mobilfunk-Anlagen von außen.

Stündliches Bereitschaftssignal eines in der Nacht eingeschalteten Handys

Stündliches Bereitschaftssignal eines in der Nacht eingeschalteten Handys

Im Vergleich zur Innenstadt kommt das Tollwood Festivalgelände im Olympiapark noch einigermaßen gut weg: Hier hat Hans Ulrich-Raithel 200 Mikrowatt pro Quadratmeter gemessen. Die Strahlenquelle: hauptsächlich Handytelefonate der Besucher.

Nachts hatten zwei Probanden das Handy an: Durch die relativ strahlenarmen Schlafzimmer zuckte ein stündliches Bereitschaftssignal.

Hans Ulrich-Raithel bedankte sich bei den Probanden (hier: Franz Kotteder) mit einem garantiert strahlenfreien Handy: aus Schokolade, die zart im Munde zergeht. Foto: Markus Dlouhy / Tollwood

Hans Ulrich-Raithel bedankte sich bei den Probanden (hier: Franz Kotteder) mit einem garantiert strahlenfreien Handy: aus Schokolade, die zart im Munde zergeht. Foto: Markus Dlouhy / Tollwood

Im Anschluss gab Hans-Peter Neitzke einen Einblick in die wissenschaftliche Forschung zum Thema Mobilfunk. Der Leiter des Ecolog-Instituts für sozialökologische Forschung und Bildung in Hannover kritisierte in seinem Vortrag "Geld für Forschung - Forschung für Geld" die Einflussnahme der Industrie auf die Wissenschaft. Sein Fazit: Forschungsergebnisse hängen oft davon ab, wer das Geld für die Forschung gibt. Und das Geld für Forschungsprojekte im Bereich Mobilfunk kommt häufig von seinen Befürwortern...

Hans Ulrich-Raithel Sept. 2007
Infos zu den Messungen

Die Messungen wurden mit dem Mobilfunk-Dosimeter ESM-140 der Fa. Maschek-Elektronik durchgeführt. Jeweils ein Gerät stellten uns freundlicherweise das h.e.s.e-Projekt (Peter Matz), das Amt der Salzburger Landesregierung (Dr. Gerd Oberfeld) und die Fa. Maschek-Elektronik zur Verfügung. Wir danken auch Martin H. Virnich (Berufsverband der Baubiologen) und Manfred Haider (EMV vor Ort) für technische und logistische Unterstützung. Werfen Sie einen Blick auf deren Internet-Seiten! Sie finden dort zahlreiche Informationen zum Thema Elektrosmog.