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München, 26. März 2011 - Demo „Fukushima mahnt: Alle AKWs abschalten“

Redebeitrag Christina Hacker, Vorstand des Umweltinstitut München

Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Mitstreiter und engagierte Kämpfer für das Abschalten aller Atomkraftwerke,

der Unfall in Japan hat einmal mehr gezeigt: Atomkraft ist nicht beherrschbar! Früher ist uns weisgemacht worden, dass die Wahrscheinlichkeit eines großen Unfalls mit radioaktiver Freisetzung vernachlässigbar gering ist: „Alle 33.000 Reaktorjahre sei ein solcher Unfall zu erwarten“ heißt es in der Risikostudie aus dem Jahr 1989.  

Fakt ist, dass wir in der 50-jährigen Geschichte der Atomenergienutzung bereits 5 schwerste Unfälle hatten: Also im Schnitt alle 10 Jahre einer.
- 1957 in Windscale, Großbritannien, nach dem Unfall mit großräumiger radioaktiver Verseuchung umbenannt in das heutige Sellafield;
- im Winter ´57/´58 in Majak, der ehemaligen Sowjetunion, wo es mehrere 100 Tote durch Verstrahlung gab und das Gebiet heute eines der höchst verstrahlten der Welt ist;
- 1979 in Harrisburg, USA, wo eine Teilkernschmelze zur Evakuierung der Umgebung geführt hat;
- 1986 der Super GAU in Tschernobyl, wo selbst wir in Süddeutschland heute noch zum Teil hoch verstrahlte Pilze und Wildschweine haben;
- und jetzt Fukushima in Japan, mit noch offenem Ausgang, wie weitreichend die Katastrophe tatsächlich sein wird.  

Das reicht jetzt! Wir wollen dass dies das letzte Mal ist, dass Schwangere um ihr Kind fürchten, dass Essen verstrahlt ist und Trinkwasser und Atemluft zum Risikofaktor werden. Wir wollen Abschalten – weltweit. Und nicht auf den Nachbarn warten! Wir brauchen keinen Ethikrat, der über die Risiken der Atomtechnik diskutiert. Die Risiken sind hinreichend bekannt! Was gilt es denn noch zu beweisen? Wir haben keine Zeit für jahrelange Ausstiegsszenarien! Stattdessen brauchen wir schnelle Entscheidungen für den endgültigen Ausstieg aus dieser Risikotechnologie! Wir haben die Wahl, ob wir abschalten und Strom sparen oder auf den GAU warten und dann sparen. Die Japaner haben keine Wahl mehr.  

Wir brauchen auch kein Moratorium, um über die Laufzeitverlängerung nachzudenken. Herr Brüderle hat ja in erschütternder Ehrlichkeit das ausgesprochen, was die Atomkraftgegner von Anfang an gewusst haben: Es ist keine Denkwende eingetreten, es ist alles nur dem Wahlkampf gewidmet. Als erstes Bauernopfer musste nun schon unser ehemaliger bayerischer Umweltminister Schnappauf als Hauptgeschäftsführer des BDI seinen Hut nehmen.

Jetzt gilt es, dass auch die Täter folgen: Brüderle, Merkel und Co: Wir haben kein Vertrauen mehr, geht nach Hause! Sie selbst führen uns doch gerade vor, dass möglich ist, was gestern angeblich noch unmöglich war: Bis vor Kurzem wurde uns weis gemacht, dass die Atomkraft unverzichtbar ist und uns noch lange bis zum Zeitalter der Erneuerbaren Energien begleiten muss. Und auf einmal war es innerhalb kürzester Zeit möglich, dass 8 von insgesamt 17 Atomkraftwerken in Deutschland vom Netz gehen – und nirgends ist das Licht ausgegangen! Im Mai sollen noch einmal 5 dazu kommen, die vorzeitig in Revision geschickt werden. Und wir werden sehen: Es ist zu schaffen, wenn es nur von allen gewollt ist! Natürlich werden wir auch Energiesparen müssen, wir müssen in die Effizienz gehen und die Netze und Speichermöglichkeiten ausbauen.  

Wir hätten nicht gedacht, dass sich der Ausstieg aus der Atomkraft nach Tschernobyl so lange hinzieht, dass 25 Jahre später noch einmal eine Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes passieren muss. Jetzt muss endgültig Schluss sein! Schluss mit der zivilen, aber auch mit der militärischen Nutzung der Atomtechnik, die auf´s engste miteinander verflochten sind. Hirn einschalten, Atomkraftwerke abschalten und Atomwaffen abrüsten, das ist das Gebot der Stunde.

Ich möchte mit einem Zitat von Albert Einstein schließen: „Der Mensch erfand die Atombombe, doch keine Maus der Welt würde eine Mausefalle konstruieren.“ Das gilt auch für die zivile Atomtechnik, was Japan auf erschreckende Weise beweist.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!

(Es gilt das gesprochene Wort.)