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Hintergrundinfos zum geplanten AKW-Neubau in Ungarn

Hintergrundinfos zum geplanten AKW-Neubau in Ungarn

© Tanja Bagusat / Fotolia

Am Standort Paks im südlichen Ungarn soll das einzige Atomkraftwerk des Landes, bestehend aus vier Meilern, um zwei neue Blöcke erweitert werden. Dies hat die ungarische Regierung bereits 2009 beschlossen.

Im Rahmen der grenzüberschreitenden Umweltverträglichkeitsprüfung läuft nun das Vorverfahren (Scoping), zu dem die Öffentlichkeit noch bis 2. April Stellungnahmen oder Forderungen beim ungarischen Ministerium einreichen kann. Beim Scoping wird der Untersuchungsrahmen für eine Bewertung der Auswirkungen eines Projekts auf die Umwelt festgelegt.

Das Umweltinstitut München lehnt die geplanten Bauvorhaben ab, da es dafür keine energiepolitische Notwendigkeit gibt, sie aber die BewohnerInnen in Ungarn und den Nachbarländern, darunter auch in Deutschland, aufs Höchste bedrohen. In Paks würde durch den Zubau von zwei weiteren Reaktoren die momentan installierte Leistung mehr als verdoppelt. Damit würde sich das Gefährdungspotenzial enorm erhöhen. Grenzüberschreitende Auswirkungen bei einem Unfall wären auch für die deutsche Bevölkerung nicht auszuschließen.

Für das weitere UVP-Verfahren fordern wir die Berücksichtigung folgender Punkte:
Kein Black-Box-Verfahren

Bislang ist völlig unklar, welche Reaktortypen zum Einsatz kommen werden. Deshalb ist eine Beurteilung der davon ausgehenden Risiken nicht möglich. Ein so genanntes Black-Box-Verfahren erlaubt keine Bewertung möglicher Unfallszenarien und der entsprechenden Umweltauswirkungen und muss deshalb abgelehnt werden. Für die UVP muss der Reaktortyp benannt werden, samt aller technischen und sicherheitsrelevanten Details. Ebenso müssen für mögliche Störfälle und auch auslegungsüberschreitende Unfälle das radioaktive Freisetzungspotenzial und meteorologische Ausbreitungsberechnungen durchgeführt werden.

Bei den fünf bislang genannten Reaktortypen ist eine Beurteilung nicht möglich, da keiner davon derzeit irgendwo auf der Welt in Betrieb ist, es keine Betriebserfahrungen und auch keine nennenswerten Risikostudien gibt. Vier der infrage kommenden Typen sind in verschiedenen Ländern im Bau, bei allen gibt es Verzögerungen und zum Teil explosive Kostensteigerungen. Einer der potenziellen Reaktortypen ist noch nicht einmal im Bau, hier haben laut der vorgelegten Dokumentation erst Vorbereitungsarbeiten für das Genehmigungsverfahren begonnen. Bei diesem Typ handelt es sich um einen Druckwasserreaktor der Art EPR mit verringerten Sicherheitssystemen: Die Redundanz und Kreisläufe wurden von vier auf drei reduziert, das Doppelcontainment durch ein einfaches ersetzt und das Notkühlsystem vereinfacht.

Einbeziehung der Stresstests
flag of hungary

© Wikipedia

Die Ergebnisse der EU-weit durchgeführten AKW-Stresstests müssen in das Verfahren einbezogen werden. Der Betreiber muss darstellen, dass die sicherheitsrelevanten Ergebnisse aus den Stresstests sowie die Erkenntnisse aus der Fukushima-Katastrophe beim geplanten Reaktortyp berücksichtigt sind.

Nicht gesicherte Versorgung

Ungarn hat kaum eigene Uranvorkommen und baut derzeit nicht selbst ab. Selbst wenn der Uranabbau wieder aufgenommen würde, könnten die eigenen Reserven zur Versorgung der geplanten Atomkraftblöcke nur marginal beitragen. Von einer "stabilen Brennstoffversorgung zu einem berechenbaren Preis" kann also nicht die Rede sein.

Nicht gesicherte Entsorgung

Auch in Ungarn gibt es kein betriebsbereites Endlager für hochradioaktive Abfälle. Der Nachweis der sicheren Endlagerung muss aber vor Baubeginn erbracht werden. Die Aussage in der Dokumentation, dass der Brennstoff für eine längere Zeit gelagert werden kann, reicht nicht aus.

Auswirkung auf die Gesundheit

Auch im Normalbetrieb von AKWs wird Radioaktivität freigesetzt. Die Ende 2007 veröffentlichte KiKK-Studie (Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken) hat aufgezeigt, dass im 5-km-Nahbereich der AKWs bei Kindern unter 5 Jahren die Krebsrate um 60 Prozent und die Leukämierate um 118 Prozent erhöht ist. Eine Auswertung von Folgestudien aus Deutschland, England, Frankreich und der Schweiz bestätigen die erhöhten Leukämieraten bei Kleinkindern in der Nähe von Atomkraftwerken. Diese Studien müssen bei der weiteren Planung berücksichtigt werden.

Neubaupläne aufgeben - Erneuerbare fördern

Wir fordern die Bundesregierung auf, sich endlich für einen europaweiten Atomausstieg einzusetzen und ihren Einfluss bei der ungarischen Regierung geltend zu machen. Ungarn soll von seinen AKW-Neubauplänen absehen und stattdessen den Ausbau der Erneuerbaren fördern.
Falls die Regierung an den Plänen festhält, werden wir alle Möglichkeiten ausschöpfen, den Bau zu verhindern. Im Rahmen der UVP werden wir unseren Widerstand starten und zur gegebenen Zeit auch Mustereinwendungen organisieren.

März, 2013