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Ringversuch:

Hohe Messgenauigkeit bestätigt

Karin Wurzbacher und Alfred Körblein an der Radioaktivitätsmessstelle des Umweltinstitut München e.V.

Das Umweltinstitut München e.V. ist eines der wenigen Institute, die als unabhängige Organisationen nach wie vor Radioaktivitätsmessungen von Materialproben durchführen. Wir stehen zwar immer wieder vor der Entscheidung, ob wir den Messbereich aufrecht erhalten oder einstellen sollen, da sich die Belastungssituation, verursacht durch den Tschernobyl-Fallout, inzwischen „entschärft“ hat. Weil sich Tschernobyl aber jederzeit wiederholen kann, haben wir uns entschlossen, diesen kostenintensiven Bereich auch künftig weiter zu führen.

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Qualitätssicherung

Mit unserem modernisierten Gammaspektrometer (s. UN 94/2001), verfügt das Umweltinstitut über ein leistungsfähiges System mit hoher Messgenauigkeit. Diese kann auf Dauer nur gewährleistet werden, wenn man Qualitätssicherung betreibt. Eine Möglichkeit der Sicherung ist die Teilnahme an so genannten Ringversuchen, die von der Bundesanstalt für Milchforschung in Kiel durchgeführt werden.
Als Konsequenz aus dem Unfall von Tschernobyl hat die Bundesregierung das Strahlenschutzvorsorgegesetz (StrVG) erlassen, das u.a. die Radioaktivitätsüberwachung in der Bundesrepublik regelt. Alle amtlichen Messstellen der Bundesländer sind gemäß StrVG verpflichtet, Vergleichsmessungen und Ringanalysen durchzuführen. Neben den amtlichen Stellen aller Bundesländer beteiligen sich auch Universitäten, Forschungseinrichtungen, Betreiber kerntechnischer Anlagen, Lebensmittelhersteller (besonders für Babynahrung) und sonstige Einrichtungen mit radiologischen Abteilungen an den Ringversuchen.

Durchführung der Tests

Als Probenmaterial steht eine Grundsubstanz wie z.B. Mehl, Bodenproben oder Futtermittel zur Verfügung. Das Ausgangsmaterial wird jeweils mit entsprechender Aktivität verschiedener Radionuklide „gespikt“, d.h. mit radioaktiven Substanzen versetzt.
Nach größtmöglicher Homogenisierung wird den Teilnehmern des Ringversuchs jeweils eine definierte Menge zur Untersuchung zugesandt. Die Ergebnisse aus drei vorzunehmenden Einzelmessungen für die von der Bundesanstalt vorgegebenen Nuklide schicken die Teilnehmer dann innerhalb einer gesetzten Frist zur vergleichenden Auswertung an die Bundesanstalt zurück.
Die eingesandten Messergebnisse werden schließlich mit dem Wert verglichen, der von der Bundesanstalt nach mehreren Untersuchungen als Referenzwert ermittelt wurde. Um den Datenschutz zu wahren wird bei der Auswertung jedem Teilnehmer eine Code-Nummer zugewiesen, mittels der jeder die Genauigkeit seiner Werte in einer Grafik ablesen und mit allen anderen Messergebnissen vergleichen kann.

Hohe Genauigkeit bestätigt

Auch das Umweltinstitut München e.V. nahm wiederholt freiwillig an diesem Qualitätstest teil, zuletzt Ende 2002 / Anfang 2003. In diesem Fall wurde Paniermehl mit den Gamma-Nukliden Cäsium-134 (Cs134), Cäsium-137 (Cs137) und Kalium-40 (K40) versetzt.
In der folgenden Abbildung können Sie die Messgenauigkeit der Gammaline am Beispiel Cs137 als „Code-Nummer 18“ ablesen. Auch die Werte der Nuklide Cs134 und K40 liegen sehr nahe am Mittelwert und belegen damit die hohe Genauigkeit unserer Messungen.

Messungen fortführen

Cäsium-137: Die Ergebnisse unserer Messstelle (Nr. 18, siehe rote Ellipse) liegen nahe am Zielwert.

Neben dem Eigeninteresse, den Verlauf der Belastungsentwicklung zu verfolgen und zu dokumentieren, ist uns vor allem die „Vorhaltung“ wichtig: Solange Atomkraftwerke am Netz sind, bleibt die Gefahr eines „zweiten Tschernobyls“ bestehen, egal, ob in der näheren Umgebung oder im benachbarten oder entfernteren Ausland. Dass Radioaktivität keine Grenzen kennt, hat Tschernobyl bewiesen. Neben technischen Mängeln der vielen alterschwachen, zum Teil maroden Atomkraftwerke sind wir heute zusätzlich mit der Gefahr von Terror-Anschlägen konfrontiert. Und wir haben erfahren, dass Selbstmordattentäter vor den katastrophalen Folgen nicht zurück schrecken.

Umweltnachrichten, Ausgabe 99 / April 2004