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Redebeitrag auf der Protestveranstaltung zur offiziellen Einweihung des Garchinger Forschungsreaktors FRM-II am 9. Juni 2004

Das Märchen von der Neutronentherapie

Zweifelhafter Schutz vor Terrorangriffen: Vernebelung des Garchinger Reaktors

Die Betreiber des neuen Atomforschungsreaktors FRM-II haben unverfroren die weit verbreitete Angst vor Krebs in der Bevölkerung ausgenutzt, um eine Rechtfertigung für ihr gefährliches Prestigeobjekt vorzuschieben. Die Krebstherapie mit Neutronen wurde stets als wichtiges Argument benutzt, um für das international umstrittene Projekt zu werben, dabei wurde der heutige Stand der medizinischen Wissenschaft völlig ignoriert.

Ursprünglich wurden große Hoffnungen in die Neutronentherapie gesetzt, aber sie konnten nicht erfüllt werden. Neutronen haben den gravierenden Nachteil, dass sie den größten Teil ihrer Energie im gesunden Gewebe abladen und dieses stark schädigen.
In Europa war England Vorreiter in der Neutronentherapie, heute ist sie dort nicht mehr zugelassen. In den USA gibt es nur noch zwei von ursprünglich 12 Neutronenbestrahlungszentren und auch in Deutschland wurde die Neutronentherapie stark zurückgefahren. Die Zukunft gehört - und da ist sich die Fachwelt einig - der Protonen- und Schwerionentherapie.
Befürworter des FRM-II gingen sogar so weit, dass sie den Gegnern des fragwürdigen Projekts unterstellten, sie hätten mit ihrer Verzögerungshaltung vielen schwer Krebskranken die Chance auf eine Therapie und damit auf eine Gesundung genommen. Tatsächlich wurden am alten Atomei pro Jahr nur etwa 50 - 70 Patienten behandelt, und zwar nicht mit dem Ziel einer Heilung, sondern um diesen austherapierten Patienten noch eine Lebensqualität zu geben. Dies wäre auch mit anderen Mitteln möglich. Auch wenn nun einige Randbedingungen verbessert wurden, die Nachteile der Neutronenstrahlung bleiben bestehen. Deshalb wird sich die Zahl der zu behandelnden Patienten am FRM-II nicht wesentlich steigern lassen.

Der Garchinger FRM-II ist medizinisch gesehen sicher kein Diamant, so wie ihn Herr Goppel anpreist, sondern ist vor seiner Inbetriebnahme schon ein alter Hut!

Das Märchen von der Neutronentherapie

Susanne Breit-Keßler, evangelische Regionalbischöfin, setzt ein Zeichen und spricht auch auf der Protestveranstaltung.

Da Reaktorneutronen kaum in den Körper eindringen, ist die Neutronentherapie allein auf oberflächennahe Tumoren beschränkt. Protonen und schwere Ionen, wie Kohlenstoff, besitzen im Vergleich zu Neutronen sehr günstige physikalische Eigenschaften und versprechen optimale Therapieergebnisse. Eine präzise Dosisverteilung in der Körpertiefe und damit im Tumor zeichnet sie aus. Gesundes Gewebe erhält eine geringere Dosis und bleibt geschont. Eine Krebsbehandlung mit Neutronenstrahlen - so wie es am FRM-II vorgesehen ist - ist die schlechteste Variante der Strahlentherapien, weil sie von vielen unerwünschten, toxischen Nebenwirkungen begleitet wird.

In München entsteht derzeit ein privat finanziertes Protonen-Therapiezentrum. In Heidelberg entsteht ein Zentrum für die Krebstherapie mit Schwerionen. Krebstherapien mit Protonen oder Schwerionen sind effektiver und schonender als die Neutronentherapie.
Die angebliche "erfolgreiche Krebstherapie mit Neutronen" ist nichts als ein vorgeschobenes Argument, um auf unredliche Weise die Zustimmung der Bevölkerung für ein Projekt zu erschleichen, das insbesondere durch die Verwendung von waffenfähigem Brennstoff im internationalen Kreuzfeuer der Kritik steht und für Deutschland kein Renommee bringen wird.