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Presseberichte 1987-1991

Tschernobyl-Unfall: Kein Ende in Sicht!

13.1.87

Tschernobyl, ..., ist ein riesiges Arbeitslager. Ein Lager, aufgefüllt mit Arbeitern, die zwangsweise in die Todeszone gebracht wurden, und dort nun unter Kriegsrechtsbedingungen das Gebiet um Tschernobyl entseuchen müssen. ... Regierungsoffiziell arbeiten in Tschernobyl "Helden", die "zum Teil unter Opferung von Leben und Gesundheit darauf brannten, den atomaren Riesen zu besiegen". Fragt man ehemalige Bürger der Sowjetunion, die innerhalb des letzten Jahres ihr Land verlassen haben und in den Westen ausgereist sind, wird zwar bestätigt, daß in Tschernobyl viele ihr Leben oder zumindest ihre Gesundheit gelassen haben, nicht aber daß dies aus einem Überschwang an Patriotismus geschah. Im Gegenteil: alle Befragten berichten übereinstimmend von Zwangsrekrutierung durch das Militär, die fast überall in der Sowjetunion durchgeführt wurden. ... "Schon 18jährige müssen damit rechnen, für Arbeiten in Tschernobyl zwangsrekrutiert zu werden. Wer sich weigert, bekommt ein, drei oder fünf Jahre Gefängnis gemäß Artikel 80 des Strafgesetzbuchs. Arbeit in Tschernobyl ist Kriegsdienst. Wer in die Zone fährt, muß schweigen, sonst begeht er Geheimnisverrat." ... Offiziell wird zugegeben, daß "500 Dörfer und Arbeiteransiedlungen" dekontaminiert und "hunderte Kilometer Dämme" gegen die Wasservergiftung gebaut werden müssen. Die Entseuchung des mindestens 150mal 120 Kilometer großen hochkontaminierten Gebiets ist eine lebensgefährliche Sisyphus-Arbeit. Welchen Strahlenschutz gibt es? ... "Ab und zu die Kleidung wechseln und viel Wodka. 16 Stunden Arbeit am Tag, sechs Monate lang, sich nicht waschen können, weil unverseuchtes Wasser knapp ist, in ungeschützten Zelten schlafen. Das ist der Alltag von Tschernobyl". Die internationale Atomenergiebehörde ignoriert diese Zustände in Tschernobyl entschlossen. Die IAEA hat seit Monaten Hinweise auf die Zwangsarbeit. Auf die Frage, ob sie den Informationen nachgeht, antwortet der IAEA-Sprecher ...: "Nein, unsere Aufgabe ist es, die internationale Zusammenarbeit in der Atomenergie zu fördern". (taz)

21.4.87

Der Reaktorblock 3 in Tschernobyl wurde wieder ans Netz genommen. Laut sowjetischer Angaben liegt die Strahlung dort in einem Bereich, der Arbeiten wieder zuläßt. (taz)

27.4.87

... 31 Menschen sind nach offiziellen Angaben bisher an den Folgen der Katastrophe gestorben. 135.000 wurden evakuiert, 16 der damals geräumten Dörfer sind inzwischen wieder besiedelt. Die Spätfolgen durch die schwere Strahlenbelastung in weiten Teilen Europas sind noch nicht absehbar. ... Die Sowjetunion will den Bau von graphit-moderierten Atommeilern vom Tschernobyl-Typ RBMK einstellen und sich statt dessen auf Druckwasser-Reaktoren wie im Westen konzentrieren. Nur noch drei RBMK-Reaktoren - in Smolensk, Kursk und Injalina - sollen fertiggestellt werden, nicht aber die Blöcke fünf und sechs in Tschernobyl selbst. ... (taz)

1.6.87

Obwohl in der Umgebung von Tschernobyl die Strahlung extrem hoch ist, wollten Teile der Moskauer Energieplaner, nach dem Motto "jetzt erst recht", die dritte Ausbaustufe mit zwei weiteren Reaktoren beginnen. Dem stehen nicht nur die Strahlen, sondern auch die fehlenden Bedienungsmannschaften im Wege. ... Das Haupthindernis für den Weiterbau war ... dieser Mangel an hochqualifizierten Arbeitskräften. ... (taz)

5./6.12.87

Im sowjetischen Atomkraftwerk Tschernobyl gibt es immer noch Probleme mit austretender radioaktiver Strahlung. Im Kraftwerk hatte es in den vergangenen zehn Monaten 36 Unfälle gegeben, davon drei tödliche. ... (SZ)

1.2.88

Die Evakuierten aus der Gegend von Tschernobyl könnten nach Einschätzung eines sowjetischen Mediziners wieder in ihre Dörfer zurückkehren. Das Leben in der 30-Kilometer-Zone rund um die einbetonierte Ruine des im April 1986 zerstörten Atomreaktors sei jetzt wieder sicher, sagte Leonid Iljin ... . Allerdings werde die Landwirtschaft auf absehbare Zeit hinaus schwierig bleiben. Die Produkte müßten ständig kontrolliert werden. Nach Iljins Angaben sind eine halbe Million Kubikmeter verseuchter Boden abgetragen und "sicher vergraben" worden. Die sowjetischen Behörden hatten nach der Katastrophe rund 115.000 Menschen aus der 30-Kilometer-Zone umgesiedelt. Zur Lage der Opfer erklärte Iljin, von den 237 Strahlenkranken seien 209 genesen. 24 würden Invaliden bleiben. ... Das Krebsrisiko im europäischen Teil der UdSSR sei durch den Unfall um "ein paar Hundertstel Prozent" gestiegen. (SZ)

 

Der "Sarkophag" über derm zerstörten Reaktorblock. Foto: Alexander I. Salmygin

23.12.88

... Der über dem zerstörten Reaktorblock errichtete "Sarkophag" sei nicht, wie anfangs angekündigt, für die Ewigkeit, sondern nur für 20 bis 30 Jahre berechnet. In dem Block seien noch 90 bis 95 Brennstäbe. Um sie auf Dauer zu "neutralisieren", werde überlegt, den Reaktor mit einem Hügel zuzuschütten. (taz)

10.8.89

Mehr als drei Jahre nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl müssen in der Sowjetunion weitere Dörfer evakuiert werden. Die Nachrichtenagentur Tass meldete ..., daß insgesamt 3000 Einwohner in der Region von Bryansk wegen der anhaltend hohen Strahlenbelastung umgesiedelt werden. ... Die Dorfbewohner selbst haben die Evakuierung offenbar durch anhaltende Proteste selbst durchgesetzt ... . (taz)

 
Verlassenes Dorf im Sperrgebiet. Foto: Christina Hacker
8/89

Riesenwachstum zeigen Pflanzen rund um das Atomkraftwerk Tschernobyl in der Ukraine ... . Auch bei Nagern wie Ratten und Mäusen sollen genetische Veränderungen beobachtet worden sein. ... (Schrot & Korn)

13.11.89

Durch das Kernreaktor-Unglück im ukrainischen Tschernobyl im April 1986 sind 145 Menschen schwer strahlenkrank geworden. ... Die Dekontaminierung habe sich als wenig wirkungsvoll erwiesen, und in vielen Gebieten sei das Strahlenniveau in Fleisch und Milch noch unannehmbar hoch. Zehntausende von Menschen hätten noch in den vergangenen Monaten evakuiert werden müssen, nachdem mehr als 100.000 das Gebiet in den ersten Wochen nach dem Unglück verlassen hätten ... (SZ)

2.3.90

Die sowjetischen Behörden haben die Öffentlichkeit nach einem Moskauer Zeitungsbericht nicht in vollem Umfang über die Folgen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl informiert. ... die Behörden hätten eine Karte über die Strahlenverseuchung von vier Gebieten in der Nähe Moskaus als "streng geheim" unter Verschluß gehalten. Erst im September 1989 sei der Bevölkerung dieser Region das Ausmaß der Katastrophe ansatzweise vor Augen geführt worden. Über die verlassenen Dörfer, Siedlungen und Fabriken in diesen Regionen sowie über die starke Zunahme schwerer Erkrankungen sei bisher aber nichts gesagt worden. Es herrsche ein katastrophaler Mangel an Ärzten, Medikamenten und diagnostischen Geräten. (SZ)

15.4.91

Die Zahl der Opfer der Reaktorexplosion von Tschernobyl ... steigt dramatisch an. 7000 der insgesamt 600.000 an den Aufräumungsarbeiten beteiligten "Liquidatoren" sind nach Schätzungen einer sowjetischen Selbsthilfeorganisation inzwischen an den hohen Strahlenbelastungen gestorben. ... Offiziell ist immer noch die Rede von jenen 31 Opfern, die unmittelbar nach dem Unfall ihren Strahlen- und Brandverletzungen erlegen waren. ... (taz)

19.4.91

Die sowjetische Regierung hat 576.000 Menschen registriert, die bei der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl vor fünf Jahren Strahlenschäden erlitten haben, ... . ... im strahlenverseuchten Gebiet seien bisher 188.000 Personen umgesiedelt worden. Jeden Monat würden weitere folgen. (SZ)

29.8.91

Ganz oben auf der Prioritätenliste einer unabhängigen Ukraine steht das Abschalten des Atomkraftwerks Tschernobyl, erklärte der Umweltschutzbeauftragte der Stadt Kiew, Jurij Samijlenko auf einer Konferenz in Toronto. ... Für den Energiebedarf der Ukraine würden die Gasvorkommen und die Wasserkraftwerke völlig ausreichen. (SZ)

2./3.10.91

Im sowjetischen Atomkraftwerk Tschernobyl, das im April 1986 Schauplatz einer Reaktorkatastrophe war, besteht nach Angaben einer sowjetischen Parlamentskommission noch immer die Gefahr eines erneuten Unglücks, bei dem wieder Radioaktivität austreten kann. ... Die größte Gefahr stellt nach Meinung der Kommission das in den Reaktor eindringende Regen- und Tauwasser dar, mit dem die Radioaktivität unkontrolliert weitergetragen werde. Die Experten meinen, daß eine zweite Betonhülle über dem bereits bestehenden Sarkophag errichtet und die Reaktorgrube in Beton eingegossen werden müsse. Außerdem sei eine vollständige Demontage des verunglückten vierten Reaktorblocks unumgänglich. ... (SZ)

15.10.91

... Nach einem Brand im Block zwei des Atomkraftwerks (in Tschernobyl) am Freitagabend waren am Samstag dem russischen Fernsehen zufolge leicht erhöhte Werte an Radioaktivität gemessen worden. ... (SZ)

21.10.91

Die Ukraine will das Kernkraftwerk Tschernobyl bereits vor dem bisher geplanten Termin 1995 abschalten, wie der ukrainische Energieminister Sklarow Bundesumweltminister Töpfer in Kiew erklärte. ... . (SZ)

4.11.91

... Am Wochenende geriet (in Tschernobyl) zum zweitenmal innerhalb drei Wochen ein Kabel in Brand. Nach Angaben sowjetischer Medien ist keine Radioaktivität ausgetreten. ... (SZ)

18.11.91

Das Atomkraftwerk Tschernobyl wird 1993 endgültig stillgelegt, wie der Vorsitzende des staatlichen ukrainischen Atomkontrollkomitees, ... mitteilte. Zudem werde entgegen der bisherigen Planung Block zwei des Kraftwerks, der vor einigen Wochen wegen eines Brandes abgeschaltet worden war, nicht repariert und wieder in Betrieb gesetzt, sondern gar nicht wieder aktiviert, sagte er ... . ... (FR)